Artikel

Frauen gezielt über die Symptome des Herzinfarkts aufklären

Ältere Frauen warten zu lange, bis sie sich mit den Alarmzeichen eines Herzinfarktes an den Notarzt wenden. Das zeigt eine geförderte Studie.

Frau in Rettungwagen
franckreporter - Istock

Bei Frauen, die älter als 65 Jahre sind, dauert es am längsten, bis sie nach dem Auftreten der ersten Symptome eines Herzinfarkts in die Notaufnahme gelangen. Das lange Warten ist lebensgefährlich. Denn bei einem Herzinfarkt können jederzeit bösartige Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) auftreten, die ohne notfallmedizinische Behandlung innerhalb weniger Minuten zum plötzlichen Herztod führen. Darüber hinaus verstreicht wertvolle Zeit, um den Schaden am Herzmuskel therapeutisch zu begrenzen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung in Kooperation mit dem Helmholtz Zentrum und der Technischen Universität München.

Portrait von Prof. Karl-Heinz Ladwig

Auffällige Unterschiede 

„Der Unterschied zwischen älteren Frauen und allen anderen von uns untersuchten Gruppen ist auffallend“, erläutert Professor Karl-Heinz Ladwig, Gruppenleiter am Institut für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums München und Professor für psychosomatische Medizin der Technischen Universität München. Bei älteren Frauen vergehen durchschnittlich über viereinhalb Stunden, bis sie in der Notaufnahme sind, bei jungen Frauen sind es nur knapp zweieinhalb Stunden. Auch junge und alte Männer stehen besser da: Bei über 65-jährigen Männern dauert es rund dreieinhalb, bei jungen Männern gut drei Stunden, bis sie im Krankenhaus untersucht werden.

Anders als bislang angenommen, ist es also weder allein das Alter noch allein das Geschlecht, sondern die Kombination aus Alter und weiblichem Geschlecht, was zu langen Entscheidungszeiten zwischen dem Auftreten der ersten Alarmzeichen eines Herzinfarktes und der Versorgung in einer Notaufnahme führt. Beim Herzinfarkt zählt jede Minute, um das Leben der Patienten zu retten und das verschlossene Herzkranzgefäß wieder zu öffnen: Je schneller der Blutfluss mit der Kathetertechnik wiederhergestellt wird, desto weniger Herzmuskelzellen sterben unwiederbringlich ab.

Frau mit Herzinfartk Symptomen
© fotolia/michaelheim

Typisch weiblich?

Die allgemein verbreitete Annahme, dass bei einem Herzinfarkt das typische Symptom Brustschmerz bei Frauen häufig fehlt und der Herzinfarkt deshalb zu spät erkannt wird, konnten Ladwig und seine Mitarbeiter nicht bestätigen: Die Abwesenheit von Brustschmerz hatte nur einen geringen Effekt auf die Entscheidungszeit der älteren Patientinnen und konnte nicht die beobachteten großen zeitlichen Unterschiede erklären. Die von der Herzstiftung geförderte MEDEA-Studie („Munich Examination of Delay in Patients Experiencing Acute Myocardial Infarction“) zeigt vielmehr, dass das Fehlen von Brustschmerz ein Alterseffekt und nicht typisch weiblich ist – der fehlende Brustschmerz konnte bei älteren Männern annähernd so oft beobachtet werden wie bei älteren Frauen.

Das Auftreten von Brustschmerz lässt sich laut Ladwig auf die einfache Formel bringen: „Je älter, desto weniger Brustschmerz.“ Auch bei Übelkeit und Erbrechen konnte die Studie keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen. „Das hatten wir anders erwartet“, betont Ladwig. Auch diese nicht-typischen Beschwerden seien bislang immer eher Frauen zugeordnet worden. Fehlende oder untypische Beschwerden könnten daher nicht dafür verantwortlich sein, dass ältere Frauen so spät in die Notaufnahme kommen.

Frauen mehr Aufmerksamkeit schenken 

Ladwig und seine Mitarbeiter sehen die Gründe für die langen Entscheidungszeiten im psychologischen Bereich, unter anderem in einer Bescheidenheit, die in diesem Fall völlig unangebracht ist: „Das wird schon wieder besser, da muss ich doch jetzt nicht den Notarzt rufen – was sollen die Nachbarn denken, wenn der Krankenwagen vorfährt und doch nichts war?“ Solche Gedanken sind gerade bei älteren Frauen häufig und führen zu gefährlichen Verzögerungen.

Dieser Risikogruppe muss deshalb bei der Aufklärung über die Symptome des Herzinfarkts eine besondere Aufmerksamkeit gelten. „Eines unserer zentralen Ziele ist es, zukünftig hinsichtlich der Herzinfarktaufklärung gezielt auf ältere Frauen einzuwirken, etwa über bundesweite Kampagnen oder über die Ärzte“, unterstreicht Ladwig. Hausärzte sollten mit ihren älteren Patientinnen, die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt haben, ausführlich über das Thema sprechen. Dabei sollten die Ärzte ihren Patientinnen auch verdeutlichen, wie wichtig es ist, rechtzeitig die Nummer 112 zu wählen. Dazu gehören auch so einfache Tipps, wie den Zettel mit der Notruf-Nummer direkt ans Telefon zu hängen – und zwar so groß geschrieben, dass man die Nummer auch ohne Brille lesen kann.    

Spenden

Kind auf Schaukel

Unterstützen Sie die Herzstiftung

Ihre Spende hilft im Kampf gegen Herzkrankheiten – eines Tages vielleicht auch Ihnen und Ihren Angehörigen. Nicht die Höhe der Spende entscheidet – jeder Betrag hilft.