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Kann Intervallfasten das Herz reparieren?

Eine von der Herzstiftung geförderte Studie untersucht, ob Intervallfasten die Herzinsuffizienz nach einem Herzinfarkt verhindern kann

Gesunde Lebensmittel sind um einen Wecker herum arrangiert.
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Intervallfasten: Vorteile für das Herz-Kreislauf-System

Intervallfasten ist nach wie vor ein ungebrochener Trend. Dies ist kaum verwunderlich, haben doch zahlreiche Studien gezeigt, dass die beliebte Ernährungsform diverse positive Eigenschaften mit sich bringt. So weiß man, dass Intervallfasten nicht allein beim Abnehmen helfen kann, sondern auch Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhtes Cholesterin günstig beeinflusst. Somit kann Intervallfasten bei Herzinfarktpatienten dazu beitragen, das Risiko für einen weiteren Infarkt zu reduzieren.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsklinik für Kardiologie in Halle an der Saale wollen nun aber noch einen Schritt weiter schauen: In ihrer Studie „Intervallfasten nach Myokardinfarkt“ (INTERFAST-MI) gehen Zoe Kefalianakis, Dr. Jochen Dutzmann und Prof. Dr. Daniel Sedding mit ihrem Team der Frage nach, ob das Intervallfasten auch die Regeneration des Herzens nach einem Herzinfarkt unterstützen kann, um so eine Herzschwäche (chronische Herzinsuffizienz) zu vermeiden. Die Deutsche Herzstiftung fördert dieses Vorhaben mit einer Summe von rund 68.000 Euro.

Das Forschungsteam: Doktorandin Zoe Kefalianakis, Oberarzt Dr. Jochen Dutzmann, Study Nurse Kathrin Ludwig und Klinikdirektor Prof. Dr. Daniel Sedding
© Dr. Jens Thol Das Forschungsteam: Doktorandin Zoe Kefalianakis, Oberarzt Dr. Jochen Dutzmann, Study Nurse Kathrin Ludwig und Klinikdirektor Prof. Dr. Daniel Sedding (v. l. n. r.)

Was bewirkt Intervallfasten im Körper?

Es gibt unterschiedliche Varianten des Intervallfastens, doch das Prinzip ist bei allen gleich: Essensperioden mit normaler, ausgewogener Ernährung wechseln sich mit Fastenperioden ab, in denen nichts (stundenweise) oder sehr wenig (tageweise) gegessen wird. Die Fastenperioden sind das Entscheidende: Sie setzen ein Regenerationsprogramm in Gang, das den Energiehaushalt im Körper optimiert und Schutzmechanismen der Körperzellen aktiviert.

Dieser Vorgang, der unseren Vorfahren in der Steinzeit dazu verhalf, Hungerperioden zu überstehen, versetzt Körperzellen in eine Art Winterschlaf (Hibernation) und verbessert so die Immunabwehr und die Heilungsmechanismen. Darüber hinaus startet er in den Zellen so etwas wie ein Entrümpelungsprogramm (Autophagie) und verändert deren Stoffwechsel. Die Zellen konzentrieren sich daraufhin auf einen effektiveren „Kraftstoff“ für Gehirn und Muskeln, die sogenannten Ketonkörper.

Die Forscherinnen und Forscher möchten nun herausfinden, ob diese Prozesse während des Intervallfastens dazu beitragen können, Herzinfarktpatienten vor einer Herzinsuffizienz zu bewahren.

Wie könnte Intervallfasten die Herzinsuffizienz verhindern?

Bei einem Herzinfarkt wird ein Teil des Herzmuskels aufgrund einer verstopften Herzkranzarterie von der Sauerstoffversorgung getrennt. Dieser Teil des Herzens verfällt nach dem Infarkt entweder in einen Winterschlaf (Hibernation) oder stirbt gar ab und vernarbt. In der Folge kann das Herz nicht mehr wie gewohnt pumpen, seine Leistung nimmt allmählich ab, und es kann zu einer chronischen Herzinsuffizienz kommen – einer im fortgeschrittenen Stadium lebensgefährdenden Erkrankung.

Bei der Behandlung von Herzinfarktpatienten kommt es also auch darauf an, die Pumpfunktion des Herzmuskels soweit wie möglich wiederherzustellen, um der drohenden Herzinsuffizienz vorzubeugen. Hier könnte das Intervallfasten ins Spiel kommen: Das durch die Fastenperioden ausgelöste „Hunger-Notfallprogramm“ zeigt nämlich überraschend viele Gemeinsamkeiten mit genau den Zellprogrammen, die eine Heilung des Herzmuskels und eine Wiederherstellung von Durchblutung und Pumpfunktion begünstigen.

Studie zum Intervallfasten: So geht das Forschungsteam vor

In der Studie INTERFAST-MI werden Patientinnen und Patienten nach einem schweren Herzinfarkt anhand von Zufallskriterien auf zwei Gruppen aufgeteilt. Während die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer der ersten Gruppe nach der Methode 16:8 Intervall fasten (16 Stunden am Stück fasten, 8 Stunden nach Belieben essen), ernähren sich diejenigen der zweiten Gruppe weiter wie bisher. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begleiten beide Gruppen eng, untersuchen die Herzfunktion jeweils nach einem, drei und sechs Monaten und vergleichen die Ergebnisse miteinander.

Ziel ist es festzustellen, ob das Intervallfasten einen nicht-medikamentösen, nebenwirkungsarmen Ansatz zur Heilung des Herzmuskels nach einem Infarkt darstellen könnte. In weiteren Schritten soll auch erforscht werden, wie sich das Intervallfasten auf weitere Folgen des Herzinfarkts auswirkt, wie die Anzahl der nötigen Krankenhauseinweisungen, das Entstehen von Folgeerkrankungen oder das Auftreten eines neuen Infarkts.

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