Sprechstundenfrage

Vorhofflimmern: „Kommt bei mir eine Ablation tatsächlich nicht infrage?“

Kürzlich wurde an die Sprechstunde der Deutschen Herzstiftung von einem verunsicherten Herzpatienten die Frage gerichtet, ob es bei ihm tatsächlich schon zu spät sei für eine Ablation zur Beseitigung seines Vorhofflimmerns, wie ihm das sein Arzt mitgeteilt hätte. Doch möglicherweise sind die Erfolgsaussichten auch in diesem Fall gar nicht so schlecht, zumindest wenn eine bestimmte Voraussetzung erfüllt ist.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Ich bin 49 Jahre alt und leide seit fast zehn Jahren an anfallsweisem Vorhofflimmern, ohne jedoch an einer grundsätzlichen Herzerkrankung zu leiden. Ich bin normalgewichtig und recht sportlich. Seit Anfang 2007 nehme ich Flecainid und war damit bis Anfang 2011 fast beschwerdefrei. Seither jedoch nahmen die Episoden des Vorhofflimmerns wieder zu, sodass sie zuletzt fast täglich auftraten. Die Dauer der Anfälle schwankt dabei zwischen einigen Minuten bis zu 60-80 Minuten, selten länger.

Überraschende Aussage von meinem Kardiologen

Bei meinem letzten Besuch beim Kardiologen teilte dieser mir für mich überraschend mit, dass eine Ablation für mich in diesem Stadium nicht mehr infrage käme. Bisher war ich davon ausgegangen, dass dieser Schritt angeraten sei, wenn eine Behandlung mit Medikamenten keinen Erfolg mehr zeigt.

Bis jetzt bin ich mit dieser Erkrankung ganz gut zurechtgekommen, möchte mich aber nicht damit abfinden, in Kürze gegebenenfalls unter dauerhaftem Vorhofflimmern zu leiden.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir mitteilen könnten, ob eine Katheterablation in meinem Fall nun tatsächlich kaum noch Aussicht auf Erfolg hätte und deshalb davon abzuraten sei. (Moritz J., Idar-Oberstein)

Experten-Antwort:

Offensichtlich haben Sie seit rund zehn Jahren paroxysmales (= anfallsartiges) Vorhofflimmern, das Sie seit einigen Jahren mit dem Antiarrhythmikum Flecainid behandeln. In den vergangenen beiden Jahren hat das Vorhofflimmern nach Ihren Hinweisen zugenommen und tritt nun fast täglich auf.

Wenn es sich wie von Ihnen beschrieben nicht um ein "lange persistierendes" Vorhofflimmern handelt, sondern tatsächlich um "anfallsartiges" Vorhofflimmern, also Ihr Herz zwischendurch wieder im normalen Rhythmus schlägt (= Sinusrhythmus), lässt sich davon ausgehen, dass die Erfolgschance einer Ablation bei rund 80 bis 90 % liegt. Wissen muss man in diesem Zusammenhang allerdings, dass in etwa 30 % der Fälle ein einzelner Eingriff nicht ausreicht, sondern die Ablation zum Erreichen dieses Zieles mehr als einmal durchgeführt werden muss.

Völlig anders ist die Situation dagegen bei "lange persistierendem" Vorhofflimmern, also wenn das Vorhofflimmern rund um die Uhr vorhanden ist und keine Phasen eines normalen Herzrhythmus mehr anzutreffen sind. In diesem Fall, der nach Ihren Angaben aber nicht vorliegt, ist die Erfolgschance deutlich geringer. Auch bei mehrmaliger Wiederholung der Ablation beträgt die Erfolgsquote dann oft nur weniger als 50 %.

Wichtig: Für Ablation erfahrenes Zentrum wählen

Anmerken möchte ich noch, dass sich bei einer Ablation die Rate schwerer Komplikationen in den letzten Jahren erfreulicherweise deutlich verringert hat und heute bei ca. 1 bis 2 % liegt. Wichtig ist es allerdings, dass Sie sich an ein Zentrum wenden, das über ausreichend Erfahrung mit der Ablation von Vorhofflimmern verfügt.

Fazit:

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Erfolgsaussichten einer Ablation auch bei länger bestehendem Vorhofflimmern durchaus sehr gut sind, vorausgesetzt es handelt sich um anfallsartiges (= paroxysmales Vorhofflimmern) und nicht um lange persistierendes Vorhofflimmern. Unter Umständen muss die Ablation dabei wie erwähnt mehrmals erfolgen, um den gewünschten Erfolg zu erzielen.

Experte

Prof. Dr. med. Stephan Willems
Portrait von Prof. Stephan Willems

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  1. Nur jeder zweite Betroffene spürt Symptome. Eine Behandlung ist wichtig, um das Schlaganfallrisiko zu senken.
  2. Welche Behandlungen sind bei Vorhofflimmern tatsächlich zu empfehlen? Wer ist gefährdet? Das und vieles mehr beantwortet der Herzstiftungs-Ratgeber.
  3. Wenn Medikamente nicht helfen, kann eine Katheterablation sinnvoll sein. Lesen Sie hier mehr zu Therapiemöglichkeiten bei Vorhofflimmern.

6 Kommentare

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Eduard

Habe auch dieses Vorhofflimmern und wusste nichts über die Möglichkeit einer Ablation

Brigitte N. Köln

Vielen Dank für den sachlichen und informativen Beitrag. Ich habe mich vor einem Jahr abladieren lassen, mit zunächst gutem Erfolg. Jetzt habe ich allerdings erneut Vorhofflimmern. Ich werde voraussichtlich eine zweite Ablation durchführen lassen (müssen). Ich hoffe, dass diese gut verläuft und mir - zumindest über einen längeren Zeitraum - helfen wird.

Hans Martin M. Erkelenz

Meine Rhythmusstörungen kündigen sich meist mit einem leichten,schmerzlosen Blubbern in Brusthöhe,links an.Der Puls geht hoch auf ca.85 /min.mit regelmäßigen Aussetzern.Ich trinke dann meist sehr kaltes Wasser,was manchmal auch wirkt. Wenn das nicht hilft,nehme ich 3 Flecaind/100 mg.am Tag. Bisher habe ich 1-2 Anfälle /Monat,die dann ca.3-8 Stunden anhalten.Ich bin 87 Jahre alt,nehme Lixiana, und bewege mich so viel wie möglich.Der Artikel war sehr hilfreich. M. aus Erkelenz (16.03.2020): Meine Rhythmusstörungen kündigen sich meist mit einem leichten,schmerzlosen Blubbern in Brusthöhe,links an.Der Puls geht hoch auf ca.85 /min.mit regelmäßigen Aussetzern.Ich trinke dann meist sehr kaltes Wasser,was manchmal auch wirkt. Wenn das nicht hilft,nehme ich 3 Flecaind/100 mg.am Tag. Bisher habe ich 1-2 Anfälle /Monat,die dann ca.3-8 Stunden anhalten.Ich bin 87 Jahre alt,nehme Lixiana, und bewege mich so viel wie möglich.Der Artikel war sehr hilfreich.

Karola S. Sankt Augustin

Bitte mehr von diesen RATSCHLÄGEN : DANKE

Adelheid R. Kronshagen

Sehr gute Information. Der Kardiologe hat natürlich keine Zeit eine so gute Information zu geben. Habe sehr viel aus diesen Infos erfahren. Danke!

Birgit B. Greifswald

Ich finde die fachlichen Erklärungen der Spezialisten super!Nun muß nur noch der richtige Kardiologe den Weg mit dem Patienten beschreiten, heißt, dem Ganzen auch zugänglich sein.