Tipps für Herzpatienten

Gefährdet wechselhaftes Aprilwetter das Herz?

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Plötzlicher Regen, starker Wind und kurz danach schon wieder Sonnenschein – wechselhaftes Aprilwetter wird von vielen Menschen als unangenehme Belastung empfunden. Inwieweit sich derartige Wetterumschwünge auch auf Herz und Kreislauf auswirken können und ob Herzpatienten an solchen Tagen bestimmte Vorsichtsmaßnahmen treffen sollten, erläutert die Deutsche Herzstiftung im folgenden Beitrag.

Schon lange ist bekannt, dass vom Wetter ein großer Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System ausgehen kann. An kalten Wintertagen sind z. B. Blutgefäß-Verengungen möglich, woraufhin der Herzmuskel zum einen das Blut gegen einen erhöhten Widerstand durch den Kreislauf pumpen muss. Je nach Vorerkrankungen können dabei gefährliche Überlastungen des Herzmuskels auftreten. Zum anderen können auch Verkrampfungen der Herzkranzgefäße selbst – so genannte Koronarspasmen – auftreten, die zu Angina pectoris und Herzinfarkt führen können.

Andere Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System hat die heiße Jahreszeit, in der auf der einen Seite starkes Schwitzen zu erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten führen kann. Die Folgen reichen von Konzentrationsstörungen über vermehrte Müdigkeit und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kreislaufkollaps, wie Untersuchungen für die heißen Sommermonate immer wieder zeigen. Auf der anderen Seite erweitern sich in der warmen Jahreszeit die Venen an den Beinen, es kommt zu "schweren Beinen" und Ödemen.

Vermehrte Herzinfarkte im April?

Prof. Dr. med.
Thomas Wendt

Anders sieht die Datenlage dagegen für wechselhaftes Aprilwetter aus. "Zwar ist es durchaus möglich, dass sich schnelle Wetteränderungen bei entsprechend veranlagten Menschen auf den Blutdruck oder die Herzfrequenz auswirken", erläutert der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Wendt vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, "allerdings handelt es sich dabei in aller Regel um keine extremen Effekte, wie sie z. B. bei sehr kalter Luft vorkommen können." Im Gegensatz zur Winterzeit zeigen medizinische Studien daher für den April nach Hinweisen des Herzspezialisten hierzulande auch keinen Anstieg der Herzinfarktrate oder von anderen gefährlichen Herzerkrankungen. Demzufolge gibt es keinen Grund, bei häufigen Wetterumschwüngen generell auf körperliche Belastungen zu verzichten oder sich übermäßig zu schonen, wie Prof. Wendt betont.

Im Gegenteil: Statt sich matt und schwunglos in der Wohnung mit der Frühjahrsmüdigkeit herumzuplagen oder Nachwirkungen der Zeitumstellung auf dem Sofa zu verarbeiten, empfiehlt die Deutsche Herzstiftung, die aktuelle Jahreszeit für vermehrte Bewegung im Freien zu nutzen. Denn im Unterschied zu wechselhaftem Aprilwetter ist mangelnde Fitness aus wissenschaftlicher Sicht ein eindeutiger Risikofaktor für Herzerkrankungen, der etwa mit der Gefährlichkeit des Rauchens vergleichbar ist. Darüber hinaus ist Sport in der Lage, die Widerstandsfähigkeit bzw. die Belastbarkeit des Körpers zu erhöhen, was nicht zuletzt ein Vorteil für Menschen sein kann, die empfindlich auf Wetterumschwünge reagieren.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten Herzpatienten beachten?

Herzpatienten, die sich jetzt mit vermehrter Bewegung wieder für den Sommer fit machen möchten, und schon mehrere Monate keinen Sport mehr betrieben haben, sollten ein paar grundlegende Regeln beachten. Neben dem Warmmachen und Stretching unmittelbar vor der Aktivität ist es z. B. wichtig, die Anstrengungen nur allmählich zu steigern und nicht nahtlos an die Intensitäten des Vorjahres anzuknüpfen. Andernfalls kann es zu gefährlichen Überlastungen des Herzens kommen. Zudem sollten sich Herzpatienten nach einer längeren Winterpause vor der ersten Sporteinheit kurz beim Hausarzt oder Kardiologen durchchecken lassen und die momentane Belastbarkeit abklären.
Tipp: Nutzen Sie den offiziellen Gesundheits-Check, der nach dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre von den Krankenkassen bezahlt wird und sich z. B. beim Hausarzt absolvieren lässt.

Zwiebelschalen-Prinzip anwenden!

Um trotz der Wetterkapriolen des Aprils problemlos im Freien Sport treiben zu können, sollte man ein paar einfache Ratschläge beachten. Bei starkem Wind, wie er in dieser Jahreszeit keine Seltenheit ist, heißt es z. B. Waldabschnitte meiden, da herunterfallende Äste schnell zur Gefahr werden können. Sollte das Wetter tatsächlich einmal zu schlecht sein, lässt sich auch an einen Besuch im Hallenbad denken oder man legt zu Hause eine Runde auf dem Fahrrad-Heimtrainer ein.

Da gerade im April wegen der häufigen Wetterumschwünge die Auswahl der Bekleidung nicht immer ganz einfach ist, empfiehlt sich an solchen Tagen das Zwiebelschalen-Prinzip. Gemeint ist, dass mehrere dünne Kleidungsstücke übereinander getragen werden, die sich unterwegs ohne Mühe ausziehen lassen oder einfach per Reißverschluss geöffnet werden können. Je nach Wind- und Regenverhältnissen bzw. Körpertemperatur lässt sich dann flexibel auf das Wetter reagieren, ohne dass Auskühlungen oder unangenehme Überwärmungen zu befürchten sind.

Mit welchen Sportarten für den Sommer fit machen?

Empfehlenswert sind aus medizinischer Sicht vor allem Ausdauersportarten, da bei moderater Durchführung keine übertriebenen Spitzenbelastungen auftreten, die für ein vorgeschädigtes Herz unter Umständen problematisch sind. Zudem können Ausdauersportarten wie Walken, Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Wandern in fast jedem Lebensalter ohne große Vorkenntnisse begonnen werden. Meist lassen sich schon innerhalb kurzer Zeit enorme Trainingsfortschritte erzielen, was bei technisch komplizierteren Disziplinen wie etwa Tennis, Volleyball oder anderen Ballsportarten häufig viel schwieriger ist.

Warnsignale: Bei diesen Symptomen den Sport abbrechen!

Sollte es bei sportlicher Betätigung zu Schmerzen im Brustraum bzw. zu einem heftigen Druck oder starken Engegefühl kommen, ist die Trainingseinheit sofort zu beenden und umgehend ein Arzt aufzusuchen bzw. herbeizurufen, wenn der Schmerz nach Beendigung der Aktivität nicht innerhalb von 15 Minuten verschwindet. Ähnliches gilt für Schwindel, unangemessene Atemnot oder inadäquates Herzrasen – insbesondere wenn die körperliche Belastung nur minimal war oder schon vor mehreren Minuten beendet wurde.

(Redaktion: ebe)

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Bislang 13 Kommentare zu diesem Herzstiftungs-Beitrag

Elfriede F. aus Frettenheim (30.08.2017): Mir machen der plötzliche Wetterumschwung und schwüles Wetter zu schaffen (Herzschwäche I).

Ursula S. aus Berlin (04.08.2017): Ich leide vor allem unter hoher Luftfeuchtigkeit. Ich warte dann immer bis zum Abend, um Sport zu machen. Um meine Widerstandskraft zu stärken, habe ich mich einer Herzsportgruppe angeschlossen. Die dort gezeigten Übungen mache ich dann auch zu Hause. Ich habe Vorhofflimmern und zu niedrigen Blutdruck.

Wolfgang L. aus Dresden (22.10.2016): Genau diese Erfahrungen habe ich auch gemacht. Jetzt bin ich bestätigt.

H. M. aus Gotha (16.04.2015): Da ich wetterfühlig bin jedes Mal wenn das Wetter sich in irgendeiner Form verändert, geht mein Blutdruck extrem hoch, ansonsten ist er im normalen Bereich. Ist das gefährlich für mich?

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da unsere Herzexperten an dieser Stelle keine Nachfragen beantworten können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung

Jutta E. aus Rodgau (27.09.2014): Wie immer sehr hilfreich. Danke.

Kai-Uwe K. aus Bremen (31.05.2013): Herzlichen Dank. Endlich verlassen diese "Symptome" meine Einbildung. Endlich darf (auch s. g. gesunde Menschen) man solche Erscheinungen auch benennen.

Monika C. aus Nürnberg (22.01.2013): Ich bin schon jahrelang sehr wetterfühlig/empfindlich. Vor allem merke ich, wenn sich der Luftdruck unter 1000 hPa senkt und es dann regnet. Auch Schneefall, Kälte, kalter Wind oder plötzliche Sonne und Wärme setzt mir zu, was sich in hohem Blutdruck und Unwohlsein äußert.

Anonym (04.11.2011): An Monja v. C. aus Herten: Mit Sport anzufangen ist eine gute Idee: das Herz wird kräftiger und psychische Einflüsse werden dadurch auch wesentlich besser verkraftet! Bitte parallel dazu psychotherapeutische Unterstützung suchen. Alles Gute, Michael

Bernhard B. aus Mainz (05.10.2011): Die Information stimmt. Ich achte schon lange auf Wetterveränderungen. Im Winter ist mein Blutdruck immer höher als an warmen Sommertagen. Vorsicht bei starkem Wetterwechsel.

Monja v. C. aus Herten (15.07.2011): Ich wurde mit 13 Jahren an einem Septumvorhof-Defekt operiert. Heute bin ich 30 und habe sehr oft Extrasystolen (Herzstolpern), was mir oft zu schaffen macht. Oft ist es sehr beängstigend für mich wegen dieser Vorgeschichte. Ich habe beschlossen wieder mit dem Sport anzufangen. Ihre I-Net-Seite ist sehr hilfreich für mich und nimmt mir ein wenig die Angst. Aber sobald irgendwas mit dem Herzen ist, macht es mir direkt Angst, weil ich doch schon sehr traumatisiert bin diesbezüglich. Nach der Op hatte sich nämlich ein Riesen-Pericard-Erguss entwickelt und es war schon kurz vor 12, als der Arzt die Punktion durchgeführt hatte. Ein furchtbares Erlebnis mit Todesangst. Wie kann ich jetzt am besten mit meinen Ängsten umgehen??? Kann mir irgendjemand was Hilfreiches dazu sagen??? Danke

N. aus Meinerzhagen (03.02.2011): ..ich bin seit ca. 25 Jahren KHK-Patient mit 2 Bypass-OPs und Stent. Seit gestern habe ich anhaltende leichte Angina pectoris-Beschwerden, da es an meinem Wohnort z. Zt. sehr diesig und neblig ist. Normales gehen mit leichter Steigung macht nichts aus. Nitrolingual hat mit 3 Pumpeinheiten 12 Stunden Erleichterung gebracht.

Wolfgang K. aus Sömmerda (18.11.2010): Das Herannahen eines Sturmtiefs, die Zeitumstellungen im Frühjahr und Herbst sowie das Schmuddelwetter im November mit seiner abnehmenden Helligkeit sind meine ärgsten Wetterprobleme. Seit 09.2009 bin ich KHK-Patient und habe den Eindruck, dass die Wetterfühligkeit in ihrer Intensität zugenommen hat.

Günther K. aus Möckmühl (02.11.2010): Nach meiner Erfahrung, löst ein starkes Tief bei mir eine depressive Stimmung aus, die sich auch auf mein Herz auswirkt! Ich habe dann immer ein beklemmendes Gefühl im Brustkorb das mich dann sehr verunsichert und meine Gedanken nur auf Herzinfarkt ausrichtet! Ablenkung egal welcher Art, retten mich dann vor Panik-Attacken. Wenn ich mich beruhigt habe, versuche ich mit autogenem Training die RUHIG-PHASE so lange wie möglich zu halten! Wenn dies nicht gelingt, lasse ich der Panik freien Lauf und heule Rotz und Wasser, bis ich merke dass sich mein Körper und Geist beruhigt haben! Wenn auch dies nicht geholfen hat, bin ich unverzüglich zu meinem Hausarzt oder wenn die zeit schon fortgeschritten war, ins Krankenhaus gefahren (nicht selbst), um ausschließen zu lassen, dass ich keinen Herzinfarkt habe!

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