Aus der Sprechstunde der Deutschen Herzstiftung

„Können Sartane Krebs verursachen?"

Bislang ➞ 23 Kommentare zu diesem Beitrag

Sartane und Krebs

Bereits in HERZ HEUTE 3/2010 hatte die Deutsche Herzstiftung über die Diskussion zum Thema Krebsrisiko und Sartane berichtet, einer Medikamentengruppe, die gegen Bluthochdruck, Herzschwäche und KHK zum Einsatz kommt (z. B. Candesartan, Eprosartan, Irbesartan, Losartan, Olmesartan, Telmisartan, Valsartan). In unserer Sprechstunde wurde nun gefragt, was die Experten der Herzstiftung zu diesem Thema sagen. Die Antwort, die wir auch in HERZ HEUTE 1/2011 abgedruckt haben, gibt Prof. Dr. med. Thomas Eschenhagen vom Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung.

Die Frage: „Wie steht es mit dem Krebsrisiko von Sartanen? Diese Medikamente nehmen ja viele Patienten vor allem gegen Bluthochdruck, bei koronarer Herzkrankheit und Herzschwäche ein. Es ist sehr beunruhigend, dass man über dieses Krebsrisiko Widersprüchliches hört. Was sagen die Experten der Herzstiftung dazu?″

Katrin D., Plön

Die Experten-Antwort:

Im letzten Jahr erschien eine Meta-Analyse (Übersichtsarbeit), in die fünf große Studien eingegangen waren mit 60.000 Patienten. Aus dieser Studie ergab sich eine leichte, aber statistisch nachweisbare Erhöhung des Krebsrisikos der Patienten, die mehrere Jahre lang Sartane (AT1-Rezeptor-Antagonisten) eingenommen hatten.

Die Laufzeit der meisten Studien, die in der Meta-Analyse untersucht wurden, betrug 3-5 Jahre. In HERZ HEUTE 3/2010 wurde darüber berichtet.

Inzwischen hat sich die Datenlage geändert: Im Januar 2011 wurde eine neue, wesentlich größere Meta-Analyse publiziert (Sripal Bangalore et al., Antihypertensive drugs and risk of cancer: network meta-analyses and trial sequential analyses of 324 168 participants from randomised trials, Lancet Oncology 2011; 12: 65-82). 70 Studien mit mehr als 300.000 Patienten wurden untersucht. Geprüft wurde nicht nur das Krebsrisiko von Sartanen, sondern auch das von ACE-Hemmern, Betablockern, Diuretika und Calciumantagonisten. Auch hier war die Beobachtungszeit 3-5 Jahre.

Das Ergebnis: Weder Sartane noch ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika oder Calciumantagonisten erhöhten das Krebsrisiko. Allerdings: Wurden Sartane und ACE-Hemmer zusammen eingenommen, so gibt es in dieser Meta-Analyse Hinweise, dass sich das relative Krebsrisiko um mindestens 10 % erhöht.

Festzuhalten ist: Die Sorgen, die die erste Studie bei Ärzten und Patienten auslöste, ist durch die neue, statistisch aussagefähigere Studie entkräftet. Sartane können – nach dem heutigen Stand der Forschung – eingenommen werden, ohne zu befürchten, dass sich damit das Krebsrisiko erhöht. Allerdings sprechen auch die neuen Daten gegen eine Kombinationstherapie aus Sartanen und ACE-Hemmern, insbesondere deshalb, weil ihr Nutzen gegenüber der alleinigen Gabe von ACE-Hemmern nicht gut belegt ist.

Professor Dr. med. Thomas Eschenhagen

Autor: Professor Dr. med. Thomas Eschenhagen ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

(Redaktion: ebe)

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Bislang 23 Kommentare zu diesem Herzstiftungs-Beitrag

Günther R. aus Lauffen am Neckar (07.12.2015): Woher weiß ich, dass die neueste Studie nicht manipuliert worden ist? Mein Vertrauen auf solche Studien wurde des Öfteren enttäuscht. Die Pharmaindustrie ist ein sehr einflussreicher und spendabler Gigant. Durch welche glaubhaften Darstellungen können meine Bedenken ausgeräumt werden?

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da unsere Herzexperten an dieser Stelle keine Nachfragen beantworten können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung

Isolde G. aus Böblingen (08.07.2015): Das sind immer nützliche Infos. Ich bin seit Jahren Diabetikerin, mir wurde gesagt, dass gerade Diabetiker Sartane einnehmen sollten, die seien nämlich besser als ACE-Hemmer eben bei Diabetikern. Habe sie auch bisher bestens vertragen.

Brigitte S. aus Darmstadt (01.01.2015): Die Information über Sartane, ACE-Hemmer, Calciumantagonisten, etc. ist gut verständlich, glaubhaft begründet und mir eine hilfreiche Information - wie übrigens alle bisher gelesenen Artikel der Herzstiftung. Herzlichen Dank dafür, Brigitte S.

Ernst S. aus Heusenstamm (05.10.2014): Ich habe erhöhten Blutdruck und nehme seit einem Jahr Candesartan AL 8mg. Es ist gut verträglich. Seit einer Woche habe ich die Dosis auf Empfehlung meiner Hausärztin auf 16mg erhöht. Jetzt habe ich Probleme mit dem Zahnfleisch. Ich werde die Dosis wieder auf 8mg reduzieren. Beruhigt hat mich das Thema über Krebs.

N. aus Diessen am Ammersee (03.07.2014): Ich nehme seit langem Bisoprolol, Ramipril, Pantoprazol bei Bedarf Novalgin und Arcoxia ein. Nun hat mein Kardiologe gemeint, ich soll das Ramipril weglassen und stattdessen Valsartan nehmen, damit endlich mein Reizhusten aufhört. Nun habe ich aber irgendwie ein wenig Angst davor, dass Ramipril wegzulassen. Was passiert, wenn ich morgen damit anfange und das Valsartan dafür nehme?

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da unsere Herzexperten an dieser Stelle keine Nachfragen beantworten können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung

H. Zingrebe aus Hannover (02.10.2013): Bluthochdruckpatienten sind Dauerhaft auf einen Blutdrucksenker z. B. Betablocker angewiesen. Daher ist der hier genannte Betrachtungszeitraum von 3 - 5 Jahren einfach zu gering.

Fr. Pichl aus Schwandorf (08.08.2013): Aber ich habe trotzdem Bedenken, weil ich der Pharma-Industrie zutraue, daß sie bei diesem Ergebnis nachgeholfen hat.

Dr. Landers aus Teneriffa (08.07.2013): Mit solchen Studien ist schon viel manipuliert worden. Ich vertraue prinzipiell nicht darauf. Die Pharmaindustrie ist ein sehr einflußreicher und spendabler Gigant.

Rode aus Rastede (11.05.2012): Ich nehme homöop. Tropfen sei Februar 2012 gegen essentielle Hypertonie ein und habe mein Gewicht um 10 kg reduziert, Ernährung stark geändert, Wildpflanzen u. a. u. wenig tierische Produkte. Die Bluthochdruckwerte sind noch nicht gesunken. 4 verschied. Blutdrucksenker nicht vertragen (Reizhusten usw.) - Bärlauchtabletten (und Artischockensaft als Kur) und mache wieder mehr Sport. Warte auf bessere Blutdruckwerte ohne Chemie.

Monika aus Hamburg (10.03.2012): Danke für den Bericht, nachdem eine Studie ergeben hat, dass Rasilez bei Diabetikern die Gefahr eines Schlaganfalls erhöht, bekomme ich nun Kinzalmono und bin beruhigter, was die Einnahme betrifft.

Jürgen B. aus Nordenham (17.06.2011): Diese Information ist sehr hilfreich, da ich einen AT1-Antagonist und zwei verschiedene Diuretika (HCT 12,5 mg und Torasemid 10 mg) einnehme. Möchte gerne wissen, wie hoch das Krebsrisiko ist. Für den Beitrag herzlichen Dank. Bitte macht weiter so.

Berardinucci Sergio aus Zürich (23.05.2011): Guten Tag, Ich fand es sehr hilfreich und bedanke mich dafür. Darf ich mich bei Fragen zu diesem Thema evtl. melden?

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da unsere Herzexperten an dieser Stelle keine Nachfragen beantworten können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung

Gitta aus Ludwigshafen (10.04.2011): Ich nehme seit Jahren Blopress und Hygroton (Betablocker auslaufen gelassen). Wegen Sklerodermie nehme ich nun Rasilez (Blutdruck geht nicht runter). Seit ca. 2 Wochen Aprovel und Hygroton, Blutdruck um die 140.

Willi Schultze aus Reinheim (07.04.2011): Sehr geehrte Damen und Herren. Die Artikel der Deutschen Herzstiftung sind immer sehr informativ. Vielen Dank für die regelmäßige Zusendung per eMail.

Burkhard S. aus Göttingen (07.04.2011): Ich bin selbst betroffen und danke sehr für diesen Beitrag.

F. T. aus Hagen (07.04.2011): Es handelt sich um einen sehr wichtigen Beitrag, da ich als Betroffener Telmisartan und Bisoprolol in Kombination einnehme. Danke für die Info!

Ulrich Wetzel aus 57610 Altenkirchen (06.04.2011): Sehr geehrte Damen u. Herren, was mich mehr interessieren würde, ist die Frage in welchen Herzmedikamenten (Name?) sind Sartane u. ACE-Hemmer enthalten? Ich selbst nehme Lorsartan-ratiopharm comp. 100 mg/25 mg, Amlodipin 10 mg u. Moxonidin 0,4 mg je 1 Tablette tägl. ein. Kann man eine Antwort von Ihnen bekommen. Mit besten Grüßen Ulrich W.

Hinweis der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zur eigenen Herzerkrankung können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da Antworten an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht möglich sind.

Wolfgang N. aus Halstenbek (06.04.2011): Aufklärung über Nebenwirkungen sind generell sehr interessant, weil doch sehr viele Menschen auf Medikamente angewiesen sind, die auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden müssen. Bluthochdruck kann bei jüngeren Menschen mit Sport und Ernährung geregelt werden. Bei alten Menschen bleibt nur die Ernährung und die Einnahme von Tabletten. Dabei ist es doch wichtig, über Studien zu Nebenwirkungen etwas zu erfahren.

Wolfram T. aus Coburg (06.04.2011): Es fehlt der Hinweis, welche bzw. alle ACE-Hemmer? Standard-Medikation ist normalerweise Betablocker (z. B. Metoprolol) + Sartan...

Klausi aus Cremlingen (06.04.2011): Keine eigenen Erfahrungen mit dem Medikament gemacht, weil mir der Arzt Lisinopril AL 10 mg verordnet hat, welches sehr gut anschlägt.

Regina G. aus Saarbrücken (06.04.2011): Bisher wusste ich gar nichts von der Gefahr einer erhöhten Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, wenn man Sartane einnimmt. Jetzt bin ich auf jeden Fall verunsichert, da man nicht weiß, wer die Studien in Auftrag gegeben hat.

G. aus Blindheim (06.04.2011): Ich nehme seit Jahren Sartane, früher Diovan zur Zeit Atacand, diese neue Studie beruhigt mich jetzt wieder.

Rasica aus Mentor (06.04.2011): Besten Dank für ihre Antwort.

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