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Lexikon: Herzinsuffizienz

Was genau ist eigentlich eine Herzinsuffizienz?

Bislang 14 Kommentare zu diesem Beitrag (Stand: Mittwoch, 16.05.2012)

Rund 1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer Herzschwäche, die in Fachkreisen als Herzinsuffizienz bezeichnet wird. Doch was ist aus medizinischer Sicht eigentlich genau unter einer Herzinsuffizienz zu verstehen? Für solche und weitere interessante Fragen können Sie jederzeit kostenlos das medizinische Online-Lexikon der Deutschen Herzstiftung benutzen, das annähernd 1.000 wichtige Fachbegriffe zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen enthält.

Eine Herzinsuffizienz beschreibt die verminderte Pumpfunktion des Herzens (eine Sonderstellung hat dabei die diastolische Herzinsuffizienz, bei der die Pumpkraft des Herzens normal sein kann). Derzeit leben in Deutschland schätzungsweise rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Herzinsuffizienz.

Auswirkungen der Herzinsuffizienz auf den Blutkreislauf

Aufgrund der mangelnden Pumpfunktion des Herzens kann es bei einer Herzinsuffizienz im Blutkreislauf zu einem Rückwärts- oder Vorwärtsversagen kommen.
Unter Rückwärtsversagen versteht man bei einer Herzinsuffizienz, dass es wegen der mangelnden Pumpfunktion zum Rückstau des Blutes kommt, das aus der Lunge und dem Körperkreislauf zum Herz zurückfließt. Der Rückstau kann zu einem Druckanstieg in den Blutgefäßen führen, woraufhin mehr Flüssigkeit aus den Gefäßen in das Gewebe gedrückt wird. Die Folge können Wassereinlagerungen (Ödeme) sein, z. B. in der Lunge oder in den Beinen.
Unter Vorwärtsversagen versteht man bei einer Herzinsuffizienz, dass die Pumpfunktion nicht ausreicht, um den Körper (Muskeln/Organe) ausreichend mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Als Folge kann es z. B. zu Atemnot bei geringer Belastung oder gar in Ruhe kommen. Ebenso zu Schwächegefühl und verminderter Belastbarkeit.

Symptome (Erscheinungszeichen) der Herzinsuffizienz

Je nach Schweregrad und Art der Herzinsuffizienz können unterschiedliche Beschwerden auftreten: z. B. Atemnot beim Treppensteigen oder bei anderen körperlichen Belastungen (in fortgeschrittenem Stadium auch bereits in Ruhe). Zudem sind bei einer Herzinsuffizienz Wassereinlagerungen (Ödeme) möglich, z. B. in der Lunge oder den Beinen bzw. am Fußrücken (Betroffene merken, dass die Schuhe nicht mehr passen). Nachts kann es zu vermehrtem Wasserlassen kommen (wenn die Wassereinlagerungen während des Schlafs aus dem Gewebe zurückfließen und ausgeschieden werden). Betroffene schlafen teilweise mit erhöhtem Oberkörper bzw. mit einem Kissen unter dem Rücken, da bei aufrechter Haltung die Wassereinlagerungen in der Lunge abnehmen und somit das Atmen im Schlaf erleichtert wird. Häufig zeigt sich bei einer Herzinsuffizienz eine verminderte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Zudem können Herzrhythmusstörungen auftreten.

Formen der Herzinsuffizienz

Eine Herzinsuffizienz lässt sich einteilen in:

  • Rechtsherzinsuffizienz: Eingeschränkte Pumpfunktion der rechten Herzkammer, die das sauerstoffarme Blut zur Lunge pumpt.

  • Linksherzinsuffizienz: Eingeschränkte Pumpfunktion der linken Herzkammer, die das sauerstoffreiche Blut in den Körperkreislauf bzw. zu den Organen (Gehirn, Leber, Nieren usw.) pumpt.

  • Globale Herzinsuffizienz: Kombination aus Links- und Rechtsherzinsuffizienz.

  • Systolische Herzinsuffizienz: Verminderte Auswurfleistung (Ejektionsfraktion) der linken Herzkammer, die das Blut in den Körperkreislauf pumpt.

  • Diastolische Herzinsuffizienz: Gestörte Dehnbarkeit der linken Herzkammer, die deswegen gegen einen erhöhten Widerstand gefüllt werden muss, ehe das Blut von dort in den Körperkreislauf gepumpt wird.

  • Akute Herzinsuffizienz: tritt innerhalb von Minuten bis Stunden bzw. wenigen Tagen auf.

  • Chronische Herzinsuffizienz: Die Herzinsuffizienz liegt bereits seit Wochen oder Monaten/Jahren vor.

Ursachen der Herzinsuffizienz

Ursachen der Herzschwäche können sein: z. B. koronare Herzkrankheit/Herzinfarkt, Bluthochdruck, Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelentzündungen, angeborene Herzfehler, Alkoholmissbrauch, Herzrhythmusstörungen, Überfunktion der Schilddrüse.

Stadien/Schweregrade der Herzinsuffizienz

Die Herzinsuffizienz lässt sich je nach Beschwerden in verschiedene Schweregrade einteilen. Weit verbreitet ist die Klassifikation der New York Heart Association (= Herzvereinigung New York), die eine Einteilung in vier Stadien vorsieht (= NYHA-Stadien I-IV).

Stadium I
Herzschwäche, bei der körperliche Alltagsbelastungen keine unangemessene Erschöpfung, Atemnot oder Rhythmusstörungen verursachen.

Stadium II
Alltägliche körperliche Belastungen wie z. B. Treppensteigen führen über das normale Maß hinaus zu Erschöpfung, Atemnot oder Herzrhythmusstörungen.

Stadium III
Bereits geringe körperliche Belastungen verursachen Erschöpfung, Rhythmusstörungen oder Atemnot. Keine Beschwerden in Ruhe.

Stadium IV
Herzinsuffizienz mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe. Bettlägerigkeit.

Therapie der Herzinsuffizienz

Die Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz beruht auf verschiedenen Säulen. Wichtig sind Medikamente (z. B. ACE-Hemmer/Angiotensin 2-Blocker, Betablocker, Diuretika), Rhythmologische Therapien (Beseitigung einer Herzrhythmusstörung (Vorhofflattern) oder auch Einpflanzung eines Drei-Kammer-Schrittmachers zur zeitgerechten Aktivierung der Vorhöfe und beider Herzkammern, so genannte Resynchronisationsbehandlung. Diese Geräte haben oft auch einen Defibrillator eingebaut, da bei schwerer Herzmuskelschwäche auch bedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten können, die damit zu beheben sind.) und gezieltes körperliches Training.

Prognose der Herzinsuffizienz

Die Prognose dieser schweren Erkrankung kann durch Beseitigung der Ursachen (z. B. Behandlung des Bluthochdrucks) und durch heute mögliche Behandlungsmaßnahmen wesentlich verbessert werden.

Professor Dr. med. Hans-Jürgen Becker

Autor: Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Becker ist Ehrenvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

(Redaktion: ebe)

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Bislang 14 Kommentare zu diesem Beitrag

Sanne (20.04.2012): Ich habe keinen erhöhten Blutdruck, jedoch die Anzeichen des Stadium II. Sobald ich dann ausruhen kann, ist es bald wieder in Ordnung und ich mache meine Arbeit weiter ... seit Jahren Ödeme, besonders am Morgen, leider hat mein Kardiologe das nicht wichtig gefunden, sondern mir gesagt, damit könne ich uralt werden. Mag ja sein, aber die Symptome sind halt sehr belastend ... MfG Sanne

Gerhard L. aus Nürnberg (11.04.2012): Ich bin heute hier neu und ich bin vom Beruf Maschinenbautechniker, aber meine Freundin hat einen Herzfehler und ich habe wirklich bisher keine Ahnung, was es alles für Herzfehler gibt. Ich suche hier, um eben ihr zu helfen. Es ist für mich ganz wichtig Informationen zu lesen und man kann nicht alles den Arzt erfragen. Vielen Dank und viel Glück für alle.

Marc Champollion aus Freiburg (07.04.2012): Nichts steht über die positive Wirkung des regelmäßigen (täglichen!) Wanderns, mit Hilfe dessen die meisten Medikamente überflüssig werden.

Monika U. aus Schmalkalden (11.03.2012): Bei mir wurde im Jahr 2011 per Echogramm eine diastolische Funktionsstörung des linken Ventrikels festgestellt. Gleichzeitig habe ich (weiblich 64 Jahre alt) eine Pumpfunktion von 70 %. Ich habe keinen hohen Blutdruck, keinen zu hohen Cholesterinwert und auch keinerlei Beschwerden. Auf Grund von Extrasystolen, die ich seit meinem 20. Lebensjahr habe (wurden immer als harmlos eingestuft), bekomme ich seit Oktober 2011 erstmals einen Betablocker Carvedilol 6,25 mg verordnet. Diesen aber auch nur weil ich mich in der letzten Zeit also seit Oktober 2011 durch die Extrasystolen, die da erstmalig verstärkt aufgetreten waren, unsicher und verängstigt gefühlt habe. Seit ich diesen Betablocker einnehme, fühle ich mich wieder sehr gut. Extrasystolen nur noch selten und kurz zu spüren. Ich lebe mein Leben völlig normal.

Klaus K. aus der Nähe von Bozen (Südtirol) (07.10.2011): Ich habe diesen Bericht gelesen und finde ihn sehr, sehr verständlich. Ich habe auch eine Herzinsuffizienz (seit meiner Geburt 71).

Karl-Heinz K. aus Rösrath (06.09.2011): Ich kann Ihren Ausführungen nur zustimmen und möchte hier noch einige Ergänzungen einfließen lassen. Meine Diagnose im Jahre 2000 (Alter 53 Jahre) war eine dilatative Kardiomyopathie mit unklarer Genese, hochgradig eingeschränkte systolische LV-Funktion, planimetrische Ejektionsfraktion bei 25 %, Einstufung NYHA I. Im FrühJahr 2010 verschlechterte sich mein Zustand, starke Atemnot. Einstufung auf NYHA III, Planimetrischer Ejektionsfraktion 17 %. Das war schon ein Schock für mich, da ich jahrelang Leistungssport gemacht habe und auch Marathon gelaufen bin. Ich hatte mich im Herzzentrum KWK Duisburg mit Diagnose "Terminale Herzinsuffizienz "untersuchen lassen, um meinen HTX-Status bestimmen zu lasssen. Im Herbst 2010 habe ich einen stationären 3-wöchigen Aufenthalt in der Gollwitzer-Meier-Klinik in Bad Oeyenhausen gehabt, der mir sehr viele neue Erkenntnisse gebracht hatte. Die Reha-Maßnahme war hocheffizient, da ich nur positive Aspekte aus dieser Zeit mitgenommen habe. Eines der wichtigsten Dinge die ich seitdem beherzige ist, eine langfristig konsequente Meidung von körperlich anstrengenden Tätigkeiten, ferner kontrolliere ich täglich meine Gewicht. Die Daten werden über Telemetrie an eine Zentralstelle weitergeleitet. An der Reduzierung meines Gewichtes arbeite ich zur Zeit. Ich bin Nichtraucher, habe Diabetes II, bin ICD-Träger und bekam 2002+3 Re+Li TEP-Hüftprothesen eingesetzt.) Zur Zeit bin ich in einer sehr guten Verfassung und mache 4 X die Woche 10 Km Powerwalking durch den Wald. Hierbei halte ich meine Pulsfrequenz zwischen 90 + 100 Schläge/min. Ich bin seit 2006 ICD-(Defibrilator)-Träger, hatte aber seitdem noch keine Auslöser. Der ständige Kontakt zu meinen ärztlichen Beratern und der Besuch von Fachseminaren bringen mich auf den aktuell neuesten Stand meiner Krankheit. Wichtigste Erkenntnisse sind die Auseinandersetzung mit der Krankheit, aktive Teilnahme an Aufbauprogrammen sowie Schulungen, Vermeidung von großen Kraftanstrengungen und einen erholsamen täglichen 1-stündigen Regenerationsschlaf nach Mittag. Bei der letzten Defi-Kontrolle wurde eine Ejektionsfraktion von 25 % festgestellt. Da war selbst mein Kardiologe baff und hocherfreut. Man soll sich nie aufgeben, frei nach dem Motto: "Nur gegen den Strom geht es zur Quelle". Karl-Heinz K.

Stefan M. aus Nufringen (16.07.2011): Diese Informationen machen sogar Hoffnung.

Burkhard K. aus Berlin (12.07.2011): 1997 der 1. & 2009 der 2. HW-Infarkt. Alles in allem eine EF von ca. 40% gehabt. Nun, Mitte Januar 2011 schwere Angina Pectoris... EF nur noch 25-30%. Der Beitrag zur Einstufung hat mir weitergeholfen. Auch das Thema "HERZHOSE" bin ich schon dran. Ich bin doch erst 50 Jahre alt...

Sigrid P. aus Hamburg (25.06.2011): Ich freue mich sehr, so ausführlich über die verschiedenen Formen der Herzinsuffizienz nachlesen zu können. Es hat mir sehr geholfen, meine eigene Situation nach einem Hinterwandinfarkt (vor 8 Wochen) zu erkennen. Vielen Dank!

Lore K. aus Stuttgart (25.05.2011): Ich bin 62 Jahre alt und weiß seit Mai 2010, dass ich eine diastolische Herzschwäche habe. Ich finde die Erklärungen sehr hilfreich. Man ist meist von Ärzten nicht so informiert und entwickelt dadurch Ängste.

Jürgen B. aus Nordenham (31.03.2011): Diese Information hat mir sehr geholfen, und ich werde meinen Kardiologen auf meine Beschwerden ansprechen. Bitte macht weiter so.

Karin R. aus Ingersleben (23.03.2011): Seit 10/2010 weiß ich, daß ich an DCM St. III erkrankt bin. Das Pumpvolumen lag anfangs bei 20 %, jetzt sind es 58 %. Ich finde die genaue Beschreibung sowie die Einteilung der einzelnen Stadien der Krankheit in ihrem Beitrag sehr hilfreich u. gut erklärt. MfG

Dr. F. Flor aus Hamburg (18.01.2011): Von dieser für einen Laien umfassenden und sehr verständlichen Darstellung habe ich außerordentlich profitiert.

Walter K. aus Kaufungen (13.01.2011): Bin 73 Jahre alt und leide an dieser Krankheit. Ich finde Ihren Artikel sehr gut. Habe daraus viel gelernt.

 
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