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Aus der Sprechstunde der Deutschen Herzstiftung

Blutdruck: „Wie wirkt sich Alkohol aus?”

Bislang 0 Kommentare zu diesem Beitrag (Stand: Dienstag, 15.05.2012)

Weinglas Alkohol Blutdruck

Vor einiger Zeit tauchte in der medizinischen Sprechstunde der Deutschen Herzstiftung die Frage auf, wie sich Alkohol auf den Blutdruck auswirkt. Hier die ausführliche Antwort des Herzspezialisten Prof. Dr. med. Dieter Klaus vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.


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Die Frage: In medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Fachbüchern lese ich, dass Alkohol den Blutdruck erhöht. An anderer Stelle ist wiederum zu lesen, dass Alkohol die Gefäße erweitert (daher Hitzegefühle). Wenn die Gefäße erweitert werden, sinkt der Blutdruck. Das habe ich als Krankenschwester gelernt. Was stimmt denn nun? Können Sie erklären, auf welchem Weg Alkohol den Blutdruck erhöht?

Simona S., Sachsen-Anhalt

Die Experten-Antwort:

Kurzfristig erweitert Alkohol in der Tat die Blutgefäße, wobei vorwiegend die Gefäße der Gesichtshaut betroffen sind, was die Rötung des Gesichts (Flush) beim Trinken von Alkohol erklärt. Wie sich Alkohol bei einem Menschen auf den Blutdruck auswirkt, hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab:

Beobachtungen zeigen, dass z. B. bei seelischer Erregung (Ärger usw.) und gleichzeitigem Trinken von Alkohol der Blutdruck mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ansteigt, ebenso wenn zum Alkohol geraucht wird. In solchen Situationen übertreffen die blutdruckerhöhenden Effekte des Alkohols (siehe unten) dessen blutdrucksenkende Effekte, die durch die Erweiterung von Hautgefäßen zustande kommen.

Alkohol: Ab welcher Menge steigt der Blutdruck?

Auch die Menge des konsumierten Alkohols spielt eine Rolle. Beim Mann steigt der Blutdruck meist ab etwa 30 g Alkohol an und bei Frauen bereits ab ca. 20 g Alkohol.

Wie stark steigt der Blutdruck beim Trinken von Alkohol?

Das Ausmaß des Blutdruckanstiegs beim Trinken von Alkohol ist individuell unterschiedlich. Teilweise handelt es sich um eine Zunahme von bis zu 7 mmHg des oberen Wertes (systolisch) und 5 mmHg des unteren Wertes (diastolisch). Beim Mann sind die Anstiege des Blutdrucks stärker als bei der Frau und bei Rauchern stärker als bei Nichtrauchern.

Was ist die Ursache des Blutdruck-Anstiegs unter Alkohol?

Als Ursache für den Blutdruckanstieg durch Alkohol werden verschiedene, noch nicht ganz genau geklärte Mechanismen verantwortlich gemacht. Wesentlich ist eine über das Zwischenhirn ausgelöste Steigerung der so genannten Sympathikus-Aktivität, die zu einer erhöhten Ausschüttung blutdrucksteigernder Hormone führt, was z. B. eine Erhöhung der Herzfrequenz zur Folge haben kann.

Bei regelmäßigem Konsum überhöhter Alkoholmengen über einen längeren Zeitraum kommen zusätzlich weitere Mechanismen in Betracht – z. B. eine Gewichtszunahme durch die erhöhte Kalorienzufuhr (Gewichtszunahme erhöht den Blutdruck) und eine damit oft verbundene gesteigerte Kochsalzaufnahme.

Wie viel Alkohol ist erlaubt?

Der regelmäßige Konsum von großen Mengen Alkohol erhöht langfristig das Risiko für die Entwicklung eines dauerhaften Bluthochdrucks. Als “blutdruckneutral” sehen medizinische Fachgesellschaften wie etwa die Deutsche Hochdruckliga oder internationale Hochdruckgesellschaften beim Mann eine Alkoholaufnahme von täglich bis zu 30 g Alkohol an, was etwa zwei Gläsern Wein oder zwei Gläsern Bier pro Tag entspricht (bei der Frau bis zu 20 g Alkohol pro Tag). Das heißt, diese tägliche Mengen lassen den Blutdruck langfristig mit großer Wahrscheinlichkeit unbeeinflusst.

Wichtig: Dennoch wird bei Menschen mit einem Bluthochdruck wegen der Möglichkeit ungünstiger Effekte auf den Blutdruck und auf andere Organe (Leber, Bauchspeicheldrüse) bzw. auf die Karzinomentstehung von regelmäßigem Alkoholkonsum abgeraten. Das gilt übrigens auch trotz der wiederholt bestätigten Beobachtung, wonach kleine Mengen Alkohol das Risiko für die koronare Herzkrankheit bzw. für Herzinfarkte herabsetzen können. Denn die negativen Auswirkungen von Alkohol werden als schädlicher angesehen als dessen schützende Effekte.


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Professor Dr. med. Dieter Klaus

Autor: Prof. Dr. med. Dieter Klaus ist Herzspezialist und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Zu seinen medizinischen Schwerpunkten zählt u. a. das Thema Bluthochdruck und Herzerkrankungen.

(Redaktion: ebe)

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