Herzstiftungs-Sprechstunde

Herzinfarkt und KHK: Sind die neuen, bioresorbierbaren Stents zu empfehlen?

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Stent
Mit Stents lassen sich aufgedehnte Gefäßengen langfristig offenhalten.

Stents sind kleine röh­ren­för­mi­ge Draht­ge­flech­te, die sich z. B. bei einem Herz­in­farkt oder einer KHK in die Herzkranzgefäße einsetzen lassen, um eine per Katheter auf­ge­dehnte Engstelle dauerhaft of­fen­zu­hal­ten. Seit kurzem existieren sogenannte bio­re­sor­bier­bare Stents, die nicht mehr aus Metall sind und sich im Laufe der Zeit wieder auflösen. Ob diese neuen Stents besser sind, erläutert die folgende Experten-Antwort. (Hinweis: Menschen mit einer KHK oder nach einem Herzinfarkt empfiehlt die Deutsche Herzstiftung den ➞ Herzstiftungs-Ratgeber Band 4: Herzinfarkt und KHK.)

Die Sprechstunden-Frage: Anfang dieses Jahres habe ich einen Stent erhalten. Leider sind jetzt wieder Brustschmerzen unter Belastung aufgetaucht, also Angina pectoris, die sich durch Medikamente nicht ausreichend behandeln lässt. Deshalb interessiere ich mich sehr für die bioresorbierbaren Stents, also Stents, die sich selbst auflösen und denen große Vorteile zugeschrieben werden.

Prof. Voigtländer hat 2015 in der Broschüre „Herz in Gefahr, koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“ darüber berichtet und mitgeteilt, dass ein endgültiges Urteil über diese vielversprechenden Stents erst möglich ist, wenn Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien vorliegen, die sie mit modernen medikamentenbeschichteten Stents vergleichen. Gibt es inzwischen Ergebnisse dieser Studien? Haben sich die bioresorbierbaren Stents bewährt? (Ruth L., Duisburg)

Die Experten-Antwort:

Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer
Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vor­stands­mit­glied Deutsche Herzstiftung.

Bei Ihnen sind nach einer Stentbehandlung vor einigen Monaten wieder Angina pectoris-Beschwerden aufgetreten. Die Ursache dieser Beschwerden muss unbedingt geklärt werden.

Denn möglicherweise ist es zu einer Wiederverengung im Stent gekommen. Dies ist heutzutage zwar sehr selten, kann aber die Ursache Ihrer Beschwerden sein. Es ist auch möglich, dass an einer anderen Stelle in den Herzkranzgefäßen eine weitere Verengung entstanden ist. Sie sollten daher umgehend Ihren Kardiologen aufsuchen, damit die Ursache der Beschwerden schnell geklärt werden kann.

Davon abgesehen fragen Sie, inwieweit sich auflösende (bioresorbierbare) Stents eine Alternative darstellen und welche Ergebnisse 2017 vorliegen: Die bioresorbierbaren Stents sind eine neue Entwicklung in der Herzmedizin. Wie bei den bisherigen Metallstents kann auch mit einem bioresorbierbaren Stent ein Herzkranzgefäß nach erfolgter Aufdehnung offengehalten werden. Und wie die Metallstents sind auch die bioresorbierbaren Stents mit einem Medikament beschichtet, das eine überschießende Narbenbildung mit der Folge einer Wiederverengung (Re-Stenose) verhindert. Das Neue an den bioresorbierbaren Stents ist die Eigenschaft, dass die Stents sich nach einer gewissen Zeit auflösen können (etwa nach 3 Jahren) und somit langfristig kein Fremdmaterial im Körper zurückbleibt. Statt aus Metall bestehen die Streben des Stents aus Milchsäureprodukten, die sich nach und nach auflösen.

Studien zeigen Nachteile

Zuletzt wurde im März 2017 im renommierten New England Journal of Medicine eine Studie publiziert, bei der moderne medikamenten-beschichtete Metallstents mit bioresorbierbaren Stents verglichen wurden. Leider zeigten sich bei den neuen Stents im Vergleich zu einem bisherigen Metallstent mehr Probleme. So kam es bei den neuen Stents deutlich häufiger zu einer Stent-Thrombose (= Blutgerinnsel im Stent), was eine gefürchtete Komplikation bei der Behandlung mit Stents darstellt.

Fazit: Aus diesem Grunde können sowohl bei Ihnen als auch ganz allgemein resorbierbare Stents derzeit nicht als Alternative empfohlen werden. Möglicherweise können aber durch technische Weiterentwicklungen der neuen bioresorbierbaren Stents in Zukunft bessere Ergebnisse erzielt werden.

•••

Sonderband Herzinfarkt/KHKEmpfehlung: Worauf Betroffene nach einem Herzinfarkt oder bei einer KHK achten müssen, erläutert der umfangreiche ➞ Herzstiftungs-Ratgeber zum Thema KHK und Herzinfarkt (z. B. was eine durchdachte Ernährung zum Schutz vor einem weiteren Infarkt bewirken kann oder was man über die Nebenwirkungen von Herz-Medikamenten wissen muss).

Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer

Diese Sprechstunden-Frage hat beantwortet: Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Herzspezialist und Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. Zu den Schwerpunkten des Herzexperten zählt u. a. die interventionelle Kardiologie und nichtinvasive Bildgebung.

(Redaktion: Dr. med. Karl Eberius)

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Bislang 14 Kommentare zu dieser Sprechstunde

Peter P. aus Frankfurt am Main (14.08.2017): Mich wundert es, dass man meiner Frau (Jahrgang 1966, nicht übergewichtig, Nichtraucher, keine erhöhten Cholesterinwerte) Januar 2016 ungefragt einen bioresorbierbaren Stent, nach einem Herzinfarkt, eingesetzt hat!?

W. S. aus Frankfurt (03.08.2017): Ich habe selbst seit April 2015 zwei bioresorbierbare Stents der Firma Abbott und bin sehr zufrieden. Gehe regelmäßig zur Untersuchung. Habe seitdem keine Beschwerden oder Einschränkungen. Verfolge auch die Berichte, da zu wenig darüber bekannt ist und man sich nicht vorstellen kann, dass der Stent sich völlig auflöst und wie lange es dauert.

Ingrid K. aus Frankfurt am Main (03.08.2017): Meine Frage: Warum denn überhaupt bioresorbierbare Stents, warum bleibt man nicht bei Metall? Sie haben sich doch bewährt.

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da unsere Herzexperten an dieser Stelle keine Nachfragen beantworten können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung

K. aus Karlsruhe (03.08.2017): Leider fehlt mir hier der wichtige Hinweis, dass die bioresorbierbaren Scaffolds einer sorgfältigeren Handhabung bedürfen als die herkömmlichen Stents. Metallstents „verzeihen“ mehr Fehler als ein Scaffold. Die Anwender müssen sich mehr Zeit zum Vorbereiten der Stenose, zum Freisetzen des Scaffolds und zum Nachdehnen des Scaffolds nehmen … ein Vorgehen nach der Methode "Quick and dirty" wie beim Metallstent kann hier nur zu Komplikationen führen.

Gerhard aus Offingen (03.08.2017): Ich habe seit 2015 selbst einen bioresorbierbaren Stent. Man hat mir damals die Methode als sehr gute Alternative zum herkömmlichen Stent empfohlen! Bis jetzt habe ich keine Probleme, was hoffentlich so bleibt.

Ilona B. aus Haan (03.08.2017): Die bioresorbierbaren Stents werden von den Herstellern natürlich im Vergleich zu den herkömmlichen Metallstents wie "Wundermittel" angepriesen. Die Information von Herrn Dr. Voigtländer ist deshalb so wichtig, weil er als Experte unabhängig von den Medizintechnik-Herstellern und sein Wissen auf dem neuesten Stand ist.

Dr. Horst F. aus Berlin (02.08.2017): Aufschlussreich und sehr hilfreich. Vielen Dank!

C.- G. B. aus Detmold (01.08.2017): Eine kritische Beurteilung, die mich überzeugt hat, da sie Objektivität und Kompetenz hinterlässt.

José G. aus Frechen (01.08.2017): Ich trage seit 8 Jahren beschwerdefrei einen Stent, bin jetzt auf Vorschlag meiner Hausarztpraxis bei einer Art Vorsorgegruppe mit medizinischer Begleitung beigetreten.

R. H. aus Bayern (01.08.2017): Ich habe seit 8 Jahren sechs "Metall-Stents" und keinerlei Beschwerden. Vor 2 Jahren trat Vorhofflimmern auf, das aber sehr gut mit Medikament behandelt und seither (3 Monate Depotaufbau) nicht mehr aufgetreten ist, lt. Herzschrittmacherkontrolle.

Gerhard W. aus Ebermannstadt (01.08.2017): Ich bin zwar nicht Inhaber eines Stents, finde die Information aber trotzdem gut, informativ und lehrreich. Was nicht heut ist, Gott sei Dank, kann ja morgen schon notwendige Realität sein. Rechtzeitig Bescheid zu wissen ist immer gut.

Manfred B. aus Cremlingen (01.08.2017): Da mir vor 4 Jahren zwei "herkömmliche Stents" in die RIVA eingesetzt wurden, hat mich die medizinische Weiterentwicklung bei einer KHK interessiert.

Ohne Namen (01.08.2017): Ich habe selbst einen bioresorbierbaren Stent. Man hat mir keine Alternative angeboten. Bis jetzt habe ich keine Komplikationen.

Thomas S. aus Frankfurt/Main (01.08.2017): Das fand ich sehr interessant. Ich habe ja früher in der Krankenpflege gearbeitet, und war zuletzt im "Herzzentrum-Frankfurt AG" tätig, was leider nicht mehr existiert. Schade, denn dort war man auch immer und gut für die Patienten da. Ich persönlich bin eher für stabile Stents aus Metall, sollte ich einmal welche benötigen.

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