Herzstiftungs-Sprechstunde

Herz-OP: Nach längerer Zeit immer noch Schmerzen an der Narbe?

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Narben-Schmerzen nach Herz-OP

Manchmal kann es nach einer Herz-OP noch län­ge­re Zeit zu Be­schwer­den im Be­reich der Nar­be kommen. Was in sol­chen Fäl­len zu emp­feh­len ist, er­läu­tert die fol­gen­de Experten-Antwort aus der Herzstiftungs-Sprechstunde.

Die Sprechstunden-Frage: Ich habe drei Bypässe erhalten. Obwohl die Operation schon mehr als neun Monate zurückliegt, habe ich noch immer Schmerzen in der Narbe. Kann das sein? (Monika K., Ahrweiler)

Die Experten-Antwort:

Eigentlich sollten neun Monate nach einer Bypass-Operation keine Schmerzen mehr im Bereich der OP-Narbe auftreten.

Falls dies dennoch der Fall ist, kommen insbesondere drei Ursachen in Frage:

1. Am häufigsten sind für solche Beschwerden die Drähte verantwortlich, die am Ende der Herz-OP zum Verschließen des Brustkorbs um das durchtrennte Brustbein gezogen werden und für ein gutes Zusammenwachsen der beiden Brustbein-Hälften sorgen. In Einzelfällen reizen diese Drähte allerdings das umgebende Gewebe, was mit Schmerzen einhergehen kann. Die Beschwerden können bewegungsabhängig auftreten oder manchmal auch nur, wenn Druck von außen auf das Brustbein kommt wie etwa beim Liegen in Bauchlage oder beim Anlegen des Sicherheitsgurtes im Auto.

Anmerkung: Bei zu starken Schmerzen können die Drähte mit einem kleinen Eingriff entfernt werden, der oft keine 15 Minuten dauert. Meist wird dafür eine Vollnarkose durchgeführt, wobei in manchen Fällen auch eine sogenannte Analgosedierung erfolgt, bei der man in einen schlafähnlichen Zustand versetzt wird und entsprechende Medikamente zur Schmerzausschaltung verabreicht bekommt. Eine solche Analgosedierung kann insbesondere bei schlanken Menschen eine Option sein, bei denen die Drähte gut zugänglich sind, oder wenn nur einige wenige Drähte entfernt werden müssen. Hingegen spricht für eine Vollnarkose, wenn sich die Drähte schon lange im Körper befinden und bereits stärker verwachsen sind oder wenn die Drähte bei einem kräftigeren Körperbau schlechter zugänglich sind.

2. In seltenen Fällen kann an den Beschwerden im Brustbein-Bereich eine überschießende Narbenbildung schuld sein, wobei es sich meist um nicht besonders starke Schmerzen handelt. Oft lässt sich bereits durch entsprechendes Abtasten feststellen, ob die Beschwerden tatsächlich von der Hautnarbe kommen oder aus dem Bereich des darunterliegenden Brustbeins.

3. Probleme können zudem auftreten, wenn in den Monaten nach der OP die beiden Brustbein-Hälften nicht ordnungsgemäß zusammenwachsen und die unverheilten Knochensegmente aneinanderreiben. Dies wird medizinisch als Pseudarthrose bezeichnet und kann zu Schmerzen führen, die meist bewegungsabhängig sind.

Empfehlung: Wenn ein halbes Jahr nach einer offenen Herz-OP noch Schmerzen im Bereich der OP-Narbe auftreten, ist es sinnvoll, noch einmal einen Arzt-Termin zu vereinbaren. Mein Ratschlag als Herzchirurg lautet in solchen Fällen, am besten direkt zu dem OP-Team zu gehen, das den Eingriff vorgenommen hat und am genauesten über eventuelle Besonderheiten der OP Bescheid weiß. Lassen Sie sich bei der Terminvereinbarung gegebenenfalls von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt helfen.

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Prof. Dr. med. Rainer Moosdorf

Die Sprechstunden-Frage hat beantwortet: Prof. Dr. med. Rainer Moosdorf, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und ehemaliger Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie am Standort Marburg. Zu den klinisch-wissenschaftlichen Schwerpunkten des Herzchirurgen zählen u. a. komplexe Bypass-Operationen, die endovaskuläre Chirurgie und die Rhythmuschirurgie.

(Redaktion: Dr. med. Karl Eberius)

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Bislang 12 Kommentare zu dieser Sprechstunde

Helmut K. S. aus Bamberg (30.07.2018): Hatte vor 14 Jahren innerhalb einer Woche zwei Herz-OPs in Bad Neustadt (am offenen Herzen). Nach sechs Monaten hatte ich keinerlei Brustbein-Narbenschmerzen mehr. Die 2. OP war wegen Thrombosen notwendig geworden.

Klaus S. aus Halle/Westfalen (29.07.2018): Nach meiner Herz-OP (Reparatur der Mitralklappe) vor 8 Jahren, hat sich die Narbe in eine hässliche Wulst verwandelt, die mitunter heftig juckt. Ansonsten bin ich mit dem Ergebnis dieser recht großen OP sehr zufrieden. Die Klappe ist wieder absolut dicht, wie der Kardiologe immer wieder feststellt.

Stefan H. aus Kronberg im Taunus (29.07.2018): Habe 2 Herz-OPs hinter mir. 2006 Aortenklappenersatz, 2017 mehrere Bypässe erhalten. Immer hatte ich danach Schmerzen, besonders ein Engegefühl und ein Stechen. Zudem bilden sich an der Naht am Brustbein immer wieder Pickel, das trotz peinlichster Hygiene. Kein Arzt konnte abhelfen, "es ist halt so". So lebe ich, nicht unzufrieden weiter!

Michael O. aus köln (29.07.2018): Das mit den Drähten stimmt aus meiner Erfahrung, wenn man nicht so viel auf dem Rippen hat, schmerzt jede Berührung auch nach fünf Jahren. Werde sie mir nach dem Bericht entfernen lassen, scheint nicht so aufwendig zu sein. Danke!

Manfred W. aus München (29.07.2018): Ihre Antwort war mir eine große Hilfe. Meine OP war im Juni 17. War vor 3 Monaten beim Operateur, gab keine besondere Empfehlung. Seit 3 Monaten reibe ich täglich Zitronensaft darüber, schon ist die Hälfte der Narbe verheilt. Soll noch ein Jahr dauern, bis alles ok ist (lt. Internet-Narbenkeloid 91.0G).

Franz (29.07.2018): Dieses Thema interessiert mich sehr, da ich vor vier Jahren schon eine Op mit vier Bypässen bekommen habe und ich ab und zu noch Schmerzen im Bereich der Narben habe und die Narben sind heute noch im Verhältnis zum Anfang sehr groß.

Ohne Namen aus Lübeck (29.07.2018): 1996 hatte ich eine 5-Bypass-OP. Danach hatte ich bis 2012 zu meiner zweiten 3-Bypass-OP ständig Schmerzen. Mir wurde ein Draht entfernt und ich wurde in einer Schmerzklinik behandelt, jedoch ohne jeglichen Erfolg. Enganliegende Kleidung über der Narbe war unerträglich. Nach der zweiten Herz-OP 2012 gehörten diese Schmerzen der Vergangenheit an. Seitdem bin ich in diesem Bereich schmerzfrei.

Rosmarie Z. aus Faßberg (29.07.2018): Seit meiner PVI 2012 habe ich in der rechten Leiste teilweise starke bis sehr starke Schmerzen, zudem eine deutlich tastbare Schwellung. Die wiederholte Vorstellung bei dem Team, welches die PVI durchgeführt hat, erläuterte dazu: Es werden Schleusen in die tiefen Venen gesetzt, so dass dabei leider auch Nervenbahnen beschädigt werden können, die dann später die Beschwerden verursachen, besonders auch bei Bewegung. Könnte dies doch auch der Fall sein, wenn das Brustbein durchtrennt worden ist? Ich schätze daher die Infos durch die Herzstiftung sehr, man kann sich zum einen austauschen und erhält auch immer ausführliche Beratung - vielen Dank!

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da unsere Herzexperten an dieser Stelle keine Nachfragen beantworten können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung

Bernhard S. aus Reussenkoege (28.07.2018): Mein Problem: Die Narbe schloss sich nicht. Immer wieder kam es über Monate zu Öffnungen. Schließlich wurde mir erklärt: Wir sind rat- und hilflos. Ich wurde dann überwiesen in die Bobergklinik in Hamburg-Bergedorf. Dort wurde festgestellt, dass sich das Brustbein entzündet hatte. Diagnose: Osteitis. Folge: durch einen chirurgischen Eingriff wurden die entzündeten Teile des Brustbeins entfernt. Nun ist Narbe gut verheilt.

Hans Dieter G. aus Grafschaft (28.07.2018): Meine Herz OP, Klappe + Bypass, war im Mai 2015 in der Uni-Klinik Essen. Bis 2018, heute jedoch nur noch gering, hatte ich starke bis "mittelprächtige" Narbenschmerzen. Von dem Vorhandensein von Narbensalbe erfuhr ich erst 2016. Ich bin Jg. 43.

Karl G. aus Leverkusen (28.07.2018): Nach meiner Herz-OP vor 2 Jahren sind bei mir sämtliche Drähte, die mein Brustbein stabilisieren sollten, gebrochen (instabiles Brustbein?). Habe keine nennenswerten Schmerzen, außer beim Husten (COPD-Pat). Laut Prof. der Herzklinik Köln: Wenn ich keine größeren Schmerzen habe, soll ich die OP verschieben. Wie ich mich weiter verhalten soll, wurde mir nicht mitgeteilt. Trage vorsichtshalber noch meinen Brustverband. Vielleicht kann mir jemand noch ein paar Verhaltungsmaßnahmen geben? Ich wäre sehr dankbar dafür, weil diese Ungewissheit sehr belastend ist.

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da unsere Herzexperten an dieser Stelle keine Nachfragen beantworten können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung

W. T. aus Neu-Ulm (28.07.2018): Ja, diese Tipps waren gut. Meine Herz-OP liegt nun 15 Monate zurück. Immer noch verspüre ich bewegungsabhängig, wenn das Wetter umschlägt, ein leichtes Jucken entlang der Narbe. Mein Hausarzt meinte, daß dies irgendwann aufhört. Hoffen wir es.

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