Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung

Coronavirus: Informationen für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen

(Frankfurt am Main/Update vom 29. Mai 2020) Angesichts der Corona-Pandemie mit bundesweit über 173.000 Covid-19-Fällen herrscht bei Menschen mit angeborenen und erworbenen Herz- und Kreislauferkrankungen Verunsicherung über Risiken. Grundsätzlich gilt: Auch trotz eines Rückgangs der neu gemeldeten Covid-19-Fälle pro Tag ist weiterhin Vorsicht geboten. Es besteht jedoch kein Anlass zur Panik. Eine große Sammelstatistik aus China ergab eine Gesamtsterblichkeit von 1,4 %, wobei die Sterblichkeit bei leichten nicht so schweren Verläufen deutlich unter 1 % betrug. In Deutschland liegt aktuell die Sterblichkeitsrate (Fall-Verstorbenen-Anteil, CFR) laut RKI bei rund 3,8 %. Ein Medikament zur gezielten Virusbekämpfung von Covid-19 gibt es noch nicht, es wird jedoch intensiv an einem entsprechenden Wirkstoff geforscht.

Ansteckung: Das Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Es besteht vermutlich eine Inkubationszeit von im Mittel 5-6 Tagen (WHO). Eine Ansteckung bei Erkrankten ist offenbar möglich, auch wenn diese nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen zeigen. Die Übertragung erfolgt laut RKI vorwiegend über Tröpfchen, die beim Husten und Niesen entstehen und beim Gegenüber über die Schleimhäute der Nase, des Mundes und ggf. des Auges aufgenommen werden. Eine Infektion kann auch indirekt durch kontaminierte Oberflächen insbesondere in der unmittelbaren Umgebung des Infizierten über die Hände erfolgen, die dann mit der Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden (Kontakt-Übertragung). Laut Robert Koch-Institut weisen bisherige Untersuchungen darauf hin, dass SARS-CoV-2-Viren auch über Aerosole (Tröpfchenkerne kleiner als 5 Mikrometer) auch im gesellschaftlichen Umgang übertragen werden können (Aerogene Übertragung). Allerdings spielen laut RKI Aerogene und Kontakt-Übertragungen „vermutlich eine geringere Rolle“. Ob das neuartige Coronavirus auch über den Stuhl übertragen werden kann, ist noch nicht ausreichend durch Studien geklärt.

Symptome: Aus einer Daten-Analyse aus EU-/EWR-Ländern und dem Vereinigten Königreich (Europ. Surveillance-System TESSy) bzw. aus Europ. Studien konnten zur Häufigkeit der Symptomatik aus den TESSy-Daten 100.233 Covid-19-Fälle aus 12 Ländern (94 % davon aus Deutschland) ausgewertet werden. Als häufigste Symptome werden laut RKI demnach Geruchs- und Geschmacksstörungen sowie Fieber, Husten und Halsschmerzen berichtet. Von Coronavirus-Infektionen, die gänzlich ohne Symptome verlaufen, wird in einer Studie zu rund 700 SARS-CoV-2-Infektionen berichtet.*** Hinweis: Die Symptome von Covid-19 können den Beschwerden einer Herzerkrankung stark ähneln. Die Atemnot, wie sie bei einer Lungenentzündung häufig vorkommt, kann fast identisch aussehen wie bei einem geschwächten Herzmuskel, wo z. B. das Treppensteigen zu Atemnot führen kann bzw. in schweren Fällen sogar schon in Ruhe. Bei einer plötzlichen Atemnot in Ruhe sollte sogar gleich die 112 gewählt werden, da dies nicht zuletzt auf einen Herznotfall hinweisen kann.

Risikopatienten: Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer COVID-19-Erkrankung haben ältere Personen ab etwa 50-60 Jahren (87 % der in Deutschland an COVID-19 Verstorbenen waren 70 Jahre alt oder älter) und neben Lungenerkrankungen auch an anderen chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Schwere Verläufe können laut RKI auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet. Bezüglich der jüngeren Erwachsenen sowie Kinder mit unbehandelten, teil-behandelten oder komplexen angeborenen Herzfehlern verweisen wir in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) unter www.kinderkardiologie.org und auf die Seite des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler unter www.kompetenznetz-ahf.de
Die Corona-Pandemie hat bislang gezeigt, dass mit Covid-19 auch eine Schädigung des Herzmuskelsauftreten kann (siehe dazu auch: www.herzstiftung.de/corona-was-herzpatienten-wissen-muessen.html). Generell stellen bakterielle oder virale Infektionen eine zusätzliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar. Diese Zusatzarbeit kann ein durch Erkrankung geschwächtes Herz überfordern. Vielen älteren Menschen fehlen außerdem die Kraftreserven, um dieser enormen Belastung entgegenzuwirken.

Wie riskant eine COVID-19-Ansteckung bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung werden kann, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Ein erhöhtes Risiko dürfte – unter Betrachtung des Gefährdungspotenzials bei anderen Virusinfektionen – insbesondere gelten für:

  • Patienten mit einer eigenständigen Erkrankung der Atemwege (z. B. Lungenentzündung, Lungenemphysem, Asthma, COPD, Hochdruck im Lungenkreislauf)
  • Patienten, die als Folge einer Herzerkrankung eine Funktionseinschränkung der Atemwege haben (z. B. Blutstauung im Lungenkreislauf als Folge der Herzschwäche)
  • Patienten, die eine voneinander unabhängig bestehende Atemwegs- und Herzerkrankung haben (z. B. COPD und koronare Herzkrankheit)
  • Patienten, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen (z. B. nach Herztransplantation oder Verpflanzung eines anderen Organs)
  • Welche besonderen Vorkehrungen gelten für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und angeborenem Herzfehler?

  • Besonders hellhörig werden sollten ältere, Menschen, die die o. g. Symptome Geschmacks- und Geruchsstörungen, Husten und Fieber haben. Bei Ihnen muss das Vorliegen einer COVID-19 Infektion bedacht werden.
  • In einer solchen Situation ist die konsequente Einnahme der ärztlich verordneten Medikamente ganz besonders wichtig.
  • Grippeschutzimpfung: Besonders Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten den üblichen Impfempfehlungen (Influenza- und Pneumokokkenimpfung) folgen, um etwa eine Doppelinfektion von Influenza und Covid-19 oder einer anderen Lungenkrankheit zu vermeiden. Achtung: Besteht jedoch – beispielsweise aufgrund von Erkrankungsfällen im eigenen Umfeld – die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung am Coronavirus, sollte man sich nicht impfen lassen.
Wie kann man sich vor dem Coronavirus schützen? Wichtige Hygiene-Regeln:

  • Bei Verdacht auf COVID-19-Erkrankung nicht unangemeldet in eine Arztpraxis gehen, sondern sich vorher telefonisch beim örtlichen Gesundheitsamt oder beim ärztlichen Notdienst (116117) oder beim Hausarzt melden. Ein begründeter Verdacht auf eine Infektion mit COVID-19 liegt nach RKI-Angaben insbesondere vor bei akuten Symptomen wie Atemnot, Husten, Fieber und Erkältungssymptomen sowie Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall bis max. 14 Tage vor Erkrankungsbeginn.
  • In der aktuellen Coronavirus-Epidemie ist die Telemedizin eine Alternative zum Besuch einer Arztpraxis: eine Beratungs- und Behandlungsoption in den eigenen vier Wänden ohne zusätzliches Ansteckungsrisiko. Außerdem werden die Arztpraxen vor Ort entlastet. Verdachtsfälle und Patienten (z. B. Herz-Kreislauf-Patienten) mit Beratungsbedarf sollten daher telemedizinische Sprechstundenangebote nutzen.
  • Wegdrehen beim Niesen oder Husten. Zwischen sich selbst und der anderen Person mindestens einen Meter Abstand halten.
  • Beim Husten und Niesen die Armbeuge vor Mund und Nase halten. Papiertaschentücher nur einmal benutzen und umgehend in einem Mülleiner mit Deckel entsorgen.
  • Wichtig: Gründliches Händewaschen (mindestens 20 Sekunden) nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten – mit einem Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis oder mit Wasser und Seife.
  • Desinfektionsmittel benutzen, gerade nach Kontakt mit Gegenständen, die von vielen anderen auch berührt wurden (z. B. Türgriffe, Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln, Einkaufswagen, Geländer, Tasten im Aufzug, ...).
  • Große Menschenansammlungen meiden. Deutschlandweit gelten Leilinien der Bundesregierung zur Beschränkung sozialer Kontakte im alltäglichen Miteinander.
  • Besondere Risikopatienten (s. o.), die sich noch nicht durch eigenverantwortliches Handeln schützen können, durch besondere Aufmerksamkeit und Einhaltung sämtlicher Hygienemaßnahmen (siehe hier vor allem die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts) vor einer Ansteckung bewahren.
  • Auf mögliche Engpässe und Einschränkungen während einer intensiven Übertragungswelle vorbereiten, durch - eine ausreichende Monatsmenge an notwendigen verschreibungspflichtigen Medikamenten, - Sicherstellung der Betreuung von a) chronisch herzkranken und damit besonders gefährdeten Familienmitgliedern sowie von b) bereits Infizierten durch Isolierung.
Weitere Informationen der Herzstiftung zum Thema Coronavirus:
Wiederbelebung in Corona-Zeiten: Keine Scheu vor lebensrettender Herzdruckmassage!
Herzmedikamente wie ACE-Hemmer und Sartane auf keinen Fall wegen des Coronavirus absetzen!
Coronavirus: Verstärken Entzündungshemmer wie Ibuprofen und ASS die Gefahr für eine COVID-19-Infektion?
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Warnung vor vorzeitigem Einsatz von Chloroquin-Azithromycin-Kombinationstherapie gegen COVID-19-Infektionen: Risiko durch bösartige Herzrhythmusstörungen

Informieren Sie sich bei den Gesundheitsbehörden regelmäßig über die aktuelle Nachrichtenlage:

Informationen für Bürger, darunter Hygienetipps und Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ), stellt die BZgA zur Verfügung unter www.infektionsschutz.de/coronavirus-sars-cov-2.html
www.infektionsschutz.de/coronavirus/faqs-coronaviruscovid-19.html
Informationen für die Fachöffentlichkeit über das neuartige Coronavirus sind abrufbar unter www.rki.de/covid-19
Das BMG, einige Bundesländer und Krankenkassen haben Hotlines für Bürger geschaltet. Infos des BMG unter: www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html
www.zusammengegencorona.de

Quellen
Robert-Koch-Institut (RKI):
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html html www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogruppen.html
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Kontaktreduzierung.html
DGPK: www.kinderkardiologie.org
*New England Journal of Medicine: W. Guan et al.,„Clinical Characteristics of Coronavirus Disease 2019 in China“, DOI: 10.1056/NEJMoa2002032, **https://hms.harvard.edu/news/clue-infection
***Nature 580, 18 (2020),doi: 10.1038/d41586-020-00885-w und: www.nature.com/articles/d41586-020-00885-w
DOI: 10.1056/NEJMc2001899

ACC Clinical Bulletin „Cardiac Implications of Novel Wuhan Coronavirus (COVID-19)“ (Update vom 6. März 2020):
www.acc.org/~/media/665AFA1E710B4B3293138D14BE8D1213.pdf

World Health Organization (WHO)
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)

Kontakt: Deutsche Herzstiftung e. V., Tel. 069 955128-0, E-Mail: info@herzstiftung.de

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