Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung

Herzinfarkt bei Frauen: Wann sind sie besonders gefährdet?

Frauen sollten untypische Beschwerden und Risikofaktoren kennen

(Frankfurt a. M., 27. Oktober 2015) Immer noch meinen viele Menschen, Herzinfarkt sei eher „Männersache“, so dass auch viele Frauen gesundheitliche Risiken eher dem Krebs und weniger den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zuschreiben. Nicht aber Krebs, sondern Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Frauen in Deutschland die führende Todesursache. 2012 starben an Herzkrankheiten 117.586 Frauen und 97.557 Männer. Allerdings: Mehr Männer als Frauen sterben am Herzinfarkt (28.951 Männer/23.565 Frauen im Jahr 2012). „Aber der Herzinfarkt bei Frauen bringt besondere Probleme mit sich. So gibt es für Frauen bestimmte Faktoren, die sie und ihr Arzt besonders im Blick haben sollten, weil diese die koronare Herzkrankheit (KHK), die dem Herzinfarkt immer vorausgeht, begünstigen: Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes“, betont Prof. Dr. med. Christiane Tiefenbacher vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Kardiologin am Marien-Hospital Wesel. Worauf Frauen für einen besseren Schutz vor Herzinfarkt besonders achten sollten, erläutert der neue Experten-Ratgeber der Deutschen Herzstiftung „Herz in Gefahr“, der unter www.herzstiftung.de/khk-sonderband.html oder telefonisch unter 069 955128-400 angefordert werden kann.

Risikofaktoren bei Frauen
Für Frauen gelten prinzipiell die gleichen Risikofaktoren wie für Männer, die konsequent behandelt werden müssen. Bis zu den Wechseljahren sind Frauen allerdings wegen der Geschlechtshormone (Östrogene) relativ gut gegen eine Verengung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose) und damit vor dem Herzinfarkt geschützt. Ausnahme: Frauen, die rauchen und die Pille nehmen, haben ein hohes Herzinfarktrisiko. Nach den Wechseljahren nimmt das Herzinfarktrisiko stark zu. Sorgfältig ist auf den Blutdruck zu achten, weil dieser bei Frauen nach der Menopause sehr schnell ansteigt. „Dies ist auch ein Grund dafür, dass bei Frauen besonders viele Schlaganfälle auftreten. Sehr wichtig ist eine regelmäßige Blutdruckkontrolle beim Arzt oder zu Hause mit dem Messgerät“, betont Prof. Tiefenbacher. Nicht empfohlen wird eine östrogenhaltige Ersatztherapie für Frauen nach den Wechseljahren, weil eine Hormontherapie das Risiko für Herzkreislauf-Komplikationen eher erhöht.

Besondere Vorsicht auch bei Übergewicht und Diabetes
Neben Bluthochdruck sind weitere Risikofaktoren für die Entwicklung einer KHK bei Frauen und Männern Rauchen, Übergewicht, hohe Cholesterinwerte, Diabetes, Bewegungsmangel und Stress. Zunehmend rücken psychosoziale Faktoren (z. B. Doppelbelastung durch Beruf und Familie) in den Fokus der Risikovorsorge.
Wichtig zu wissen ist, dass Frauen ab einem Taillenumfang von 88 cm ein deutlich erhöhtes Herzinfarktrisiko haben, so dass zum Abnehmen geraten wird. Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Diabetes treten bei Frauen häufig in Kombination auf und steigern somit das Herzinfarktrisiko. Die Häufigkeit von Diabetes nimmt z. B. mit Übergewicht und Bewegungsmangel zu. „Diabetikerinnen haben ein siebenfach erhöhtes Risiko für eine KHK und sollten deshalb auf eine gute Blutzuckereinstellung achten“, rät Prof. Tiefenbacher. Grundsätzlich gilt, dass alle Risikofaktoren zunächst durch einen konsequent gesunden Lebensstil (regelmäßige Ausdaueraktivitäten von 30 Minuten 4- bis 5-mal pro Woche, Rauchverzicht, gesunde Ernährung und Normalgewicht) optimiert werden sollten. Reicht das nicht aus, wird eine medikamentöse Behandlung erforderlich. Frauen wie Männer sollten spätestens ab dem 40. Lebensjahr Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin regelmäßig kontrollieren, ab dem 50. Lebensjahr halbjährlich. Bei genetischer Belastung kann die Kontrolle ab 40 zu spät sein, da Diabetes und Bluthochdruck sehr früh auftreten können.

Herzinfarkt: Untypische Beschwerden sind bei Frauen häufiger
Erleiden Frauen einen Herzinfarkt, ist die Verzögerungszeit bis zum Anruf bei der Rettungsstelle (112) mit durchschnittlich 108 Minuten (80 bei Männern) besonders lang. Grund für die Verzögerung, die beim Herzinfarkt lebensbedrohlich sein kann, sind untypische Beschwerden. Beim Herzinfarkt treten bei rund 80 % der Männer und Frauen Beschwerden im Brustkorb auf, die bei rund 50-60 % in den linken Arm ausstrahlen. Frauen erleben weniger einen starken Schmerz im Brustkorb, sondern deutlich häufiger Druck oder ein Engegefühl in der Brust. Neben dem typischen Brustschmerz treten bei Frauen häufiger untypische Symptome auf: Kurzatmigkeit, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch. „Bei Frauen macht sich der typische Brustschmerz häufig weniger heftig bemerkbar. So schieben sich die untypischen Beschwerden in den Vordergrund: der Verdacht auf Herzinfarkt stellt sich nicht ein und die Dringlichkeit, die 112 anzurufen, entfällt“, erläutert Prof. Tiefenbacher. Frauen sollten bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Rettungswagen (112) rufen.

Druckfähiges Bildmaterial zu den Herzinfarkt-Alarmzeichen finden Sie zum Download unter:
www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/herzinfarkt-alarmzeichen.jpg

29/2015
Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert/Pierre König
Tel. 069/955128-114/140
wichert@herzstiftung.de
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

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