Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung

Koronare Herzkrankheit (KHK): Wer sich regelmäßig bewegt, senkt sein Risiko für Herzinfarkt und Herzschwäche

Kardiologen setzen bei Vorbeugung und Therapie der KHK verstärkt auf körperliche Ausdaueraktivität und mehr Bewegung im Alltag

(Frankfurt a. M., 25. Oktober 2012) Körperliche Aktivität kommt im normalen Tagesablauf vieler Menschen, auch im Leben der Kinder und Jugendlichen, kaum noch vor. Arbeit findet meist im Sitzen statt, Rolltreppen und Fahrstuhl ersetzen das Treppensteigen, Computerspiele das Toben im Freien. Vor dieser Entwicklung warnen Kardiologen und Internisten, denn Bewegungsmangel ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Diese ist dadurch charakterisiert, dass sich Herzkranzgefäße in einem langen schleichenden Prozess verengen, so dass die Durchblutung des Herzens behindert wird. Schlimmstenfalls kommt es zu Herzinfarkt und Herzschwäche. Allein in Deutschland sind etwa 2,34 Mio. Frauen und 3,16 Mio. Männer von einer KHK betroffen.* Über 59.000 Menschen sterben bundesweit jedes Jahr an einem Herzinfarkt.

Bewegungsmangel: Wesentlicher KHK-Risikofaktor
„Dass die KHK so gehäuft auftritt, ist zum großen Teil das Ergebnis unseres ungesunden Lebensstils. Bewegungsmangel ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten einer KHK“, sagt der Kardiologe PD Dr. med. habil. Stephan Gielen, stv. Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III/Kardiologie am Universitätsklinikum Halle (Saale). Zwar spielen Alter, erbliche Belastung und Geschlecht eine wichtige Rolle, jedoch entstehen die vier wichtigsten KHK-Risikofaktoren Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung (erhöhtes Cholesterin) und Diabetes hauptsächlich durch eine falsche Ernährung (zu viele Kalorien, zu viel Fett und Zucker), Mangel an Bewegung, Übergewicht, Rauchen und Stress. „Deshalb setzen wir auf die konsequente Vermeidung und Behandlung dieser Risikofaktoren durch einen gesunden Lebensstil. Dabei spielt die körperliche Aktivität eine wesentliche Rolle“, betont der Herzspezialist.

Schutzfaktoren
Ausdaueraktivitäten wie flottes Gehen, Radfahren, Walken, Joggen, Schwimmen wirken sich grundsätzlich günstig auf das Herz aus und können das Auftreten einer KHK hinauszögern oder verhindern. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt ein Training von mindestens 30 Minuten, 4- bis 5-mal pro Woche. „Dadurch wird die Leistungsfähigkeit erhöht, die Lebenserwartung verbessert und das Herz geschützt“, bestätigt PD Gielen. Wichtig: Menschen mittleren Alters, die lange nicht wirklich körperlich aktiv waren, sollten sich vor Aufnahme einer intensiven Ausdauerbewegung ärztlich untersuchen lassen.

Warum ist Bewegungstherapie bei KHK so wirksam?
Leidet ein Patient bereits an einer KHK, so ist ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Aktivität Basis jeder Therapie der KHK, ganz gleich, ob die Behandlung mit Medikamenten, Stents oder Bypass durchgeführt wird. „Inzwischen hat sich körperliche Aktivität zu einem wichtigen zusätzlichen Therapiekonzept in der Behandlung der KHK etabliert. Aus Erfahrung im Herz- und Gefäßsport wissen wir, dass sich keine Therapieform derart günstig auf die Lebensqualität der Patienten auswirkt wie das körperliche Training“, stellt PD Gielen fest. Auch für die Bewegungstherapie bei KHK gelten die Schutzfaktoren körperlicher Ausdaueraktivität von mindestens 30 Minuten, 4- bis 5-mal pro Woche: die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung werden verbessert, der Herzmuskel besser durchblutet, die Risikofaktoren Übergewicht, hohe Blutfett- und Blutdruckwerte werden günstig beeinflusst. Das Fortschreiten der KHK wird gebremst.
Allerdings sind diese Effekte durch Krafttraining nicht zu erreichen, Krafttraining kann aber ergänzend eingesetzt werden. Denn Kraft und Flexibilität einzelner Muskelgruppen werden verbessert. Auch hat Bewegungstherapie mit langsamen Dehnungen (z. B. Tai-Chi, Gymnastik, Yoga) – so günstig sie für die Entspannung bei Stress ist – nicht die Effekte regelmäßiger Ausdauerbewegung, weil große Muskelgruppen aktiviert werden müssen, um günstige Auswirkungen auf die KHK zu haben. Achtung: Die Trainingsintensität muss bei Herzpatienten immer vom Arzt individuell ermittelt und dosiert werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen und Komplikationen zu vermeiden.

Fest steht: Regelmäßige Bewegung lohnt sich immer, weil sie neben dem Wohlbefinden auch das Abnehmen, den Stressabbau und das Loskommen vom Rauchen befördert. „Angestrebt werden sollte mindestens eine aktivere Lebensweise, die Spazierengehen, Treppensteigen und Gartenarbeit mit einbezieht. Jedes Mehr an körperlicher Aktivität über das Alltagsniveau hinaus ist als positiv einzustufen“, betont der Kardiologe PD Gielen.

*Nach Angaben des Instituts für Herzinfarktforschung in Ludwigshafen

Ein neuer Experten-Ratgeber „Herz in Gefahr – Koronare Herzkrankheit erkennen und behandeln“, herausgegeben von der Deutschen Herzstiftung, informiert über Möglichkeiten der Vorbeugung, Diagnose und Behandlung der koronaren Herzkrankheit nach dem heutigen Stand der Medizin in einer Sprache, die jeder versteht. Patienten erhalten wertvolle Ratschläge für den Umgang mit der Erkrankung. Alle Beiträge sind von namhaften Herzexperten geschrieben. Der Band (136 S.) ist für drei Euro in Briefmarken erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e. V., Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt/M.

31/2012

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