Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung

Deutliche Unterschiede in der Versorgung von Herzpatienten bestehen fort

Neuer Herzbericht 2010 zeigt: Herzinfarktsterblichkeit schwankt regional weiterhin / Verbreitung von Herznotfallambulanzen noch nicht ausgewogen

(Frankfurt a. M., 29. September 2011) Die Herzinfarktsterblichkeit hat sich in Deutschland von 2000 bis 2010 von 81,8 auf 67,9 (Gestorbene pro 100 000 Einwohner) reduziert. Die Zahl der Sterbefälle am akuten Herzinfarkt ist innerhalb der letzten 29 Jahre um über 35 000 gesunken (1980: 92 801/2009: 56 226). „Diese Entwicklung ist erfreulich, da sie auf die besseren Behandlungsmöglichkeiten des Herzinfarkts und den besseren Kenntnisstand der Bevölkerung über die Symptomatik des Herzinfarkts schließen lässt“, sagt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Kardiologe und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung bei der Vorstellung des neuen „Herzberichts 2010“ von Dr. Ernst Bruckenberger in Berlin. „Von einer gleichmäßigen Versorgungslandschaft für Patienten mit Herzerkrankungen in Deutschland kann jedoch nicht ausgegangen werden“, bemerkt Prof. Meinertz.

So schwankt die Herzinfarktsterblichkeit zwischen den Bundesländern stark, etwa zwischen Hamburg (53,5) und Sachsen-Anhalt (111,5) (Gestorbene pro 100 000 Einwohner). Kreisbezogene Analysen zum akuten Herzinfarkt zeigen, dass es weiterhin Regionen mit deutlich höheren Sterbeziffern, gemessen am Bundesdurchschnitt, gibt. So verlaufen Herzinfarkte beispielsweise in den ostdeutschen Landkreisen Jerichower Land (Sachsen-Anhalt), Uckermark (Brandenburg) sowie Hof und Coburg (Bayern) viel häufiger tödlich als in Lübeck (Schleswig-Holstein) oder Fulda (Hessen).

Ungleiche Verbreitung von CPUs
Deutliche Versorgungsunterschiede zeigten sich ferner bei der Verbreitung von Herznotfallambulanzen im Bundesgebiet, sogenannten Chest-Pain-Units (CPUs). Sie dienen der Versorgung von Patienten mit unklarem Brustschmerz und stehen allen Patienten mit akuten Brustkorbbeschwerden 24 Stunden offen. CPUs verfügen über alle modernen Geräte für die Erkennung eines Herznotfalls. Argumente für die Einrichtung von CPUs sind insbesondere eine bedeutsame Verringerung der Infarktsterblichkeit und eine Verkürzung der durchschnittlichen Liegedauer, wodurch Kosten eingespart werden können. Schwerwiegende Komplikationen wie Herzschwäche lassen sich durch Herznotfallambulanzen vermeiden. Deshalb sind CPUs besonders dort notwendig, wo besonders viele Menschen herzkrank sind oder viele Menschen an Herzkrankheiten sterben. „Noch mehr CPUs müssten gerade in Regionen mit einer deutlichen Überschreitung der Sterbeziffer beim akuten Herzinfarkt sein, wo die Herzinfarktversorgung noch nicht ausreichend ist, gemessen an der Zahl der Erkrankungen und an der Infarktsterblichkeit – zum Beispiel in Sachsen-Anhalt und Brandenburg“, sagt der Herzspezialist Prof. Meinertz. Zu begrüßen sei daher, dass in diesen Ländern in jüngster Zeit Herznotfallambulanzen eingerichtet wurden. Umgekehrt mache es aber wenig Sinn, CPUs gerade dort einzurichten, wo die Herzinfarktversorgung ohnehin sehr gut ist. So liegt lediglich in 27 der 84 Kreise, in denen eine CPU bis Juli 2011 eingerichtet wurde, auch die (altersbereinigte) Sterbeziffer für den akuten Herzinfarkt deutlich höher, gemessen am Bundesdurchschnitt.

21/2011

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert /Pierre König
Tel. 069 955128-114/-140
Fax: 069 955128-345
wichert@herzstiftung.de
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

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