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Deutsche Herzstiftung fördert Stiftungsprofessur für EMAH

Für die Stiftungsprofessur wurde die EMAH-Kardiologin Prof. Dr. med. Tanja Rädle-Hurst vom Universitätsklinikum des Saarlandes berufen.

Bild vo Dr. Rädle-Hurst
DHS / Uwe Bellhäuser

Um eine bestmögliche Betreuung von erwachsenen Patienten mit angeborenem Herzfehler (EMAH) zu gewährleisten und eine kontinuierliche Forschung zu fördern, hat die Deutsche Herzstiftung ihre erste EMAH-Professur an der Universität des Saarlandes eingerichtet. Möglich wurde dies aufgrund des großzügigen Nachlasses von Leonore Hook, deren Wunsch es war, Menschen mit angeborenem Herzfehler langfristig zu helfen. 

Im Dienst der Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH)

Dank des medizinischen Fortschritts erreichen auch immer mehr Kinder, die mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt kommen, das Erwachsenenalter. Schätzungsweise 280.000 bis 300.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) leben in Deutschland. Ihre Zahl wächst jährlich mindestens um ca. 6.000. Diese wachsende Patientengruppe ist nahezu ein Novum in der Medizin. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Kenntnissen zu den spezifischen Anforderungen dieser Patienten. Diese Wissenslücken möchte die Herzstiftung mit der „Stiftungsprofessur für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH)“ schließen. Angesichts der Vielfalt der angeborenen Herzfehler mit ihren individuellen Verlaufs- und Behandlungsformen ist es meist nur Spezialisten möglich, diese Krankheitsbilder sicher zu beurteilen. Neue Erkenntnisse, die zur besseren Versorgung dieser Patienten beitragen, sind daher enorm wichtig. Auf die Professur wurde Prof. Dr. med. Tanja Rädle-Hurst, EMAH-zertifizierte Kardiologin an der Klinik für Pädiatrische Kardiologie des Universitätsklinikums des Saarlandes Homburg/Saar, berufen.

Prof. Rädle-Hurst habilitierte sich bereits 2012 auf dem neuen Gebiet der EMAH-Kardiologie, was damals die absolute Ausnahme darstellte. Die Ärztin sieht auf dem EMAH-Gebiet einen dringenden Forschungsbedarf. Bei angeborenen Herzfehlern sind die Krankheitsmechanismen anders als bei erworbenen Herzerkrankungen. „Es ist wichtig, das Spezialgebiet ,EMAH‘ universitär zu etablieren und im wissenschaftlichen Sinne zu vertreten. Nur so kann sichergestellt werden, dass für diese besondere Patientengruppe mit ihren speziellen Problemen wissenschaftliche Forschung stattfindet, die die spezifischen Fragestellungen beantwortet und darauf zielt, die medizinische Versorgung von EMAH-Patienten kontinuierlich zu verbessern“, betont die EMAH-Stiftungsprofessorin.

Spezielle Biomarker im Visier

Zwar kann die große Mehrheit der angeborenen Herzfehler heute operativ – einfachere Fehlbildungen des Herzens zum Teil ohne Operation – so gut behandelt werden, dass die meisten ein fast normales Leben führen. Trotzdem ist für EMAH-Patienten eine kontinuierliche fachärztliche Weiterbehandlung im Erwachsenenalter lebenswichtig, weil sie sonst schwerwiegende Spätkomplikationen wie Herzschwäche, Lungenhochdruck, eine Herzinnenhautentzündung oder sogar lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod riskieren. Vor allem bei den komplexen angeborenen Herzfehlern kann es im Langzeitverlauf zum Auftreten einer Herzinsuffizienz kommen, in deren Verlauf das Herz nicht die volle Pumpleistung erbringt. Die frühzeitige Diagnostik und Therapie einer eingeschränkten Pumpleistung ist lebenswichtig für die Patienten. Eine wichtige Rolle spielen hier Biomarker, spezielle Bestandteile im Blut, aus deren Konzentration und Zusammensetzung die behandelnden Ärzte eine medikamentöse Therapie ableiten oder intensivieren können. „Da die bisher für die Herzinsuffizienz herangezogenen Biomarker bei Patienten mit angeborenem Herzfehler einige Nachteile aufweisen, sollen im Rahmen der Stiftungsprofessur neue Biomarker untersucht werden, die möglicherweise besser zur Therapiesteuerung und Prognoseeinschätzung geeignet sind“, erläutert Prof. Rädle-Hurst. Zudem soll der Stellenwert von Micro-RNAs (Kopien von bestimmten Genabschnitten) im Blut bei verschiedenen Herzfehlern und Patienten mit und ohne Herzinsuffizienz evaluiert werden. Die Stiftungsprofessur hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Ihre Finanzierung wird dank einer großzügigen Erbschaft möglich, welche die Deutsche Herzstiftung mit der Auflage erhalten hatte, sie für ein Projekt auf dem Gebiet der angeborenen Herzfehler einzusetzen.

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Interview mit Prof. Tanja-Rädle Hurst über ihre Aufgaben und Ziele.