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Herzrisiko zweite Corona-Welle

Was Sie jetzt über COVID-19 wissen müssen – und wie sie sich am besten vor SARS-CoV-2 schützen.

Frau trägt zum Schutz vor Corona eine Alltagsmaske
Christo Anestev auf Pixabay

Warum ist das Coronavirus für Herzkranke so riskant?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) verlaufen rund 81 Prozent der Corona-Infektionen mild, etwa 14 Prozent schwer und 5 Prozent kritisch. Neben älteren Menschen sind es vor allem chronisch Kranke, die ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben. Dazu gehören auch Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzschwäche, hohen Blutdruck, koronarer Herzkrankheit sowie Diabetiker und deutlich Übergewichtige.

Nicht nur das Immunsystem ist bei chronisch kranken Menschen häufig schwächer. Eine Erkrankung der Lunge, wie sie SARS-CoV-2 auslöst, ist meist mit einer zusätzlichen Belastung des Herzens verbunden. Das lebenswichtige Organ muss eine immense Mehrarbeit leisten, um die Sauerstoffversorgung des Körpers aufrechtzuerhalten und die schwache Lunge auszugleichen. Bei einer bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung droht eine Überlastung des durch die Herzkrankheit geschwächten Herzens.

So greift das Coronavirus das Herz an

Hinzu kommt, dass das Herz selbst von Coronaviren angegriffen werden kann. Coronaviren docken vor allem auf den sogenannten ACE2-Rezeptoren (Angiotensinkonvertierendes Enzym 2) menschlicher Zellen an – und diese kommen neben Lunge, Darm, Nieren und Blutgefäßen auch im Herzen vor. So kann es zu einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kommen. Untersuchungen haben gezeigt: Auch bei jüngeren Menschen kann COVID-19 das Herz schädigen.

Kommt es im Rahmen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu einer Lungenentzündung, ist es möglich, dass zusätzlich Bakterien Lunge und Herz anergreifen. Dann drohen schwere Schäden.

Corona-Forschung

Forscherin im Labor
thisisenginieering - unsplash
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Hygienemaßnahmen als Herzschutz vor Corona

Solange es weder Medikamente noch eine Impfung gegen das Coronavirus gibt, stellt die Einhaltung der Abstands- und Hygieneempfehlungen den wichtigsten Schutz für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Das Robert-Koch-Institut (RKI) betont immer wieder, wie wichtig es ist, dass sich die Bevölkerung an die AHA-Regeln hält, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen und „schwere Erkrankungen und Todesfälle“ zu vermeiden:

  • Abstand von mindestens 1,5 Metern wahren – auch im Freien: Nach derzeitigen Erkenntnissen erfolgt die Übertragung von SARS-CoV-2 bei direktem Kontakt über Sprechen, Husten oder Niesen. Dabei werden infektiöse Tröpfchen ausgeschieden und gelangen in die Atemluft.
  • Hygiene beachten: Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife für mindestens 20 Sekunden senkt das Übertragungsrisiko deutlich. Für unterwegs eigenen sich Handdesinfektionsmittel. Das enthaltene Ethanol kann Corona-Viren innerhalb von 15 Sekunden abtöten. Niesen und Husten in die Armbeuge schützt andere vor infektiösen Tröpfchen. 
  • Alltagsmasken tragen: Dies gilt neben Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln überall dort, wo Menschenansammlungen anzutreffen sind. Masken sollten auch im Freien getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Eine Mund-Nasen-Bedeckung hilft, Tröpfchen aufzufangen, die beim Sprechen, Husten und Niesen ausgeschieden werden.

Des Weiteren empfiehlt die Bundesregierung, die AHA-Regeln durch zwei Maßnahmen zu ergänzen: Corona-Warn-App nutzen und regelmäßiges Stoßlüften (AHA+L). Regelmäßiges Lüften kann als zusätzliche Maßnahme die Virusbelastung in Innenräumen verringern. Virologen raten zudem, Aufenthalte in geschlossenen Räumen mit mehreren Personen sowie Gedränge in öffentlichen Verkehrsmitteln, Bahnhöfen und Flugzeugen möglichst zu vermeiden. Halten Sie den Personenkreis, mit dem Sie Kontakt haben, möglichst klein und gleich.

Corona-Infektion über Lebensmittel und Oberflächen?

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gibt es derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Auch gibt es laut BfR derzeit keine belastbaren Belege für eine Übertragung des Virus durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen, wodurch nachfolgend Infektionen beim Menschen aufgetreten wären. Allerdings seien Schmierinfektionen über Oberflächen, die zuvor mit Viren kontaminiert wurden, nicht auszuschließen.

Corona und Herz: Medikamente nicht absetzen

Aufgrund kursierender Gerüchte haben viele Herzpatienten Sorge, dass ihre Herz-Kreislauf-Medikamente, wie beispielsweise Blutdrucksenker, eine Infektion mit dem Corona-Virus begünstigen. Bislang vorliegende klinische Beobachtungen geben keine Hinweise, die diesen Verdacht bestätigen. Wissenschaftliche Fachgesellschaften sind sich einig: Herzpatienten sollten auf keinen Fall ohne Absprache mit ihrem behandelnden Arzt die herzschützenden Medikamente absetzen – auch nicht bei einer Infektion mit SARS-CoV-2. Sind Sie unsicher, was Ihre Medikation betrifft, bitten Sie Ihren Arzt um ein Gespräch.

Corona und Arztbesuche

Ärzte berichten, dass sich viele Herz-Patientinnen und -Patienten während der Corona-Krise aus Angst vor einer Ansteckung nicht trauen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Kardiologen raten dringend, bei Herz- sowie bei Atembeschwerden Kontakt zu einem Arzt aufzunehmen – durchaus im ersten Schritt per Telefon. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollten Sie ohne Zögern den Notruf unter 112 rufen.

Grippeimpfung hilft, Doppel-Infektionen vorzubeugen

Die ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Grippeschutzimpfung besonders Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko. Dazu gehören:

  • ältere Menschen ab 60 Jahre
  • Personen mit Grunderkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Personen mit chronischen Erkrankungen der Atemorgane
  • Personen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Personen, die im medizinischen Bereich oder in der Pflege arbeiten oder einen Beruf mit viel Publikumsverkehr ausüben

Zwar schützt die Grippeimpfung nicht vor COVID-19 und hat auch keinen Einfluss auf den Verlauf einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Doch sie kann das Risiko einer möglicherweise lebensgefährlichen Atemwegserkrankung aufgrund einer Infektion mit Grippeviren senken und so einer Überbelastung von Immunsystem, Lunge und Herz vorbeugen. Sie hilft Doppelinfektionen mit dem Grippe- und dem Coronavirus zu verhindern.  

Was tun bei COVID-19-Symptomen?

Haben Sie den Verdacht, an COVID-19 erkrankt zu sein, etwa weil Ihre Atembeschwerden plötzlich zunehmen oder Sie unter Fieber, Husten, Schnupfen oder einer Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns leiden, sollten Sie Ihren Arzt kontaktieren. Am Wochenende erreichen Sie den Kassenärztlichen Notdienst unter 116 117. Die Mitarbeiter informieren Sie über Anlaufstellen in Ihrer Nähe und das weitere Vorgehen. In Notfällen, etwa bei akuter Atemnot, sollten Sie den Notruf unter 112 verständigen.

Gesunde Ernährung und Bewegung stärken Immunsystem und Herz

Auch wenn die vermehrte Zeit zuhause zu Naschereien und gemütlichen Couchabenden verführt: Achten Sie weiterhin auf eine gesunde Ernährung. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt die Mittelmeerküche für einen herzgesunden Speiseplan und bietet mit „Mediterrane Küche“ ein Kochbuch mit vielen leckeren Rezepten für ein starkes Herz an.

Spaziergänge, Joggen, Walken oder Fahrradfahren: Auch während der Corona-Pandemie können Sie mit Bewegung Ihr Herz-Kreislauf-System stärken. Wird das Wetter schlechter, sind Hometrainer eine gute Alternative. Mit Laufband und Fahrradergometer bleiben Sie von Kälte und Regen verschont, müssen nicht in ein Fitnessstudio gehen und können nebenbei sogar Fernsehen schauen. Auch auf der Gymnastikmatte im Wohnzimmer lassen sich erfolgreich Sporteinheiten absolvieren.

Experte

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz
Portrait von Prof. Thomas Meinertz

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Wichtige erste Fragen und Antworten im Kontext von Herz und Corona haben wir hier für Sie in unseren "HERZ heute"- und "herzblatt"-Ausgaben zusammengestellt.

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Ärztin mit Mundschutz in Arztpraxis
Ulrike Eberius, SelectStock/istockphoto.com
Viele Herzpatienten haben in der Corona-Zeit Bedenken, sich bei einem Arzttermin anzustecken. Ist es ratsam, die Behandlungen zu verschieben?

Thomas Meinertz

Prof. Dr. med.

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Unsere Quellen:

Internet: https://www.zusammengegencorona.de/informieren/praevention/

Internet: https://www.rki.de

Internet: https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/wie-verhalte-ich-mich/in-risikosituationen.html

Internet: https://www.bfr.bund.de/