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Lässt sich Vorhofflimmern besser mit Wärme (Strom) oder Kälte behandeln?

Beim Forschungsprojekt „HIPAF“ werden zwei Formen der Katheter-Behandlung verglichen, um die sicherste Methode für Patienten zu finden.

Aktualisiert: 04.05.2022

Frau liet im Krankenhaus und wird untersucht
elCasanelles

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und gehört mit der Herzinsuffizienz und dem metabolischen Syndrom zu den stetig zunehmenden Herzkreislauf-Erkrankungen. In Deutschland haben rund 1,8 Millionen Menschen Vorhofflimmern – zum Teil nur gelegentlich, zum Teil auch dauerhaft. Dabei schlägt das Herz meist unregelmäßig und schnell. Doch nicht alle Betroffene wissen von ihrem unregelmäßigen Herzschlag, denn bei jedem Zweiten tritt Vorhofflimmern ohne Beschwerden auf. Wird Vorhofflimmern nicht behandelt, erhöht sich allerdings auf Dauer das Risiko für Schlaganfälle.

Vorhofflimmern behandeln:  Das Herz wieder in Takt bringen

Um das Herz wieder in den Sinusrhythmus – den normalen, regelmäßigen Herzschlag – zurückzuführen, werden meist Medikamente eingesetzt. Wenn diese nicht wirken oder nicht tolerierbare Nebenwirkungen auftreten, kann die Katheterverödung (Katheterablation) eine Therapiemöglichkeit sein. Diese invasive Behandlungsmöglichkeit gehört zur Standardtherapie bei Vorhofflimmern.

Eine Durchführungsmöglichkeit ist dabei die „Pulmonalvenenisolation“. Hier wird gezielt das Gewebe um die Lungenvenen (Pulmonalvenen) verödet. Diese liegen in der linken Vorkammer des Herzens und spielen bei Vorhofflimmern eine große Rolle. Die Pulmonalvenenisolation kann sowohl durch Strom als auch durch Kälte erfolgen. In beiden Fällen entstehen Vernarbungen im Gewebe, die das Flimmern beenden. Bei der sogenannten Kälteablation mittels eines Ballons werden zum Beispiel Temperaturen von bis -60 Grad Celsius erreicht. Ein neuer Ansatz für die Stromablation ist die „High Power Short Duration (HPSD) Ablation“. Dabei wird der Stromimpuls mit einer höheren Energie bei sehr kurzer Zeit pro Stromabgabe durchgeführt.

Projektteam Forschung Vorhofflimmern
v. r. n. l. Prof. Dr. Daniel Steven, PD Dr. Arian Sultan, Dr. Jonas Wörmann

Katheterablation: macht heiß oder kalt einen Unterschied?

Im Forschungsprojekt „HIPAF – HIgh-Power short-duration radiofrequency ablation for paroxysmal Atrial Fibrillation“ will das Team um Dr. Wörmann (Herzzentrum Uniklinik Köln), PD Dr. Arian Sultan und Prof. Dr. Daniel Steven nun die Komplikationsraten und den kurz- und langfristigen Behandlungserfolg der beiden Katheterablations-Verfahren per Kälteballon bzw. starkem Stromimpuls vergleichen. Dazu wird an insgesamt 170 Erkrankten jeweils eines der beiden Verfahren durchgeführt. Entsprechende Vor- und Nachuntersuchungen direkt nach dem Eingriff und nach drei bzw. zwölf Monaten sollen zeigen, wie sich das Behandlungsergebnis z.B. auf die Rezidivrate, also das erneute Auftreten von Vorhofflimmern, auswirkt. „Studiendaten haben zwar Hinweise geliefert, dass eine Verödung mit einem kurzen, intensiven Stomimpuls kürzer dauert, weniger Komplikationen aufweist und auch langfristig besser wirkt. Aber einen direkten Vergleich der High-Power- versus Kälteablation gibt es bisher nicht. Unsere Untersuchung wird dazu nun wichtige Erkenntnisse liefern“, hofft Projektkoordinator Dr. Wörmann. Die Deutsche Herzstiftung unterstützt dieses wichtige Forschungsprojekt mit über 50.000,00 Euro.

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Finger der ein Herz mit EKG zeichnet
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  1. Wenn Medikamente nicht helfen, kann eine Katheterablation sinnvoll sein. Lesen Sie hier mehr zu Therapiemöglichkeiten bei Vorhofflimmern.
  2. Senioren und Menschen mit Bluthochdruck sollten regelmäßig den Puls messen.
  3. Die Herzstiftung setzt sich für die Medizin von morgen ein. Hier finden Sie eine Auswahl der geförderte Forschungsprojekte.