Herzstiftungs-Sprechstunde

Nach Herz-OP: Wann wieder auf der Seite schlafen? Schutzgürtel tragen? Ziehende Schmerzen bedenklich?

Redaktion: Dr. med. Karl Eberius | ➞ 3 Kommentare  

Fragen nach einer Herz-OP
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Nach einer Herz-OP hat man erfahrungsgemäß viele Fragen. Vor einiger Zeit wurde in der Herzstiftungs-Sprechstunde z. B. um Infos gebeten, ab wann man nach einer Bypass-OP wieder auf der Seite schlafen darf, welche Schmerzen im Anschluss an den Eingriff normal sind bzw. welche als Vorboten für erneute Probleme am Herzen zu deuten sind und wie lange eine Manschette zum Schutz des noch instabilen Brustbeines getragen werden muss? Hier die Antworten von Prof. Dr. med. Dieter Hammel, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Die Sprechstunden-Frage: Mitte Dezember vergangenen Jahres hatte ich einen Hinterwandinfarkt, mir wurden drei Bypässe gelegt. Gerne würde ich wissen, wie ich erkennen kann, ob die ziehenden, leichten Beschwerden in der Mitte der oberen Brust von den Drähten herrühren, mit denen das Brustbein fixiert wurde? Oder kann es sich dabei um einen zweiten Infarkt handeln, der sich so ankündigt? Eine zweite Frage ist, wie lange ich die Manschette zum Schutz des operierten Brustbeines tragen muss? Mir ist es nicht wichtig, die Manschette so schnell wie möglich abzulegen, aber ich will sie auch nicht länger als unbedingt nötig tragen. Und schließlich: Ab wann darf ich wieder auf der Seite schlafen? (Martin S., Münster)

Die Experten-Antwort:

Professor Dr. med. Dieter Hammel
Prof. Dr. Dieter Hammel, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung.

Zu Ihrer ersten Frage: Die Unterscheidung zwischen einerseits „echten“ Herzbeschwerden und andererseits Schmerzen, die noch von der Durchtrennung des Brustbeins kommen, kann manchmal schwierig sein.

Hilfreich zur Klärung ist oft die Frage, in welcher Situation die Beschwerden in Erscheinung treten. Für Schmerzen vom Brustbein kann z. B. sprechen, wenn die Beschwerden bei bestimmten Bewegungen auftreten oder beim Niesen bzw. Husten, wodurch oftmals nicht zu unterschätzende Kräfte auf den Brustkorb wirken. Hingegen kann für das Herz als Ursache sprechen, wenn sich die Beschwerden in Situationen entwickeln, in denen das Herz vermehrt arbeiten muss und entsprechend belastet wird, also z. B. beim Treppensteigen und bei anderen körperlichen Anstrengungen oder auch bei Hitze und Kälte, wie etwa beim Verlassen des Hauses an einem kalten Wintertag.

Wichtig: Lässt sich nicht sicher sagen, woher die Beschwerden kommen und hat man den Verdacht, dass der Herzmuskel die Ursache sein könnte, ist unbedingt eine eingehendere kardiologische Untersuchung zu empfehlen. Oft können z. B. mit einem Belastungs-EKG oder einer Echokardiographie wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, weshalb man neu auftretende Schmerzen nach einer Herz-OP auf jeden Fall beim Arzt ansprechen sollte.

Zu Ihrer zweiten Frage: Mit der „äußeren Stabilisierung“ des Brustbeins durch eine Manschette ist es so eine Sache – letztlich ist unklar, ob ein solcher Rippengürtel tatsächlich die gewünschte Wirkung hat (=das Vermeiden einer Brustbeininstabilität). In meiner Klinik werden diese Stabilisatoren daher nicht mehr verordnet.

Zu Ihrer letzten Frage: Ich empfehle meinen Patienten, das Schlafen auf der Seite auszuprobieren, sobald die Wundschläuche entfernt wurden, was oft am zweiten Tag nach der Operation der Fall ist. Sollte die Seitenlage noch schmerzhaft sein, versucht man es einfach zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal und schläft bis dahin weiter auf dem Rücken. Besondere Probleme für die Heilung des Brustbeines kann ich beim Schlafen auf der Seite jedenfalls nicht erkennen. Im Zweifel sollten Sie sich mit Ihrem Operateur in Verbindung setzen, ob in Ihrem Fall ggf. Besonderheiten zu berücksichtigen sind.

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Die Sprechstunden-Frage hat beantwortet: Professor Dr. med. Dieter Hammel, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie am Klinikum Links der Weser, Bremen. Zu den klinisch-wissenschaftlichen Schwerpunkten des Herzchirurgen zählen u. a. Bypass- und Herzklappenoperationen.

Redaktion: Dr. med. Karl Eberius

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Bislang 3 Kommentare  

Dr. Wolfgang A. aus Marl (26.11.2019): Ich halte generell derartige Informationen für extrem nützlich, auch wenn man zurzeit nicht direkt betroffen ist, aber schon mit 'Stents' versorgt wurde. MfG.

Siegfried A. aus Schwerin (26.11.2019): Ich bin im September 2019 wegen einem Aneurysma am Herzen operiert worden. Ich habe bis heute noch Schmerzen jeden Morgen nach dem Schlafen. Die ersten sechs Wochen konnte ich gar nicht auf der Seite schlafen erst jetzt geht es langsam.

Claus P. aus Karlsruhe (26.11.2019): Ich habe am 20.09.19 eine biologische Aortenklappe erhalten. Dazu wurde auch mein Brustbein durchtrennt. Jetzt nach 2 Monaten schlafe ich für kurze Abschnitte auch auf der Seite. Das Drehen ist zwar nicht ganz schmerzfrei, aber nach 2 Monaten nur Rückenlage ist es einfach nur schön.

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