Forschung für Patienten

Uta und Jürgen Breunig-Forschungspreis 2017

Uta und Jürgen Breunig-Forschungspreis 2016
V. l. n. r.: Preisträgerin Dr. Madhumita Chatterjee in ihrem Forschungslabor mit Doktorandin Laura Balthazaar und den medizinisch-technischen Assistentinnen Lydia Laptev und Ingrid Epple.
Tickende Zeitbombe entdeckt

Einen wesentlichen Schlüssel, der koronaren Herzkrankheit (KHK) und dem Herzinfarkt künftig vorzubeugen, hat die Biologin Dr. Madhumita Chatterjee, PhD, Wissenschaftlerin am Universitätsklinikum Tübingen, in ihrer Forschungsarbeit Der Einfluss oxidierter Thrombozyten-Lipidome auf die koronare Herzerkrankung gefunden. Die entscheidende Rolle spielt dabei das Cholesterin, ein lebenswichtiges Blutfett, dem Dr. Chatterjee genauer auf die Spur gekommen ist.

Dass zu viel Cholesterin eine Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) und dadurch einen Herzinfarkt und Schlaganfall mit sich bringen kann, ist hinlänglich bekannt. Um die Blutfette eines Patienten, in der Fachsprache Lipide genannt, und damit das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bestimmen, misst man im Labor das Gesamtcholesterin, das HDL- und LDL-Cholesterin, sowie die Triglyceride im Blutplasma. „Damit wird man dem komplexen Krankheitsgeschehen aber nicht gerecht“, sagt Dr. Chatterjee, die in der Klinik für Innere Medizin III: Kardiologie und Kreislauferkrankungen des Tübinger Uniklinikums forscht. „Ich habe mit neuen Technologien der Lipidomik – der Begriff für die Analyse sämtlicher Fette im Körper – Hunderte von Lipiden in KHK-Patienten gemessen.“

Die Biologin hat für ihre Arbeit den mit 6.000 Euro dotierten Uta und Jürgen Breunig-Forschungspreis 2017 der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin erhalten. Mit ihrer Messung hat sie alle Lipide erfasst, und zwar, und das ist der entscheidende Punkt, nicht nur im Blutplasma, sondern auch in den Blutplättchen, den Thrombozyten. Denn Blut besteht nur gut zur Hälfte aus Blutplasma. Den anderen Teil machen Blutzellen aus, zum Beispiel rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen.

Der Clou: Die weitaus größere Menge der Blutfette befindet sich in den Blutplättchen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung, indem sie sich bei einer Verletzung eines Blutgefäßes an das umliegende Gewebe heften oder aneinanderkleben und so die Wunde verschließen. „Die Thrombozyten saugen die Lipide quasi auf und transportieren sie im Körper“, erklärt Dr. Chatterjee. „Damit werden sie aber in der üblichen Diagnostik nicht erfasst.“ Doch das ist noch nicht alles. Die Blutplättchen binden das Cholesterin an sich und verändern es chemisch. Es oxidiert und aktiviert infolgedessen die Thrombozyten. Daraufhin entzünden sich die ohnehin bei der KHK angegriffenen Gefäßwände im Laufe der Zeit noch mehr und verengen sich weiter. „Auch das Risiko, dass sich ein Gerinnsel bildet und einen plötzlichen Herzinfarkt verursacht, wird dadurch stark erhöht“, betont Prof. Dr. med. Meinrad P. Gawaz, Ärztlicher Direktor und Ordinarius der Klinik für Kardiologie und Kreislauferkrankungen im Universitätsklinikum Tübingen. So zeigen gerade Betroffene, die einen akuten Herzinfarkt erleiden, große Mengen an oxidiertem Cholesterin im Blut. „Wir müssen in Zukunft schon im Vorfeld zusätzlich die Blutfette in den Thrombozyten analysieren“, betont Prof. Gawaz. „So können wir eine tickende Zeitbombe entlarven.“

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