Forschung für Patienten

Uta und Jürgen Breunig-Forschungspreis 2015

Uta und Jürgen Breunig-Forschungspreis 2015
V. l. n. r.: Stifter Dr. Jürgen und Uta Breunig; Preisträger Dr. med. Peter Ong; Prof. Dr. med. Hellmut Oelert, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Stiftung für Herzforschung.
Angina-pectoris-Beschwerden nach Bypassoperation

Die koronare Herzerkrankung (KHK) ist die häufigste Herzerkrankung mit über 665.000 Krankenhauseinweisungen in Deutschland pro Jahr. Sie entsteht dadurch, dass sich Herzkranzgefäße in einem langen schleichenden Prozess verengen, sodass die Durchblutung des Herzens behindert wird. Eine Bypassoperation oder Stentbehandlung kommt in Betracht, wenn trotz der Medikamente Angina-pectoris-Anfälle häufig und heftig auftreten oder wenn die Engstellen (Stenosen) die Lebenserwartung beeinträchtigen. KHK-Patienten haben nach einer Bypassoperation oft anhaltende oder wiederkehrende Angina-pectoris-Beschwerden. Jedoch finden sich häufig trotz einer Katheteruntersuchung (Koronarangiographie) keine behandlungsbedürftigen Verengungen der Herzkranzgefäße als Ursache der Beschwerden.

Dass diese Beschwerden durch Krämpfe der Herzkranzgefäße (sog. Koronarspasmen) verursacht werden können, die einer medikamentösen Behandlung bedürfen, haben systematische Untersuchungen im Rahmen einer Studie gezeigt, bei denen erstmals ein spezieller Test, der Acetylcholin-Test (ACH-Test), zur Ursachenklärung eingesetzt wurde. Für diese Forschungsleistung wurde Dr. med. Peter Ong, Abteilung für Kardiologie am Zentrum für Innere Medizin III, Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart, von der Deutschen Herzstiftung mit dem Uta und Jürgen Breunig-Forschungspreis (Dotation: 5.000 Euro) auf der 121. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim ausgezeichnet. Die prämierte Forschungsarbeit trägt den Titel Recurrent angina pectoris in patients with previous cardiac bypass operation but with­out progression of epicardial stenosis – role of functional coronary vasomotor abnormalities assessed by acetylcholine provocation testing.

Acetylcholin-Test ermöglicht gezielte Behandlung der Koronarspasmen

„Die Forschungserkenntnisse von Dr. Ong erleichtern eine zielgerichtete Behandlung der Beschwerden von bypassoperierten Herzpatienten und helfen, unnötige diagnostische Maßnahmen zu vermeiden, da frühzeitig Koronarspasmen als Ursache der Beschwerden identifiziert, zugleich aber Durchblutungsstörungen ausgeschlossen werden können“, hebt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, hervor. „Der Acetylcholin-Test ermöglicht den Ärzten, im sicheren Umfeld der Klinik die gleichen Beschwerden zu erzeugen, die die Patienten zu Hause spüren, um dann eine gezielte Therapie einzuleiten. Dieses Verfahren ist deshalb von hohem Nutzen für die klinische Praxis.“

In der Studie untersuchten Dr. Ong und Kollegen 40 Patienten, die zuvor einer Bypassoperation am Herzen unterzogen worden waren und eine anhaltende, wiederkehrende Angina pectoris (25 % Belastungs-Angina, 33 % Ruhe-Angina, 42 % gemischte Angina) und keine bedeutsamen Verengungen der Herzkranzgefäße oder der Bypässe aufwiesen (73 % Männer, Alter im Mittel 70±10 Jahre, Dauer nach der Bypassoperation im Mittel 5,5 Jahre). Bei 78 % der Patienten zeigte sich eine Verkrampfung der Herzkranzgefäße als Ursache für die Beschwerden. Bei 12 % der Patienten war der Acetylcholin-Test unauffällig. Daher sind Koronarspasmen insbesondere bei Patienten nach einer Bypassoperation, bei denen keine behandlungsbedürftige Engstelle zu finden ist, eine wichtige Erklärung für die Beschwerden.

„Der Test ist bei diesen Patienten nützlich, um die Ursache der Beschwerden rasch zu klären und eine zielgerichtete medikamentöse Therapie einleiten zu können. Diese besteht neben der medikamentösen Therapie der koronaren Herzkrankheit in der Regel aus Calciumantagonisten und Nitratpräparaten“, erläutert Dr. Ong. In weiteren Untersuchungen sollen diese Erkenntnisse weiterverfolgt werden.

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