Herzstiftungs-Sprechstunde

Nach Herzkatheter: „Wann darf ich wieder Auto fahren?“

Bislang ➞ 7 Kommentare zu dieser Sprechstunde

Auto fahren nach Herzkatheter
Wie lange muss man nach einem Katheter-Eingriff mit dem Autofahren pausieren?

Wann man nach ei­nem Herz­ka­the­ter-Ein­griff mit ei­ner Stent-Im­plan­ta­tion wie­der ans Steu­er darf, hängt nicht zu­letzt da­von ab, ob man mit ei­nem Pkw pri­vat un­ter­wegs ist oder z. B. be­ruf­lich ei­nen Lkw fährt.

Die Sprechstunden-Frage: Mein Mann hat dieses Jahr überraschend zwei Katheter-Eingriffe über sich ergehen lassen müssen, bei denen ihm jedes Mal zwei Stents eingesetzt wurden. In den nächsten drei Monaten soll er noch einmal zwei Stents erhalten. Er hatte keinen Herzinfarkt, „nur“ Verengungen in den Herzkranzgefäßen. Da mein Mann als Lkw-Fahrer und Monteur unterwegs ist, frage ich, ab wann er nach dem Stent-Eingriff wieder Lkw fahren darf? (Graziella L., Landshut)

Die Experten-Antwort:

Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer
Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stv. Vor­sit­zen­der der Herz­stif­tung.

Bei der Frage, wann man nach einer Stent-Implantation wieder ans Steuer darf, ist es wichtig zu wissen, dass für Berufsfahrer von Lkws strengere medizinische Maßstäbe angelegt werden als für private Pkw-Fahrer.

Hintergrund ist, dass neben der meist viel umfangreicheren Gesamtzeit von Berufsfahrern am Steuer auch die höhere Fahrzeugmasse eines Lkws ein größeres Gefährdungspotenzial für andere Verkehrsteilnehmer darstellt.

Während bei Privatfahrern die Fahreignung nach einer komplikationslosen Stent-Implantation am Herz meist schon nach 24 Stunden wieder vorliegt, wird für Lkw-Berufsfahrer aus Sicherheitsgründen eine fehlende Fahreignung von in der Regel vier Wochen festgelegt, was auf Grundlage der »Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung« der Bundesanstalt für Straßenwesen erfolgt. Vor einer Wiederaufnahme der Fahrtätigkeit sehen die Leitlinien zudem eine entsprechende fachärztliche Nachuntersuchung vor und zwar sowohl für Berufs- als auch für Privatfahrer.

Wichtig: Pumpkraft abklären lassen!

Eine grundsätzliche Voraussetzung für die Fahreignung ist, dass der Herzmuskel weiterhin eine ausreichende Pumpkraft aufweist. Dies ist ein wichtiger Punkt, den man bei verengten Herzkranzgefäßen auf keinen Fall vergessen darf. Denn die Herzkranzgefäße, die das Herz überziehen, sind für die Versorgung des Herzmuskels mit sauerstoffreichem Blut verantwortlich, das er für seine Pumparbeit benötigt. Verengungen in diesen Gefäßen (= koronare Herzkrankheit) können daher zu einer Unterversorgung des Herzmuskels führen, was eine der Hauptursachen für eine nachlassende Pumpkraft darstellt (= Herzschwäche).

Die Beurteilung der Pumpkraft kann dabei anhand von Symptomen erfolgen, also z. B. ob bereits geringe körperliche Belastungen zur Atemnot führen, was dem Herzschwäche-Stadium ➞ NYHA III entspricht und bei Lkw-Berufsfahrern gemäß den erwähnten Leitlinien eine fehlende Fahreignung nach sich zieht, während für Privatfahrten mit dem Pkw in diesem Stadium noch eine Fahreignung bestehen kann.

Darüber hinaus lässt sich die Pumpkraft mit einer Echokardiographie (= Herzecho) beurteilen. Dabei wird von außen durch die Brustwand mit Ultraschall, also schmerzfrei, die sogenannte linksventrikuläre Ejektionsfraktion bestimmt, die den Anteil des Blutes angibt, der bei einem Herzschlag aus der linken Kammer in die Hauptschlagader weitergepumpt wird. Wichtig: Wenn Sie diesen Wert z. B. in Ihrem Arztbrief nachschlagen (häufig abgekürzt als LVEF oder LV-EF), beachten Sie, dass der Normalwert nicht 100 % beträgt, wie man vielleicht im ersten Moment denken könnte, sondern Gesunde typischerweise einen Wert zwischen 60 und 70 % aufweisen. D. h. die Herzkammer entleert sich auch bei einem völlig intakten Herz nie vollständig und es verbleiben immer 30 bis 40 % des Blutes in der Herzkammer.

Abschließender Hinweis: Bitte denken Sie daran, dass bei Ihrem Mann als Lkw-Fahrer nach einem solchen Eingriff entsprechend den oben genannten Leitlinien jährlich eine fachärztliche Kontrolluntersuchung durchzuführen ist. Da Termine bei Kardiologen vielerorts schwer zu bekommen sind, ist oft eine frühzeitige Terminvereinbarung zu empfehlen.

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Sonderband-HerzschwächeZusatz-Empfehlung: Was Menschen mit einer Herzschwäche wissen sollten, fasst der umfangreiche ➞ Herzstiftungs-Ratgeberband zum Thema Herzschwäche zusammen (inkl. was Betroffene hinsichtlich Ernährung, Sexualität und Urlaubsreisen beachten müssen).

Die Sprechstunden-Frage hat beantwortet: Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Herzspezialist und stv. Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Zu den Schwerpunkten des Herzexperten zählt u. a. die interventionelle Kardiologie und nichtinvasive Bildgebung.

(Redaktion: Dr. med. Karl Eberius)

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Bislang 7 Kommentare zu dieser Sprechstunde

Ohne Namen (11.07.2018): Herr Professor Dr. Voigtländer hat sehr informativ und kompakt über die Frage der Fahrtauglichkeit nach Stent-Implantation geantwortet. Vielen Dank dafür!

Ohne Namen (11.07.2018): Sehr informative, kompakte Antwort!

Andreas H. aus München (08.07.2018): Das wäre auch gut, wenn es so mit den Patienten im Arztgespräch kommuniziert wird.

G. G. (06.07.2018): Auch ich bin (als Privatfahrer) nach Herzinfarkt und Stenteinsatz im Jahr 2003 selbst 200 km in die Reha gefahren (was dort damals Vorwürfe ausgelöst hat), aber ich finde es richtig, dass Profi-LKW-Fahrern eine Zwangspause verordnet wird: Das tut denen gut und den anderen Verkehrsteilnehmern auch. Hoffentlich wird der Verdienstausfall bezahlt!

Karl Heinz F. aus Nürnberg (06.07.2018): Eine sehr gute Info! Auch für "normale" PKW Fahrer. Denn es ist schon eine große Verführung, dass „Mann“ doch immer wieder glaubt, nach dem Eingriff gleich wieder nach Hause fahren zu können! Was m.E. absolut falsch und dumm ist!

Dieter G. aus Kassel (05.07.2018): Ich hatte auch einen Herzinfarkt mit Stent-Implantation. Mit mir hat danach niemand über das Thema Autofahren gesprochen. Als es mir wieder gut ging, bin ich wieder Auto gefahren. An der ganzen Thematik hat sich bis heute nichts geändert.

Josef F. aus Isselburg (05.07.2018): Im Jahre 2014, wurde bei mir eine Herz- OP. durchgeführt. Es wurden die Aortenklappe ersetzt sowie zwei Bypässe gemacht. Im Jahre 2015 musste ich meine Fahrerlaubnis CE erneuern. Hierzu habe ich die erforderlichen gesetzlichen Unterlagen, wie Nachschulungen und ärztliche Untersuchungen etc. gemacht. Unmittelbar hiernach musste ich mich einer zweiten Herz-OP. unterziehen, welche erforderlich war, Befall der Aortenklappe, die ersetzt werden musste, durch Bakterien. Gleichzeitig wurden noch drei Stents gesetzt. Da das für mich zuständige Straßenverkehrsamt davon Kenntnis erhalten hat - auf welchen Weg auch immer! - ,wurde ich schriftlich aufgefordert, meine Fahrerlaubnis der Klassen: A, A1, A2, Am, B, BE, C1, CE1, C, Ce, L, und T, abzugeben, binnen 2 Wochen, Aufforderung. Wenn nicht, erfolgt ein kostenpflichtiger Zwangseinzug. Gleichzeitig sollte ich eine Verzichtserklärung für einen freiwilligen Verzicht der Fahrerlaubnis abgeben, was auch den Verzicht auf Rechtsmittel bedeutet. Ich habe mich gegen den Entzug und den Verzicht gewehrt und nichts unterschrieben. Das Straßenverkehrsamt, hat auf den Einzug der Fahrerlaubnis zeitlich verzichtet und mich aufgefordert ein ärztliches Gutachten nach § 11 der Fahrerlaubnis-Verordnung beizubringen. Dieses Gutachten habe ich beigebracht, was aber auch mit hohen Kosten verbunden war. Trotz für mich positiven Gutachtens, hat mir das Straßenverkehrsamt jährliche Auflagen gemacht hier, Nachweis einer kardiologischen Kontrollen. Die Fahrerlaubnis wurde mir neu erteilt, auch den CE für (LKW). Hier der Hinweis: Die Straßenverkehrsämter berufen sich auf die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (ab 1. Mai 2014) einzusehen, bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

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