Forschung für Patienten

Wilhelm P. Winterstein-Preis 2016

Wilhelm P. Winterstein-Preis 2016
Prof. Oelert stellt Dr. Hanna Fröhlich, Universitätsklinikum Heidelberg, vor, die mit ihrer Arbeit zur Dosierung von ACE-Hemmern und Sartanen mit dem Wilhelm P. Winterstein-Preis 2016 ausgezeichnet wurde.
Wilhelm P. Winterstein-Preis 2016 - Dr. Werner
Der andere Preisträger des Winterstein-Preises 2016, Dr. Christian Werner, Universitätsklinikum des Saarlandes Homburg/Saar, im Gespräch mit Ursula Winterstein und Prof. Oelert.

Wer regelmäßig Ausdauersport wie Joggen betreibt, bremst den Alterungsprozess der Zellen und schützt sich so vor Herzinfarkt, Herzschwäche und anderen altersbedingten Krankheiten wie Diabetes. Dass mäßiger Ausdauersport und hochintensives Intervalltraining in dieser Hinsicht dem reinen Krafttraining deutlich überlegen sind, haben erstmals Dr. Werner und Kollegen in ihrer Arbeit belegt. „Die Studie liefert ein wichtiges Messverfahren zur genauen Bestimmung, wie effektiv eine spezielle Trainingsform auf die Zellalterung wirkt und so den Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht“.

Zellalterung im Gefäßsystem

„Joggen und Intervalltraining sind dabei dem Krafttraining anscheinend deutlich überlegen. Allerdings verbessern alle Trainingsformen die körperliche Fitness“, betont Dr. Werner. Ausschlaggebend für diesen Befund sind die Aktivierung des Enzyms Telomerase durch das Ausdauertraining sowie die Steigerung telomererhaltender und -schützender Proteine (TRF2, POT1, Ku70) in den Blutzellen der Studienteilnehmer. Telomere befinden sich an den Enden der Chromosomen (Erbgutträger). Sie schützen die Erbinformation. Ein wesentliches Merkmal des Alterungsprozesses in der Zelle ist die Telomerverkürzung. Eine Steigerung der Telomeraseaktivität wirkt der Telomerverkürzung entgegen. Sie kann die Verkürzung verhindern oder gar eine Verlängerung bewirken.

Neuer Biomarker für Vorbeugungsprogramme

Eine Trainingsstudie zeigte die erhöhte Telomeraseaktivität bei mäßigem Ausdauertraining, intensivem Intervalltraining, aber nicht bei intensivem Krafttraining. 124 gesunde, nicht sportlich Aktive (30–60 Jahre) nahmen an der Studie teil. 89 Personen trainierten in drei unterschiedlichen Trainingsgruppen (Ausdauer, Intervall, Kraft) sechs Monate lang 3 x 45 Minuten pro Woche. Die Personen der Kontrollgruppe trainierten nicht.
In den Trainingsgruppen war die Telomeraseaktivität höher als in der Kontrollgruppe, am höchsten war sie in der Ausdauertrainingsgruppe. Das Ausdauertraining bestand aus 45 Minuten Joggen (bei 60% der Herzfrequenzreserve). Das Intervalltraining erfolgte im Wechsel aus vierminütigen hohen Belastungsphasen (Rennen bei 80–90% der Herzfrequenzreserve) und anschließender dreiminütiger Erholung bei niedriger Belastung (Rennen bei 65–70% der Herzfrequenzreserve). Nach einer Aufwärmphase wurde diese Abfolge viermal durchgeführt, am Ende erfolgte ein Auslaufen. Das Krafttraining umfasste ein Zirkeltraining mit acht Übungen an Geräten.
Die Telomeraseaktivität lässt sich messen. „Damit haben wir einen Biomarker, der es ermöglicht, Trainingsempfehlungen für gesunde Menschen (Primärprävention) und für Herzkranke (Sekundärprävention) abzuleiten. Gesunde Menschen können sich durch regelmäßige Ausdauerbewegung vor Herzkrankheiten schützen. Dabei sollte Krafttraining ergänzend zu Ausdauertraining durchgeführt werden, nicht als Ersatz dafür.“

Neues zur Therapie bei Herz- und Nierenschwäche

In der Therapie der Herzschwäche werden seit 25 Jahren standardmäßig ACE-Hemmer und Sartane (Angiotensin-Rezeptorblocker) eingesetzt. Gemäß den Leitlinien für die Behandlung werden für die Verbesserung der Herzfunktion der Patienten möglichst hohe Dosierungen in der Therapie verabreicht. Bei Herzschwächepatienten, die zusätzlich an einer chronischen Einschränkung der Nierenfunktion leiden, verzichten Ärzte jedoch häufig auf eine höhere Dosierung der ACE-Hemmer und Sartane, weil sie eine weitere Verschlechterung der Nierenfunktion oder einen zu hohen Kaliumspiegel befürchten. „Wegen dieser Unsicherheit bezüglich der langfristigen Auswirkungen unterschiedlicher Dosierungen von ACE-Hemmern und Sartanen auf die Nierenfunktion bei Patienten mit kombinierter Herz- und Nierenschwäche möchten wir mit unserer Studie mehr Klarheit in diese Fragestellung bringen“, betont Dr. Hanna Fröhlich. In ihrer Studie Long-term changes of renal function in relation to target dose and dose change of ACE inhibitors or ARBs in patients with heart fail­ure and chronic stable kidney disease stützt sich die Ärztin auf Hinweise, dass eine langfristige Behandlung mit diesen Medikamenten positive Effekte auf die Nierenfunktion haben kann.

Sicher: Hohe ACE-Hemmer- oder hohe Sartan-Dosen

Jedes Jahr werden mehr als 396.000 Herzschwächepatienten in eine Klinik eingewiesen, weil sich ihre Erkrankung verschlimmert hat. Sehr wichtig sind deshalb Forschungserkenntnisse, die zur Vermeidung von Klinikaufenthalten beitragen. Für ihre Untersuchungen haben Dr. Fröhlich und ihr Team bei 722 Patienten aus Herzschwächeregistern der Universitäten Heidelberg und Hull (Großbritannien) den Zusammenhang zwischen Dosis und Dosisänderungen von ACE-Hemmern und Sartanen und der Veränderung der Nierenfunktion nach einem Jahr untersucht. Die Patienten litten alle unter chronischer Herzschwäche mit einer reduzierten Auswurffraktion der linken Herzkammer unter 45% und einer begleitenden Nierenschwäche (Stadium III/IV).

Fazit der Studie

Weder die Gabe hoher ACE-Hemmer- oder hoher Sartan-Dosen noch Dosisänderungen durch Erhöhung oder Senkung führten innerhalb von zwölf Monaten bei Patienten mit chronischer Herz- und Nierenschwäche zu nennenswerten Veränderungen der Nierenfunktion. „Da nur sehr wenige Komplikationen auftraten, erscheint die Gabe von hohen ACE-Hemmer- oder hohen Sartan-Dosen bei Patienten mit kombinierter Herz- und Nierenschwäche sicher, wenn die Patienten ausreichend überwacht werden.“

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