Forschung für Patienten

Wilhelm P. Winterstein-Preis 2015

Wilhelm P. Winterstein-Preis 2015
Der Winterstein-Preisträger und sein Team (v.l.n.r.): Lina Plichta, Sandy Wydra, Dr. med. Christian Pflücke, Dr. rer. nat. David Poitz, Peggy Barthel, Daniel Tarnowski.
Schlaganfallrisiko durch Vorhofflimmern: neue Biomarker

Vorhofflimmern ist mit ca. 1,8 Mio. Betroffenen in Deutschland die häufigste Herzrhythmusstörung und wegen der Neigung zur Blutgerinnselbildung in der linken Herzvorkammer eine der Hauptursachen für den Schlaganfall mit ca. 30.000 Schlaganfällen pro Jahr. „Das Interesse der Forschung an noch zuverlässigeren Messmethoden zur Bewertung des Schlaganfallrisikos bei Vorhofflimmerpatienten ist deshalb enorm, um das Schlaganfallrisiko für die Betroffenen noch wirksamer zu verringern, aber auch um den Patienten eine womöglich unnötige gerinnungshemmende Therapie zu ersparen“, betont Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

In Risiko-Scores wie dem CHA2DS2-VASc-Score werden die Risikofaktoren dargestellt, von denen die Schlaganfallgefährdung für den einzelnen Patienten abhängt; Risikofaktoren sind u. a. Herzschwäche, Bluthochdruck, Alter über 75 Jahre, Gefäßerkrankungen, Diabetes, Schlaganfall und TIA in der Vorgeschichte.

Neue Forschungsergebnisse einer Arbeit von Dr. med. Christian Pflücke und Kollegen am Herzzentrum Dresden – Universitätsklinik deuten jetzt auf ein möglicherweise noch zuverlässigeres, auf zwei Biomarkern basierendes Verfahren zur Bestimmung des individuellen Schlaganfallrisikos von Vorhofflimmerpatienten hin. Die Forschungsarbeit wurde 2015 mit dem Wilhelm P. Winterstein-Preis der Deutschen Herzstiftung (Dotation: 10.000 Euro) ausgezeichnet und im renommierten Fachjournal Clinical Research in Cardiology publiziert.

Die Dresdner Forscher haben zwei Biomarker identifiziert, die vermehrt im Blutserum von Patienten vorkommen, bei denen mit Herzultraschall ein Blutgerinnsel im Herzvorhof festgestellt wurde: Monozyten-Plättchen-Aggregate (MPA) als Marker für eine erhöhte Plättchenaktivität und CD11b als Marker für eine gesteigerte Entzündungsaktivität. In der Studie sind 27 Patienten, bei denen ein Blutgerinnsel im linken Vorhof entdeckt werden konnte, mit 80 weiteren Patienten mit symptomatischem Vorhofflilmmern, jedoch ohne Blutgerinnsel verglichen worden. „Der Gehalt von MPAs und CD11b war gerade bei den Patienten mit nachgewiesenem Blutgerinnsel im linken Herzvorhof deutlich erhöht. Damit erscheinen beide Marker sehr gut für die Risikobewertung und zielgenauere Therapie von Vorhofflimmerpatienten mit dem Ziel, den Schlaganfall zu verhindern, geeignet”, erklärt Dr. Pflücke.

Weitere Studien in Planung

Der bei Patienten mit Vorhofflimmern und Blutgerinnseln in dieser Studie nachgewiesene erhöhte CD11b-Gehalt auf Monozyten und Granulozyten, die zur Familie der entzündungsfördernden weißen Blutzellen zählen, weist auf eine Schlüsselrolle von Entzündungsprozessen bei Vorhofflimmern und dessen Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln hin. MPAs sind Marker für eine Plättchen- und Monozytenaktivierung. Sie stehen mit einer verminderten Flussgeschwindigkeit im linken Herzvorhofohr in Verbindung und zeigen dadurch die Bildung eines Blutgerinnsels an. Beide Marker dürften Ärzten, die sich in Abwägungssituationen für oder gegen eine Therapie mit Gerinnungshemmer befinden, mehr Sicherheit für ihre Entscheidung geben, weil das zugrundeliegende Messsystem zuverlässiger ist und für den Patienten eine individuelle Risikoabschätzung ermöglicht. „Mit Hilfe unserer Erkenntnisse könnten wir zur Entwicklung neuer entzündungshemmender Therapien bei Patienten mit Vorhofflimmern beitragen. Allerdings müssen noch weitere klinische Studien mit einer höheren Patientenzahl folgen. Weitere Studien sind in Planung.“

Tipp

Nichts mehr verpassen

Herz-Infos

Wenn Sie WhatsApp auf Ihrem Handy nutzen, können Sie damit kostenfrei wichtige Tipps zu Herzkrankheiten erhalten:

➞ Auf WhatsApp verbinden

Aktuelle Mitglieder-Zahl

100.000

Die Herzstiftung wurde 1979 ge­grün­det und hat heute mehr als 100.000 Mitglieder (ein­schließ­lich 1.700 Eltern herz­kran­ker Kinder).
➞ Vorteile der Mitgliedschaft u. Online-Antrag
➞ 5.571 Meinungen zur Mitgliedschaft

Tipp für Herzpatienten

Exklusive Zeitschrift zu Herzerkrankungen

HERZ HEUTE

In HERZ HEUTE geben un­ab­hän­gi­ge Herz­ex­per­ten, die z. B. als Chef- oder Oberärzte an Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken tätig sind, wertvolle Rat­schlä­ge zu Herz­krank­hei­ten (wel­che neuen The­ra­pien tatsächlich zu em­pfeh­len sind oder wie Be­trof­fe­ne ihre Er­kran­kung selbst po­si­tiv be­ein­flus­sen können).
Mitglieder bekommen die ex­klu­si­ve Zeitschrift, die nur über die Herz­stif­tung und nicht am Kiosk erhältlich ist, kostenfrei 4x/Jahr im Abon­ne­ment nach Hause ge­lie­fert.
Weiter zum Archiv

Aus der Herzstiftungs-Sprechstunde

Achtung: Nach grippalem Infekt weiterhin müde und schlapp?

Zur Antwort / Eigene Frage stellen

Tipp

Sonderdruck „Stress“

Sonderdruck Stress

Schützen Sie Ihr Herz und la­den Sie sich als Mit­glied auch folgende Herzstiftungs-Experten­schriften zum Thema Stress he­runter:

  • Sonderdruck Stress (inkl. prak­ti­schen Bei­spie­len und Zu­satz­er­läu­te­rungen, wie man sein Herz im Alltag vor Stress schützen kann)
  • Wie Stress den Blutdruck erhöht (mit wei­te­ren in­te­res­san­ten Tipps, um ge­fähr­li­chem Stress zu ent­kom­men)

Tipp: Wenn Sie noch kein Mit­glied sind, können Sie dies hier un­kom­pli­ziert nachholen und damit gleich die Ge­bühr für den Son­der­druck spa­ren. Alle Infos zur Mitgliedschaft

Kostenfrei für Mitglieder

  • Medizinische Beratung
    per E-Mail und Telefon durch unsere unabhängigen Herzexperten
  • Zeitschrift HERZ HEUTE 4x pro Jahr frei Haus mit ausführlichen Beiträgen über neue Therapiemethoden bei Herz­erkrankungen
  • Freie Auswahl aus dem umfangreichen Service-Angebot der Herzstiftung (Sonderbände, Gesundheits-Pass usw.)
  • Zugang zu allen pass­wort­geschützten Download-Schriften der Herzstiftung