Herzstiftungs-Sprechstunde

„Gibt es einen Zusammenhang zwischen Tageszeit und Blutdruck?“

Bislang ➞ 16 Kommentare zu dieser Sprechstunde

Muss der Blutdruck nachts niedriger sein als am Tag?
Muss der Blutdruck nachts niedriger sein als am Tag?

Bei den meisten Menschen unterliegt der Blutdruck über den Tag hinweg typischen Schwankungen. Welcher Verlauf dabei normal ist und in welchem Fall dagegen eine Abklärung erfolgen sollte, können Sie in der folgenden Experten-Antwort aus der Herzstiftungs-Sprechstunde nachlesen (inkl. wichtiger Hinweise zu den Veränderungen des Blutdrucks während und nach sportlicher Betätigung).

Die Sprechstunden-Frage im Wortlaut: Zum Thema Blutdruck habe ich folgende Fragen: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Tageszeit und Blutdruck? Bei mir ergeben sich in der Regel ab 20 Uhr höhere Blutdruckwerte: Blutdruck über 160 mmHg – Puls 45 bis 50. Gibt es darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen sportlicher Betätigung und Blutdruck? Nach 60-minütigem zügigem Gehen (davon 15 Minuten Jogging) sind meine Blutdruckwerte unter 120/70 mmHg. (Reinhold F., Magdeburg)

Die Experten-Antwort:

Prof. Dr. med. Wolfgang Mäurer
Prof. Dr. med. Wolfgang Mäurer, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Ja, es gibt einen Zusammenhang zwischen Tageszeit und Blutdruck. Man spricht von einem Tagesrhythmus, dem sogenannten circadianen Rhythmus der Blutdruckwerte: Morgens zwischen 8 und 9 Uhr ein erster Gipfel, mittags ein Abfall der Werte und spätnachmittags zwischen 16 und 18 Uhr ein zweiter Gipfel, wohingegen der Blutdruck während der Nachtstunden abfallen sollte.

Diese typischen Blutdruckveränderungen, die ohne unser willkürliches Zutun erfolgen und vom autonomen Nervensystem gesteuert werden, sind in der Regel sowohl bei Menschen mit normalem Blutdruck anzutreffen als auch bei der häufigsten Bluthochdruck-Form, dem sogenannten primären Bluthochdruck, der in schätzungsweise 80-90 % der Fälle vorliegt. „Primär“ bedeutet, dass für den Bluthochdruck keine Ursache erkennbar ist, während der „sekundäre“ Bluthochdruck als Folge einer bestimmten Erkrankung oder Ursache auftritt (also „sekundär“), wie z. B. bei Störungen der Nierendurchblutung, die den Blutdruck erhöhen können.

Bei solchen sekundären Bluthochdruck-Formen fehlt häufig die oben beschriebene nächtliche Blutdruckabsenkung, was in vielen Fällen unkompliziert mit einer 24-Stunden-Blutdruckmessung erkannt werden kann. Zur Frage, ob eine solche Blutdruck-Langzeitmessung zur Abklärung von Blutdruck-Schwankungen auch bei Ihnen sinnvoll ist, empfehle ich Ihnen, dies direkt mit Ihrem behandelnden Arzt zu besprechen, wobei eine solche Langzeitmessung bei Bluthochdruck in vielerlei Hinsicht sinnvoll ist, wie etwa zur Überprüfung, ob der Bluthochdruck optimal eingestellt ist oder die Medikamente ggf. angepasst werden sollten.

Sport kann Blutdruck senken

Zu Ihrer zweiten Frage: In der Tat gibt es einen Zusammenhang zwischen sportlicher Betätigung und Blutdruck. Während der sportlichen Aktivität steigt der Blutdruck normalerweise an. In der anschließenden Ruhephase sinkt der Blutdruck ab, oft liegt er dann sogar unterhalb der Werte vor Beginn der körperlichen Belastung. Diese Reaktion ist prinzipiell wünschenswert und stellt eine der Grundlagen der Hochdruckbehandlung dar.

Sinken die Blutdruckwerte allerdings zu stark, was z. B. an Symptomen wie Schwindel erkennbar sein kann oder dass einem schwarz vor Augen wird, kann die Ursache dafür an einer zu geringen Trinkmenge liegen. So sollten Sie am Tag mindestens 1,5 bis 2,0 l Flüssigkeit zu sich nehmen, wobei die empfohlene Trinkmenge auch von der Außentemperatur und dem Ausmaß der körperlichen Aktivität abhängt. Wenn Sie, wie von Ihnen angegeben 60 Minuten zügig gehen und davon 15 Minuten als Jogging, dann sollten Sie entsprechend mehr trinken.

•••

Sonderband-BluthochdruckTipp: Worauf Menschen mit erhöhtem Blutdruck unbedingt achten müssen, erläutert ausführlich der umfangreiche ➞ Herzstiftungs-Sonderband zum Thema Bluthochdruck (z. B. wie tief der Druck in welchem Alter gesenkt werden sollte, was man über die Nebenwirkungen von Blutdruck-Medikamenten wissen muss oder wie sich die Werte mit der Ernährung senken lassen).

Diese Sprechstunden-Frage hat beantwortet: Prof. Dr. med. Wolfgang Mäurer, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und ehemaliger Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Bayreuth. Zu den Schwer­punk­ten des Kardiologen zählt insbesondere die invasive und nichtinvasive Kardiologie.

(Redaktion: Dr. med. Karl Eberius)

Ihre Meinung

Fanden Sie die Informationen auf dieser Seite zum Thema „Blutdruck-Schwankungen im Tagesverlauf“ hilfreich?

Dürfen wir Ihren Kommentar mit Ihrem Namen und Wohnort auf den Internetseiten der Herzstiftung veröffentlichen?


Bislang 16 Kommentare zu dieser Sprechstunde

Ohne Namen (08.06.2017): Das deckt sich vollständig mit meinen Erfahrungen. Immer morgens vor der Einnahme der blutdrucksenkenden Medikamente (5 mg Ramipril, 2,5 mg Bisoprolol) ist mein Blutdruck über 140 bis ca. 150 / 80. Sportliche Aktivität (Tennis, Tischtennis, Schwimmen, Spaziergang, Fahrradfahren) senkt jedes Mal den Blutdruck, aber auch der Gang in die Sauna führt zu einer deutlichen Absenkung auf 120 / 65.

Elmar S. aus Arnstein (04.03.2017): Ich habe Ihre Kommentare zum Bluthochdruck gelesen. Doch habe ich das Problem, dass in der Nacht der Bluthochdruck sehr ansteigt und bei 200-110 mmgH liegt. Am Morgen fällt er wieder ab liegt dann bei 150-95 mmgH. Ich bin bei einem Kardiologen in Behandlung und wurde auch medikamentenmäßig eingestellt, jedoch nur mit einem Teilerfolg. Meine Frage lautet, was kann ich noch tun, um hier eine Blutdrucksenkung zu erreichen?

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da unsere Herzexperten an dieser Stelle keine Nachfragen beantworten können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung

Heidi W. aus Radolfzell (15.12.2016): Ich weiß als Hypertonieassistentin DHL darüber Bescheid. Umso unverständlicher ist mir, dass viele Ärzte den Pat. keine Anweisungen darüber geben, wann sinnvollerweise gemessen werden sollte. Eine Messung direkt nach dem Aufstehen sagt etwas darüber aus, ob die Medikation, z.B. vom Abend, ausreicht. Eine 24-Stdn.-Messung ist nötig, um zu sehen, ob eine Nachtabsenkung erfolgt. Viele Pat. messen einfach "irgendwann". Mehr Information von Seiten der behandelnden Ärzte wäre m.E. nötig.

K. aus Berlin (13.12.2016): Stimmt mit meinen Erfahrungen überein!

Monika M. aus Dorsten (05.12.2016): Bei mir ist es ähnlich. Sorge bereitet mir der niedrige Puls.

Heinrich J. aus Ober Mörlen (05.12.2016): Ich beobachte meinen Blutdruck mehrmals am Tag und habe jetzt die Zusammenhänge verstanden.

Heinz K. aus Stein (05.12.2016): Sehr geehrtes Expertenteam, stimmt es, wenn der obere Blutdruckwert etwas zu hoch ist, aber der untere Wert stimmt. Kann man den Gesamtwert dann akzeptieren? Mit den besten Grüßen, Heinz K.

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da unsere Herzexperten an dieser Stelle keine Nachfragen beantworten können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung

Annelise L. aus Berlin (05.12.2016): Sehr interessant und hilfreich! Es ist ja ein wichtiges Thema.

Walter B. aus Hard (04.12.2016): Hatte auch Bedenken wegen den Schwankungen und habe durch eine 24 Stunden Messung Klarheit erhalten: 125 - 70 - 70, lt. meinem Arzt sehr gut.

Georg Q. aus Dresden (03.12.2016): Meine Erfahrung sagt mir, wenn der Blutdruck durch Einnahme von Medikamenten zu tief gesenkt wird, zeigen sich oftmals Herzrhythmusstörungen bis hin zu Vorhofflimmern. Mein Blutdruck ist zurzeit ca. 150 zu 90. Ich bin 68 Jahre alt. Seit dieser Zeit (seit einem Jahr) zeigt das EKG keinerlei Auffälligkeiten mehr!!!

Rosmarie Z. aus Faßberg (03.12.2016): Auch mir geht es so, daß gelegentlich der Blutdruck abends nach dem Zubettgehen ansteigt. Manchmal ist es nur der systolische Druck - jedoch zeitweise, dass beide Werte mit erhöhter Pulsfrequenz ansteigen oder umgekehrt, der systolische Druck sinkt deutlich unter 60 Schläge/min. Da ich normalerweise keinen signifikanten Hypertonus habe und bei ausreichend körperlicher Bewegung sowieso nicht, nehme ich bei Erhöhung des systolischen Druckes über 140 mmHg 8 mg Candesartan und im Falle von systolisch über 140 mmHg und diastolisch bei 90 mmHg und Pulsfrequenz-Anstieg über 80/min. 1/2 bzw. 1x 5 mg Bisoprolol. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, daß ich Juli 2012 wegen heftigen VHF eine erfolgreiche PVI im HGZ Bad Bevensen hatte und daher durch Seminare und auch Infos von der Herzstiftung als Mitglied die wertvollen Infos bekommen habe. Allerdings wird auch über alle Messungen Buch geführt. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß ich massive Wirbelsäulenprobleme degenerativer Art als auch immer wieder neue BS-Vorfälle entstehen und zu starken Schmerzen führen, die wohl auch einiges triggern nach dann erforderlichen Medikamenten wie Diclac und Cortison i. m. oder Ibuprofen - da stellt sich oft eine gewisse Unruhe am Herzen ein.

Ohne Namen (03.12.2016): Kann ich bestätigen!!!

S. F. aus Hasbergen (02.12.2016): Für mich war hilfreich zu lesen, dass Sie eine Langzeitmessung für sinnvoll halten, ... ich war bisher nicht dieser Meinung. Danke.

H. W. aus Radolfzell (02.12.2016): Ich habe gelernt (als Hypertonieassistentin), dass der Blutdruck direkt nach dem Aufstehen gemessen werden sollte, also z. B. auch morgens um 6 Uhr.

Heinrich N. aus Dissen (02.12.2016): Meine Frau hat in den letzten Wochen eine sehr starke Schwankung des Blutdrucks von manchmal 95/45/73 bis 160/117/83.

D. aus Hamm (02.12.2016): Kann ich so auch bestätigen. Blutdruck liegt nach einer Stunde Joggen dann bei 93 zu 67. Allerdings trinke ich während des Joggens nichts.

Tipp

Nichts mehr verpassen

Herz-Infos

Wenn Sie WhatsApp auf Ihrem Handy nutzen, können Sie damit kostenfrei wichtige Tipps zu Herzkrankheiten erhalten. ➞ Einfach auf den Button klicken und unkompliziert anmelden:

➞ Auf WhatsApp verbinden

Aktuelle Mitglieder-Zahl

98.000

Die Herzstiftung wurde 1979 ge­grün­det und hat heute mehr als 98.000 Mitglieder (ein­schließ­lich 1.700 Eltern herz­kran­ker Kinder).
➞ Vorteile der Mitgliedschaft u. Online-Antrag
➞ 3.684 Meinungen zur Mitgliedschaft

Bluthochdruck

Tipp: Sonderband für Betroffene

Sonderband-Bluthochdruck

Was muss man über die Ne­ben­wir­kun­gen von Blutdruck-Medikamenten wissen? Welche Ernährung hilft bei einem Blut­hoch­druck? Das und vieles mehr beantwortet der Son­der­band, den die Herz­stiftung Men­schen mit einem zu hohen Blutdruck emp­fiehlt. Als Mitglied können Sie sich den Sonderband ➞ hier kostenlos bestellen.

Tipp für Herzpatienten

Exklusive Zeitschrift zu Herzerkrankungen

HERZ HEUTE

In HERZ HEUTE geben un­ab­hän­gi­ge Herz­ex­per­ten, die z. B. als Chef- oder Oberärzte an Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken tätig sind, wertvolle Rat­schlä­ge zu Herz­krank­hei­ten (wel­che neuen The­ra­pien tatsächlich zu em­pfeh­len sind oder wie Be­trof­fe­ne ihre Er­kran­kung selbst po­si­tiv be­ein­flus­sen können).
Mitglieder bekommen die ex­klu­si­ve Zeitschrift, die nur über die Herz­stif­tung und nicht am Kiosk erhältlich ist, kostenfrei 4x/Jahr im Abon­ne­ment nach Hause ge­lie­fert.
Weiter zum Archiv

Aus der Herzstiftungs-Sprechstunde

Natürliche Blutdrucksenkung: Aroniasaft empfehlenswert?

Empfehlung

Sonderband zu KHK
und Herzinfarkt

Abbildung KHK-Herzinfarkt-Sonderband

Dieser Sonderband ist allen Menschen mit einer KHK oder einem Herzinfarkt zu empfehlen. Aus­ge­wie­se­ne Herzspezialisten er­läu­tern darin aus­führ­lich die wichtigsten Therapien bei ei­ner koronaren Herzkrankheit und nach einem Herzinfarkt. Mitglieder können den Son­der­band hier kostenlos bestellen.

Empfehlung

Herzschwäche-Sonderband

Abbildung Herzschwäche-Sonderband

Allen Menschen mit einer Herz­schwäche empfiehlt die Herz­stif­tung den Sonderband „Das schwa­che Herz”, in dem aus­ge­wie­sene Herzspezialisten ausführlich die wichtigsten Therapien bei einer Herz­schwä­che erläutern. Für wei­tere Infos zu dem 160-seitigen Son­der­band bitte » hier klicken.

Tipp

Sonderdruck „Stress“

Sonderdruck Stress

Schützen Sie Ihr Herz und la­den Sie sich als Mit­glied auch folgende Herzstiftungs-Experten­schriften zum Thema Stress he­runter:

  • Sonderdruck Stress (inkl. prak­ti­schen Bei­spie­len und Zu­satz­er­läu­te­rungen, wie man sein Herz im Alltag vor Stress schützen kann)
  • Wie Stress den Blutdruck erhöht (mit wei­te­ren in­te­res­san­ten Tipps, um ge­fähr­li­chem Stress zu ent­kom­men)

Tipp: Wenn Sie noch kein Mit­glied sind, können Sie dies hier un­kom­pli­ziert nachholen und damit gleich die Ge­bühr für den Son­der­druck spa­ren. Alle Infos zur Mitgliedschaft

Aktuelle Medizin-Beiträge

Herzrhythmusstörungen

Wichtige Infos für Betroffene

Herzrhythmusstörungen

Worauf kommt es bei welcher Herzrhythmusstörung an? Diese und viele weitere Fragen beantwortet ausführlich der 144-seitige Sonderband, den die Herzstiftung allen Menschen mit Rhythmusstörungen emp­fiehlt. Als Mitglied können Sie sich den Band ➞ hier kostenfrei herunterladen.