September 2003

In die falsche Richtung

Deutsche Herzstiftung protestiert gegen verfehlte Anti-Rauch-Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

(Frankfurt am Main, 17. September 2003) Die Deutsche Herzstiftung fordert den Stopp einer aktuellen Anti-Rauch-Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Anzeigen-Serie besteht aus mehreren Motiven, die Jugendliche nach Expertenmeinung nicht vom Rauchen abhalten, sondern eher zu der Sucht verführen.

Auf den ganzseitigen Anzeigen, mit denen derzeit in Jugendzeitschriften wie „Bravo“ oder „Popcorn“ geworben wird, sind junge, attraktive Menschen beim Rauchen abgebildet. Ein Motiv zeigt zum Beispiel einen schlanken Jugendlichen in locker getragener Jeans und mit geöffnetem Hemd. Lässig hält er eine Zigarette zwischen den Fingern. Darüber steht in roter Signalfarbe: „Rauchen macht schlank“. Bei genauerem Hinsehen fällt in deutlich kleinerer Schrift eine negative Ergänzung auf: „Stimmt: Vor allem deinen Geldbeutel.“ Auch die anderen Anzeigen folgen diesem Muster. „Rauchen macht erwachsen“ heißt ein weiterer Slogan. Der Zusatz in kleinerer Schrift „Stimmt: Haut, Hirngefäße und Schlagadern altern schneller.“ Oder: „Rauchen beruhigt“ und „Stimmt: Jeder 2. Raucher braucht sich nicht um sein Alter zu sorgen: Er stirbt vorher.“

Diese Art der Werbung ist nach Meinung zahlreicher Experten jedoch irreführend. „Es ist offensichtlich, dass die positiven Aussagen der Anzeigen die klein gedruckten Negativ-Botschaften in den Hintergrund drängen und die Kampagne daher kaum vom Rauchen abhält, sondern eher zu der todbringenden Sucht verleitet“, kritisiert der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Professor Dr. med. Hans-Jürgen Becker, der die Anzeigen für untragbar hält und den Stopp der Kampagne fordert. Dabei erinnert er daran, dass Raucher nicht nur mit Krebserkrankungen rechnen müssen. Nach einer aktuellen Studie* stehen bei den Todesfällen, die auf das Rauchen zurückzuführen sind, die Herz-Kreislauferkrankungen auf Platz eins vor allen Krebserkrankungen.
„Allein in Deutschland treten jedes Jahr über 270.000 Herzinfarkte auf, von denen ein erheblicher Prozentsatz mit dem Verzicht auf Zigaretten vermieden werden könnte“, betont Prof. Becker.

Zuvor hatte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wegen der Kampagne bereits heftige Kritik einstecken müssen. Der Sprecher des Aktionsbündnisses Nichtrauchen Professor Dr. med. Friedrich Wiebel bezeichnete die Kampagne als perfekte Verführung zum Rauchen. „Der kleine Schuss Gegenwarnung macht das Rauchen erst richtig attraktiv.“ Auch aus dem Ausland kam massive Kritik. Der Präsident der American Cancer Society Dr. John R. Seffrin forderte den sofortigen Stopp der Kampagne. „Die Serie dieser Anzeigen glamourisiert das Rauchen, statt es für Jugendliche weniger attraktiv zu machen.“

*Ezzati M, Lopez AD, Lancet 2003; 362: 847-52

17/2003

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
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