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Aus der Sprechstunde der Deutschen Herzstiftung

„Medikamente lieber morgens oder abends einnehmen?“

Bislang 30 Kommentare zu diesem Beitrag (Stand: Mittwoch, 16.05.2012)

Medikamente morgens oder abends einnehmen?

Sollte man seine Medikamente lieber morgens oder abends einnehmen? Zu diesem Thema ging eine interessante Frage in der Sprechstunde der Herzstiftung ein. Die Antwort, die wir auch in HERZ HEUTE 1/2011 abgedruckt haben, gibt Prof. Dr. med. Rüdiger Hopf vom Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung.

Die Frage: „Meine Frau ist in einem Seniorenheim gut untergebracht mit folgender Diagnose: 85 Jahre alt, dekompensierte Herzinsuffizienz, dilatative Kardiomyopathie, implantierter Schrittmacher, Diabetes mellitus, latente Hyperthyreose, chronische Niereninsuffizienz Stadium III, OSAS, Demenz, Marcumartherapie, Auswurffraktion unter 20 %, Dauerkatheter seit Dezember 2009, zeitweise Harnwegsinfektion, Antibiotikabehandlung. Derzeitige Medikation morgens: Torasemid, Glimepirid, Amiodaron, Spironolacton, Carbimazol, Xipamid, Valsartan. Morgens und abends: Carvedilol. Abends: Marcumar.

Warum werden derartig viele Medikamente nur morgens gegeben? Würden die Medikamente nicht besser wirken, wenn man sie etwas differenzierter zuführen würde? Was ist Ihre Ansicht zu dieser millionenfach existierenden Routine, die vielleicht geändert werden sollte?″
Claudius W., Dülmen

Die Experten-Antwort:

Sie fragen, ob es nötig/sinnvoll sei, dass Ihre Frau den Großteil der verordneten Medikamente morgens einnehmen soll. Die Einnahmezeitpunkte der Medikamente richten sich unter anderem nach folgenden Überlegungen (in Klammern die bei Ihrer Frau zutreffenden Präparate):

1. Ist ein Medikament 24 Stunden lang wirksam, wird es meist morgens gegeben, weil am Tag die maximale und nachts eine sich langsam abschwächende Wirkung erwünscht ist (z. B. Valsartan).

2. Kürzer wirksame Medikamente müssen hingegen zwei oder sogar mehrmals täglich verabfolgt werden (Carvedilol).

3. Hat ein Medikament eine harntreibende Wirkung, sollte sich dies möglichst tagsüber und nicht nachts auswirken (Torasemid, Spironolacton, Xipamid). Das Präparat wird also morgens gegeben.

4. Blutzuckersenkende Medikamente werden wegen der Mahlzeiten tagsüber benötigt (Glimepirid) und damit ebenfalls morgens gegeben.

5. Andere Medikamente werden der Stoffwechselsituation angepasst gegeben, z. B. Cholesterinsenker abends, weil der Körper insbesondere nachts Cholesterin bildet.

Insofern könnten bei Ihrer Frau neben Marcumar lediglich noch Amiodaron und Carbimazol abends verabfolgt werden, weil die beiden letztgenannten Präparate eine sehr lang anhaltende Wirkung haben.

Professor Dr. med. Rüdiger Hopf

Autor: Prof. Dr. med. Rüdiger Hopf ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Zu den klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkten des Herzspezialisten zählen u. a. auch die Bereiche Sport- und Schlafmedizin.

(Redaktion: ebe)

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Bislang 30 Kommentare zu diesem Beitrag

O. aus Hamm (23.04.2012): Nehme Marcumar und Blutfettsenker. Beide Medikamente nehme ich morgens zum Frühstück. Abends habe ich die Einnahme öfter vergessen - abgelenkt durch z. B. Veranstaltungen.

Walter Urbscheit aus Münster (21.04.2012): Ja, weil ich dadurch eine - mir noch nicht bekannte - Info mehr habe.

Karin Bröker-Stadge aus Goedereede, Niederlande (21.04.2012): Weil meistens nicht mitgeteilt wird, wann das Medikament am besten eingenommen wird.

Werner Hattemer aus Kassel (21.04.2012): Ich finde die neue Meinungsbildung in schriftlicher Form sehr gut und sollte fortgesetzt werden. Vielen Dank

Filsmaier aus Senftenberg (Österreich) (14.04.2012): Eine sehr konkrete Antwort des Hr. Prof. und leicht verständlich.

Sandra aus Neuendorf (12.03.2012): Ich nehme seit einiger Zeit ein Herzschlag verlangsamendes Medikament, um eine Stabilität des Herzschlages zu bekommen und ich nehme die Medikation morgens ein. Aber das müsste jeder für sich entscheiden, oder nach Anweisung des Arztes. Generell denke ich, dass es besser ist, Medikamente morgens zu nehmen.

Anonym aus Bad Freienwalde (09.02.2012): Ein Zusatz zu diesem Thema, konkret zum Carvedilol und zum Torasemid. Carvedilol sollte ich morgens einnehmen. Habe ich nicht vertragen (Schwindel, starke RR-Senkung). Ich habe es dann nachmittags noch einmal versucht (Ca. 15.00 Uhr) und - keine Probleme. Kein Schwindel, normaler RR. Nach einem Vorderwandinfarkt habe ich vier Stents eingesetzt bekommen. Diabetes II habe ich auch noch. Zum Torasemid: Habe es immer abends eingenommen, mußte dann nachts 3 bis 4 mal Wasser lassen. Das ist sicherlich hinderlich. Nur, wenn ich es früh einnehme, dann muß ich immer darauf achten, dass eine Toilette in der Nähe ist. Für mich ergibt sich nun ein Dilemma. Ist es von großem Nachteil, wenn man das Torasemid nachmittags oder abends nimmt?

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da Nachfragen an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht beantwortet werden können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihr Mitarbeiter-Team der Deutschen Herzstiftung

Renate Körner aus Hamburg (04.02.2012): Ich habe mir diese Frage auch schon gestellt. Danke!!

Karl Vaith aus Friedberg (08.01.2012): Z. B. bei Hypertonie sind die evtl. auftretenden morgendlichen Blutdruckspitzen nicht zu vernachlässigen. Gerade bei ß-Blocker u. weiteren Antihypertensiva ist zu eruieren, ob die Hälfte der Dosis nicht abends genommen werden soll, um diesen morgendlichen Blutdruckspitzen entgegenzuwirken. Am besten eine 24-Std.-Blutdruckmessung durchführen, um festzustellen, ob die Gabe am Abend notwendig ist.

Herbert B. aus Ratingen (25.11.2011): Eine spanische Studie hat gezeigt, dass Personen, die abends ihre Medikamente eingenommen hatten, sich wohler fühlten und nicht so sehr unter Nebenwirkungen litten. Auch war die Todesrate geringer. Seitdem ich ebenfalls meine Tabletten Aspirin, Atacand, Nebilet, Procoralon und Simvastatin nur noch abends einnehme, kann ich besser schlafen und fühle mich tagsüber fitter. Sporttreiben fällt mir auch leichter. Meine Blutdruck ist morgens anstatt 135/88/90 120/68/62. Was will ich mehr?

Kavai aus Friedberg (24.11.2011): Aktion bei morgendlichen Blutdruckspitzen! Da erhöhte Blutdruckwerte meist tagsüber vorhanden sind, abends und nachts wird der Blutdruck oft reduziert bis in den Normbereich, (lt. Schema DVD der DH) sollte hier ja kein Langzeitmedikament (z. B. 24 Std.) gegeben werden. Was wird empfohlen, wenn der Patient morgendliche Blutdruckspitzen aufweist?

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da Nachfragen an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht beantwortet werden können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihr Mitarbeiter-Team der Deutschen Herzstiftung

Erika G. aus Aschaffenburg (16.11.2011): Ich nehme meine Medikamente so, wie ich es von der Uni-Klinik in Frankfurt verordnet bekam (Medikamentenplan). Da wird man wohl wissen, warum man es so nehmen sollte.

Rainer W. aus Bad Kissingen (15.11.2011): Ich nehme die Medikamente über den Tag verteilt ein, nachdem so die günstigsten Blutdruckwerte eingependelt wurden.

J. K. aus Berlin (09.11.2011): Meine Medikamente: Morgens: Allopurinol 100, Amlodipin 10 mg, Bisoprolol 5 mg, Ramipril 10 mg, Torasemid 5 mg, Herz ASS100, Tamsulosin 0,4 mg. Abends: Simvastatin 20 mg und Mirtazapin 15 mg. Meine Frage: Ist das korrekt? Ich habe 100 % Vertrauen zum meinem Arzt, aber jeder kann Fehler machen.

Hinweis der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zur eigenen Herzerkrankung können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da Antworten an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht möglich sind.

Hans Wolski (01.11.2011): Es wäre nützlich, wenn für andere gängige Medikamente, wie z. B. Blutdrucksenker Empfehlungen gegeben werden könnten.

Karl-Ernst K. aus Niedenstein (12.09.2011): Hallo, ich nehme wegen 9-jährigem rechtsseitigen Arterienverschluss (5 erfolglose Katheter-Versuche mit Cross-X Draht Amb. Herzzentrum Kassel. Seitdem werde ich nur noch "verwaltet", das heißt, Fitness-Untersuchungen). ASS Protect 100 mittags nach dem Essen.
Entsetzt bin ich über das Bild des Sportlers, dem man den Brustkorb aufgesägt hat. Auch bin ich erstaunt, dass das HKZ Rotenburg eine angebl. sinnlose linke Aorta nach rechts versetzen will. Wer hat denn Erfahrung über Aortenöffnung mittels Laser (Jüdisches Krankenhaus Berlin oder Razorblade-Angiographie (Rotes Kreutz Berlin)? Und wo wird diese Methode noch angewendet? Thema: Medikamente sollen wegen Magenunverträglichkeit immer erst nach den Mahlzeiten eingenommen werden. MfG

I. D. aus D. (16.06.2011): Sehr hilfreich und einsichtig. Ein Kurarzt empfahl mir Torasemid und Inspra mittags zu nehmen, ich nehme sie weiterhin morgens! Mein Hausarzt nimmt Ezetrol im Laufe des Tages - ich abends. Danke für meine Einnahmebestätigung.

PL aus Mainz (13.06.2011): Das ist eine wirklich hilfreiche Stellungnahme zu diesem sehr oft gefragten und selten qualifiziert beantworteten Thema. Danke an Prof. Hopf!

Horst M. B. aus Bergisch Gladbach (07.06.2011): ...aber für meinen Bedarfsfall nur teilweise, da ich nach einem Herzinfarkt Medikamente wie folgt einnehme bzw. einnehmen soll. Als zusätzliche Indikation kommt Hypertonie infrage, gegen die ich gut eingestellt bin.

1) Morgens vor dem Frühstück: Je eine Tablette
- HCT-25
- L-Thyroxin 75
- Micardi8s 80
- Norvasc 5 mg

2) Morgens unmittelbar nach dem Frühstück:
- Clopidogrel AL 75

3) Abends nach dem Essen:
- ASS 100
- Atorvastatin Sortis 20.

Bemerkung:
Bei meinem Gewicht von 90 kg und einer Größe von 176 cm bei einem Alter von nun 76 Jahren verordneten mir indische Kardiologen eine zusätzliche Tablette Clopidogrel zur abendlichen Einnahme; dies sei zur beschleunigten Auflösung von Stenosen-bildenden Restablagerungen sehr notwendig. Deutsche Ärzte dagegen sagen, dies sei völlig überflüssig. Ob es wohl am Geld liegt? Denn: Clopidogrel ist sehr teuer, die Kosten hierfür würden aber v. meiner Kasse (privat) übernommen. Ich wäre dankbar für eine Studien-belegte verbindliche Aussage.

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da Nachfragen an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht beantwortet werden können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihr Mitarbeiter-Team der Deutschen Herzstiftung

V. aus Friedberg (04.06.2011): Nehme Marcumar auch abends vor dem Schlafengehen ein. Die Kontraindikationen bestimmter Präparate (vor allem wenn viele Medikamente wie in diesem Fall gegeben werden), muß der Therapeut vorher berücksichtigen und abklären.
Gerade Amiodaron könnte starke NW in der Langzeitmedikation aufweisen und Probleme (Leber) verursachen. Die Wirkungsverstärkung oder die Wirkungsabschwächung bei bestimmten Substanzen (z.B. Digitalis) ist nicht zu vernachlässigen.
Bei den Marcumar Werten sollten nur noch die INR-Werte gemessen werden, da ein genaues Management betrieben werden kann. Die Quick-Tests sind unterschiedlich einzustufen, so daß unterschiedliche Werte festgestellt werden. Der internationale Wert ist der INR-Wert!

Maximilian Heilmeier aus München (24.05.2011): Die Empfehlungen von Prof. Dr. Hopf sind allgemeinverständlich formuliert und nicht nur deshalb überzeugend. Ich habe zwar schon einiges gewußt, aber die ebenso fachgerechten wie verständlichen Begründungen haben auch für mich zusätzlichen, wichtigen Informationswert.

Bernd N. (21.05.2011): Die Mitgliedschaft in der Deutschen Herzstiftung ist ganz einfach Gold wert. Auch hier wieder eine kompetente und auch für den Laien gut verständliche Antwort.

S. Frühauf aus Lindlar (10.05.2011): Prima!! Das war eine sehr gute und informative Antwort, die wirklich jeder verstehen kann, auch Laien! Warum kann das nicht immer so sein? Habe z. Zt. beide Elternteile im Krankenhaus liegen u. erlebe dort tagtäglich, wie schwer sich die Ärzte mit Antworten tun.

Reinhard S. aus Uelzen (06.05.2011): Endlich einmal klare, verständliche Worte! Warum schafft das kein Hausarzt oder Apotheker? Verständliche Aussagen würden dem Patienten bzw. Bedürftigen viele Bedenken zu Nebenwirkungen ausräumen. Glücklicherweise bin ich bis heute nach meinen beiden Herzinfarkten zum Jahreswechsel vor solchen verschont geblieben.

Heinz V. aus Lahr/Schwarzwald (06.05.2011): Als ich mein stressiges Berufsleben beendete, stellte sich sehr bald Diabetes ein. Mein Hausarzt verordnete mir täglich eine halbe Tablette Euglucon - morgens einzunehmen. Nachdem sich keine Besserung ergab, erhielt ich von meinem Heilpraktiker den Rat, die Einnahme auf abends vor dem Schlafengehen zu verschieben. Innerhalb kurzer Zeit sank mein Langzeit-Zuckerwert von 8,7 auf 5,4 und ich konnte darauf die Medikamenteneinnahme erfolgreich beenden.

Josef B. aus Ergolding (05.05.2011): Ich muß auch Medikamente abends nehmen und wußte auch nicht warum.

Pillendreher aus Friedberg (05.05.2011): Jedes Medikament, das wirkt, hat auch diverse Nebenwirkungen, darum sollte man wie mitgeteilt, die Halbwertszeiten berücksichtigen. Herzlichen Dank Herr Prof. Hopf, dass sie dieses Thema auch für Laien aufbereitet haben.

Opi-Werner aus Delmenhorst (05.05.2011): Durch den Medikamententausch mit meinem Arzt, kann ich jetzt nachts besser und vor allen Dingen durchschlafen, ohne dass es sich am Tag negativ ausgewirkt hat.

Michael H. aus Berlin (05.05.2011): Meine Medikamente sind über den Tag gut verteilt und gut eingestellt, wie vom Professor beschrieben.

Susanne H. aus Breddorf (05.05.2011): Ich fand das Thema sehr interessant, weil ich trotz meinen jungen Alters vor 3 Wochen dringend einen Herzschrittmacher bekommen habe. Ich nehme allerdings Belok-Zok 95 mg und Ramipril 2,5 mg morgens und abends.

 
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