Haben Sie eine Herzschwäche und leiden deshalb z. B. beim Treppensteigen schnell unter Atemnot? Dann haben Sie früher von Ärzten wahrscheinlich oft zu hören bekommen, dass Sie sich möglichst wenig anstrengen sollen. Heute weiß man allerdings, dass eine generelle Schonung bei Herzschwäche nicht zu empfehlen ist. Umfangreiche Studien zeigen, dass Betroffene mit Sport bzw. mit einem durchdachten Ausdauertraining seltener ins Krankenhaus müssen und ein deutlich geringeres Risiko haben vorzeitig zu sterben. Experten der Deutschen Herzstiftung erläutern, wie man ein solches Training beginnt und was dabei zu beachten ist.
„Schonen Sie sich und meiden Sie Sport” lautete lange Zeit die Empfehlung für Menschen mit einer Herzinsuffizienz (= Herzschwäche). Je fortgeschrittener die Herzinsuffizienz war, umso mehr Ruhepausen sollten Betroffene über den Tag einlegen und in Extremfällen lautete die Empfehlung sogar, sich nur noch zwischen Bett und Stuhl zu bewegen.
Dank der medizinischen Forschung weiß man heute allerdings, dass Schonung bei Herzschwäche ein Irrweg war. Studien zu körperlichem Training zeigen, dass Sport die Leistungsfähigkeit bei einer Herzschwäche je nach Trainingsumfang um 10-25 % verbessern kann. Außerdem lässt sich die Sterblichkeit um über 30 % verringern und Krankenhausaufenthalte aufgrund der Herzinsuffizienz um 28 % senken.
Wer bei einer Herzschwäche mit Sport beginnen möchte, z. B. um sein Risiko für Krankenhausaufenthalte zu senken, muss ein paar wichtige Punkte beachten. Als erstes sollte man sich einen Termin in der kardiologischen Sprechstunde geben lassen. Dort sollte überprüft werden, ob die aktuelle medikamentöse Behandlung tatsächlich optimal auf die jeweilige Herzinsuffizienz abgestimmt ist. Außerdem ist ein Belastungstest erforderlich (Ergometrie oder Spiroergometrie), um die momentane Belastbarkeit zu überprüfen und den maximalen Puls unter körperlicher Anstrengung zu bestimmen ( = maximale Herzfrequenz), was später für die Wahl der Trainingsintensität im Sport wichtig ist.
Wichtig ist, dass man mit den Werten des Belastungstests nicht einfach ins nächstbeste Fitnesszentrum geht und mit dem Sport loslegt. „Bei einer chronischen Herzinsuffizienz empfiehlt es sich, die ersten Einheiten stationär unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen”, betont Privatdozent Dr. med. Stephan Gielen, der an der Klinik für Kardiologie des Herzzentrums Leipzig als Oberarzt tätig ist und zusammen mit seinem Kollegen Dr. med. Marcus Sandri einen umfangreichen Expertenbeitrag in der Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung HERZ HEUTE zum Thema Herzinsuffizienz und Sport verfasst hat. „Empfehlenswert ist vielmehr ein erfahrenes Herzzentrum oder eine Rehaklinik, wo Sport für Menschen mit einer Herzinsuffizienz angeboten wird. Adressen von entsprechenden Einrichtungen sind in den meisten kardiologischen Praxen zu bekommen.” Für das weitere Training bieten sich dann Herzsportgruppen an, die hierzulande weit verbreitet sind und in vielen Fällen ein maßgeschneidertes Übungsprogramm unter Anwesenheit eines Arztes ermöglichen.
Bei Herzschwäche ist vor allem Sport zu empfehlen, bei dem kein großer Kraftaufwand erforderlich ist. Ideal sind je nach Intensität z. B. Spazieren gehen, längeres Wandern, Nordic-Walking, Radfahren und bei gut trainierten Patienten auch Skilanglauf und entsprechend anderer Sport.
Eher meiden sollte man bei einer Herzinsuffizienz dagegen Sport, der hohe muskuläre Belastungen erfordert, wie es etwa bei Liegestützen oder beim Training mit schweren Hanteln häufig vorkommt. Denn bei einem solchen Training erfolgt oft eine Pressatmung, die aufgrund des Druckanstiegs im Brustkorb zu einer akuten Verschlechterung der Pumpleistung des Herzens führen kann.
Wichtig: Der Sport sollte unbedingt abgebrochen werden, wenn es während des Trainings zu Symptomen wie Herzrhythmusstörungen, Schwindel oder starker Atemnot kommt. In solchen Fällen muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden (sofern beim Sport nicht sowieso anwesend).
Eine Bewegungstherapie ist grundsätzlich für alle Patienten mit einer Herzschwäche der NYHA-Stadien I-III möglich (siehe Kasten). Diese Empfehlung gilt heute auch für Betroffene, deren körperliche Belastbarkeit so weit eingeschränkt ist, dass bereits geringe Anstrengungen zu Atemnot oder Schwächegefühl führen z. B. bei normaler Hausarbeit, beim täglichen Anziehen oder beim Treppensteigen über eine Etage. Zwar waren Ärzte bei diesen Patienten bis vor kurzem noch sehr zurückhaltend mit Sportempfehlungen, jedoch konnten Wissenschaftler in den letzten Jahren zeigen, dass auch bei diesem Schweregrad der Herzinsuffizienz bei engmaschiger ärztlicher Überwachung ein Trainingsprogramm mit kurzen Belastungsphasen und langen Erholungsphasen durchführbar ist und zu einer deutlichen Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit führt.
Anders sieht es dagegen bei einer Herzschwäche im NYHA-Stadium IV aus, also wenn Atemnot bereits in Ruhe auftritt oder wenn in den Beinen Wassereinlagerung (Ödeme) vorhanden sind. In diesen Fällen ist zunächst eine Stabilisierung mit Medikamenten erforderlich (mindestens vier Wochen vor Beginn des Trainingsprogramms sollte eine stabile Situation mit optimierter medikamentöser Therapie bestehen).
Fachbegriff: Herzinsuffizienz
Häufigkeit: rund 1,4 Millionen Betroffene in Deutschland.
Formen: z. B. diastolische Herzinsuffizienz, systolische Herzinsuffizienz.
Symptome je nach Schweregrad: Atemnot beim Treppensteigen, Ödeme (Wassereinlagerungen) in der Lunge/den Beinen, vermehrtes nächtliches Wasserlassen, Oberkörper-Hochlagerung beim Schlafen zum besseren Atmen, reduzierte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Herzrhythmusstörungen.
Ursachen: z. B. koronare Herzkrankheit/Herzinfarkt, Bluthochdruck, Herzklappen-erkrankungen, Herzmuskel-entzündungen, angeborene Herzfehler, Alkoholabusus, Herzrhythmusstörungen.
Therapie: Medikamente, Rhythmologische Therapien, gezieltes Bewegungstraining.
Weitere Erläuterungen, finden Sie hier in unserem
Online-Lexikon.
Stadium I
Herzschwäche, bei der körperliche Belastungen des Alltags keine unangemessene Erschöpfung, Atemnot oder Rhythmusstörungen verursachen.
Stadium II
Alltägliche körperliche Belastungen wie z. B. Treppensteigen führen über das normale Maß hinaus zu Erschöpfung, Atemnot oder Herzrhythmusstörungen.
Stadium III
Bereits geringe körperliche Belastungen verursachen Atemnot, Erschöpfung oder Rhythmusstörungen. Keine Beschwerden in Ruhe.
Stadium IV
Herzschwäche mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe. Bettlägerigkeit.
*nach New York Heart Association (NYHA)
Wenn Sie wissen wollen, wie ein Training für Menschen mit Herzinsuffizienz genau aufgebaut sein sollte und welche Herzfrequenzen für das Training ideal sind, möchten wir Sie auf unsere Zeitschrift HERZ HEUTE hinweisen, in der dazu ein umfangreicher Expertenbeitrag für Betroffene erschienen ist. Als Mitglied können Sie sich den Artikel hier
kostenlos herunterladen.
Wenn Sie noch kein Mitglied sind, können Sie dies hier unkompliziert nachholen oder sich den Artikel per Post gegen Beilage der Versandkosten schicken lassen. (Adresse: Deutsche Herzstiftung e. V., Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main, bitte 1,45 Euro in Briefmarken für Porto und Versand beilegen).
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie dies in Ihrem Begrüßungsschreiben nachlesen, das Sie am Anfang Ihrer Mitgliedschaft erhalten haben. Falls Sie Ihr Begrüßungsschreiben nicht mehr zur Hand haben, können Sie als Mitglied das Passwort entweder telefonisch (069 955128-0) oder hier per E-Mail erfragen.


Die Autoren des Expertenbeitrages in HERZ HEUTE sind Privatdozent Dr. med. Stephan Gielen (li.) und Dr. med. Marcus Sandri (re.) von der Klinik für Kardiologie des Herzzentrums Leipzig.