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Für wen kommt die Behandlung in Frage?

Herzschwäche mit Resynchronisationstherapie verbessern

Bislang 19 Kommentare zu diesem Beitrag (Stand: Mittwoch, 16.05.2012)

Resynchronisationstherapie bei Herzschwäche

Herzschrittmacher werden klassischerweise bei einem zu langsamen Puls oder anderen Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Wussten Sie, dass sich mit einem Herzschrittmacher in vielen Fällen aber auch eine Herzschwäche verbessern lässt? Warum das so ist und für wen diese als Resynchronisationstherapie bezeichnete Behandlung in Frage kommt, erläutert Prof. Dr. med. Christoph Stellbrink vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Auf den ersten Blick mag es vielleicht überraschend erscheinen, dass bei einer Herzschwäche ein Herzschrittmacher zu deutlichen Verbesserungen führen kann. Doch bei einer Herzschwäche liegt häufig nicht nur eine Schwächung des Herzmuskels vor, sondern in vielen Fällen führt die Erkrankung auch zu einer erheblichen Störung der elektrischen Erregungsausbreitung im Herzen. Die verschiedenen Abschnitte der Herzkammerwand ziehen sich dann nicht mehr gleichzeitig zusammen, sondern zeitversetzt, wodurch die Pumpkraft des Herzens deutlich abnehmen kann.

In solchen Fällen kann eine Resynchronisationstherapie sinnvoll sein, die mit einem speziellen Herzschrittmacher dafür sorgt, dass sich die Herzkammerwände wieder synchron zueinander bewegen, sich also wie bei herzgesunden Menschen gleichzeitig zusammenziehen, was die Pumpkraft des Herzens spürbar erhöhen kann.

An welcher Stelle im Körper wird der Schrittmacher eingesetzt?

Das Schrittmacher-Aggregat, das etwa die Größe einer Taschenuhr hat, wird bei einer Resynchronisationstherapie in den meisten Fällen etwas unterhalb des linken oder rechten Schlüsselbeins eingesetzt, entweder direkt unter die Haut, sodass die Geräteform von außen deutlich tastbar ist, oder etwas tiefer unter den Brustmuskel.

Die Verbindung zum Herzen erfolgt über drei dünne Elektroden (bei herkömmlichen Schrittmachern zur Behandlung eines zu langsamen Pulses oder anderen Herzrhythmusstörungen kommen nur zwei Elektroden zum Einsatz). Die zusätzliche, dritte Elektrode sorgt dabei für die gezielte Aktivierung der linken Herzkammer, sodass sich die dortigen Herzmuskelabschnitte nicht mehr in unerwünschter Weise zeitversetzt zusammenziehen.

Für wen kommt die Resynchronisationstherapie in Frage?

Da die Resynchronisationstherapie nicht bei jeder Art von Herzschwäche hilft und das Verfahren auch Nebenwirkungen verursachen kann, sollte die Resynchronisationstherapie nur eingesetzt werden, wenn die Erfolgsaussichten für dieses vergleichsweise neue Therapieverfahren ausreichend hoch sind. Wichtige Voraussetzungen* sind z. B.:

*entsprechend den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie

Im EKG sollte eine entsprechende Störung der elektrischen Erregungsweiterleitung nachweisbar sein. » Mehr Infos…

QRS-Komplex

Ärzte schauen sich dafür den so genannten QRS-Komplex an, bei dem es sich um bestimmte EKG-Ausschläge während der Aktivierung der Herzkammern handelt. Bei herzgesunden Menschen dauert dieser QRS-Komplex normalerweise nicht länger als 120 Millisekunden. Höhere Werte können dagegen auf eine verlangsamte bzw. gestörte Erregungsausbreitung hindeuten, die sich dann je nach weiterer Befunde mit einer Resynchronisationstherapie behandeln lassen. Ob die Resynchronisationstherapie in manchen Fällen auch bereits bei Werten unter 120 ms empfehlenswert ist, lässt sich noch nicht abschließend sagen.

Die Herzultraschalluntersuchung (= Echokardiographie) sollte eine Erweiterung und mangelnde Pumpfunktion der linken Herzkammer ergeben. » Mehr Infos…

Gefordert wird dabei, dass die so genannte linksventrikuläre Ejektionsfraktion nur noch 35 % oder weniger beträgt. Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion ist dabei das Maß, wie viel Prozent des Blutes der vollgefüllten linken Herzkammer bei einer einzelnen Pumpaktion tatsächlich in die Hauptschlagader gepumpt wird (Normalwerte: 50-70 %).

Nur bei ausgeprägter Herzschwäche
» Mehr Infos…

Die Resynchronisationstherapie wird nur empfohlen, wenn eine Herzschwäche trotz optimaler Behandlung mit Medikamenten bereits bei geringen körperlichen Belastungen oder sogar in Ruhe zu Atemnot, Erschöpfung oder Herzrhythmusstörungen führt (entspricht den vielerorts verwendeten Herzschwäche-Stadien NYHA III und IV, siehe Herzstiftungs-Beitrag zur Herzinsuffizienz).

Hinweis: Aktuellere Untersuchungen deuten auf einen Nutzen der Resynchronisationstherapie bereits in leichteren Fällen einer Herzschwäche hin, wenn eine besonders starke Verbreiterung des QRS-Komplex (mehr als 150 ms) und ein so genannter Linksschenkelblock vorliegt. Aus diesem Grund kommt die Resynchronisationstherapie heute teilweise auch schon in milderen Fällen einer Herzschwäche zum Einsatz.

Darüber hinaus kann die Resynchronisationstherapie bei einer Herzschwäche noch in weiteren Fällen sinnvoll sein. Detaillierte Informationen dazu finden Sie als Mitglied im Kapitel zur Resynchronisationstherapie des Herzstiftungs-Sonderbands „Das schwache Herz”.

Hinweis: Da eine Herzschwäche das Risiko für einen plötzlichen Herztod durch Herzrhythmusstörungen erhöhen kann, werden bei einer Resynchronisationstherapie häufig Herzschrittmacher eingesetzt, die zusätzlich eine automatische Defibrillationsfunktion eingebaut haben und so vor einem plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern schützen können.

Welche Erfolge sind von einer Resynchronisationstherapie zu erwarten?

Mit der Resynchronisationstherapie sind oft eindrückliche Verbesserungen möglich. Viele Menschen, die wegen einer Herzschwäche z. B. keine Treppe mehr ohne Atemnot hochgehen können, haben mit diesen körperlichen Belastungen nach dem Beginn der Resynchronisationstherapie keine größeren Probleme mehr. Oder anders ausgedrückt entspricht dies der Verbesserung um ein NYHA-Stadium.

Welche Nebenwirkungen kann eine Resynchronisationstherapie haben?

Die möglichen Komplikationen einer Resynchronisationstherapie ähneln sehr den Komplikationen, wie sie auch bei anderen Herzschrittmacher-Implantationen auftreten können (siehe Herzstiftungs-Expertenbeitrag zur Herzschrittmacher-Implantation. Hinzu kommt eine etwas höhere Quote an Sondenproblemen, da das Einpflanzen der zusätzlichen, dritten Sonde je nach anatomischen Verhältnissen vergleichsweise anspruchsvoll sein kann.

Wird die dritte Sonde z. B. zu nah am Zwerchfellnerv platziert, ist ein Zucken des Zwerchfells möglich, was sich ähnlich wie ein Schluckauf bemerkbar machen kann. Zwar lässt sich dies in der Regel von außen durch eine Umprogrammierung des Schrittmachers ohne weitere Operation schmerzfrei beheben, doch in manchen Fällen ist das nicht ausreichend und die Sonde muss in einem erneuten Eingriff an eine andere Stelle im Herzen verlegt werden.

TippWorauf es bei der Behandlung einer Herzschwäche ansonsten ankommt und was Betroffene hinsichtlich Ernährung, Sexualität oder Urlaubsreisen beachten müssen, erläutert der 136-seitige Herzschwäche-Sonderband der Deutschen Herzstiftung. Den Sonderband, der von den unabhängigen Herzexperten der Deutschen Herzstiftung verfasst wurde, können Sie hier anfordern. Für ausführliche Informationen zur Resynchronisationstherapie können Sie sich als Mitglied das entsprechende Kapitel aus dem Herzschwäche-Sonderband auch direkt hier als PDF herunterladen:
Resynchronisationstherapie (S. 56)

Professor Dr. med. Christoph Stellbrink

Autor: Prof. Dr. med. Christoph Stellbrink ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt der Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin des Klinikums Bielefeld. Zu den Schwerpunkten des Herzspezialisten zählen insbesondere die Behandlung der Herzschwäche, die Behandlung von Herzrhythmusstörungen mittels Katheterverfahren, die Therapie mit implantierbaren Schrittmachern und Defibrillatoren und die Behandlung von besonderen Herzmuskelerkrankungen mit Verdickung der Herzscheidewand.

(Redaktion: ebe)

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Bislang 19 Kommentare zu diesem Beitrag

W. P. aus Essen (13.02.2012): Zunächst hatte ich keine Beschwerden. Anlässlich einer Untersuchung wurden durch meinen Hausarzt leichte Herzgeräusche festgestellt. Diagnose: Beschwerdefreie kardinale Leistungsfähigkeit auf mittlerer Belastungsstufe. Mitralklappenprolaps mit Mitralklappeninsuffizienz III. Es liegt eine weitere Beurteilung vor, die die Momentane Darstellung unmöglich macht. Es wurde dann in einer weitern Untersuchung eine Unklare Anämie festgestellt. Ein erneutes Blutbild ergab einen erheblichen B12-Mangel. Eine Behandlung mit B12 ergab schon nach 50 % der Anwendung eine enorme Leistungssteigerung. Nachdem die Behandlung mit B12 abgeschlossen ist, sollte die Untersuchung in Sachen Herzkatheter vorgenommen werden. Meine Frage? Was passiert auf halbem Wege bei 50 % der Behandlung mit B12, bei plötzlichen Herzbeschwerden. (Die Anämie muss zunächst beseitigt werden.) Sollte eine OP mit 70 Jahren noch durchgeführt werden. Mein Hausarzt hat keine Bedenken. Jedoch mir fehlt der Glaube. Mit freundlichem Gruß W. P.

Hinweis der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zur eigenen Herzerkrankung können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da Antworten an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht möglich sind.

Erwin W. aus Bad Driburg (15.11.2011): Vielen Dank für diesen Beitrag. Er ist sehr informativ für mich. Habe Vorhofflimmern seit über 10 Jahren. Werde gern über dieses Thema mit meinem Arzt sprechen.

Helmut Peter R. aus Bayrischzell (25.10.2011): Ich habe selbst seit ca. 1-1/2 Jahren einen CRT-Schrittmacher, der unter großen Schwierigkeiten eingepflanzt wurde. Die früheren erheblichen Probleme beim Atmen und Treppensteigen haben sich verbessert. Eine Verbesserung von NYHA III-IV auf II-III ist festgestellt worden. Wenn jetzt auch noch die pAVK verschwinden würde, dann wäre es optimal, da ich dann wieder viel besser laufen könnte.

Alfred Spangardt (28.08.2011): Ja, eine sehr aufschlussreiche Dokumentation, so empfinde ich es jedenfalls.

Irmgard G. aus Westerstetten (19.07.2011): Ich leide zur Zeit unter hartnäckigen Herzrhythmusstörungen, jetzt habe ich ja wieder Hoffnung, dass ich nicht für immer damit leben muss.

Manfred K. aus Geislingen/Steige (14.07.2011): Es war für mich hochinteressant, war mir darüber bis dato überhaupt nicht im Klaren.

Hans R. aus Eschbronn (11.07.2011): War für mich als Defiträger seit 11 Jahren sehr informativ. Ich bin jetzt 77 Jahre. Vielleicht ist die genannte Therapie später für mich eine zusätzliche Hilfe.

Ulrich H. aus Bielefeld (01.07.2011): Da ich eine künstliche Herzklappe (Mitralklappe) habe, und meine Mutter eine Herzschwäche und einen Defi hatte, sind solche Berichte für mich sehr hilfreich, da man viele nützliche Sachen erfahren kann. Ich freue mich schon jetzt auf die kommenden Berichte. Ulrich H.

Dirk B. aus Gelsenkirchen (22.06.2011): Habe selbst im letzten Jahr das o. a. Teil eingesetzt bekommen. Meine Pumpleistung hat sich verbessert - aber ganz deutlich ist meine linke Herzkammergröße verkleinert - vorher in der Spitze 82 mm - jetzt noch ca. 62 mm. Doller Erfolg - fühle mich nicht nur geschützt, sondern auch sicher. Kann ich nur empfehlen, zumal der Einbau komplikationslos verlief. Auch heute habe ich keine typischen Beschwerden zu verzeichnen.

Martha M. aus Naumburg (19.06.2011): Ich bin immer wieder froh, das es die Herzstiftung gibt. Da erfährt man viele Neuigkeiten, die für uns sehr wichtig sind. Bei der nächsten Defi-Kontrolle, werde ich mich über die Resynchronisationstherapie aufklären lassen. Vielen Dank nochmal.

Dagmar Linke aus St. Augustin (18.06.2011): Die deutliche Verbesserung der Herzleistung durch Resynchronisationstherapie kann ich auf Grund eigener Erfahrungen nur bestätigen. Verdienstvoll an dem Aufsatz ist auch, dass auf einzukalkulierende Nebenwirkungen hingewiesen wird. Die psychischen Auswirkungen hätten unter diesem Gesichtspunkt allerdings nicht fehlen dürfen. Immer wieder treten im Zusammenhang mit dem implantierten Defibrillator Unsicherheiten im täglichen Leben auf, und es kann bei inadäquaten Stromschlägen zu existentiellen Angstzuständen und Depressionen kommen. Bewältigt werden kann dies nur, wenn man darauf vorbereitet ist und Hilfestellungen bekommt. Wir in Bonn haben daher vor 3 Jahren mit Hilfe der Deutschen Herzstiftung eine Defibrillator–Selbsthilfegruppe gegründet. Der Austausch von persönlichen Erfahrungen und ärztliche Informationen hilft uns, unsere Krankheit und nötige Therapiemaßnahmen besser zu verstehen und umsichtiger damit umzugehen.
Dagmar Linke Defibrillator – Selbsthilfegruppe Bonn / Rhein - Sieg

Frieda Kernstock aus Leutershausen (17.06.2011): Für mich sind Ihre Informationen äußerst interessant. Nur durch Sie habe ich bisher wichtige Informationen erhalten und kenne so manche Zusammenhänge.

Jung aus Stuttgart (17.06.2011): Nur über solche guten und wichtigen Hinweise kann hier eine Lösung für den Patienten erfolgen. Der Hinweis wäre auch für Kardiologen gut! Manchen ist dies nicht bekannt und bewußt. Weiter so.

Inge D. (16.06.2011): Ohne die Dt. Herzstiftung wüßte ich nicht, welche therapeutischen Möglichkeiten es bei Herzschwäche gibt. Ich habe eine EF von 30 - 35 % und noch nie etwas von Resynchronisationstherapie gehört. Habe gerade ein 24-Std.-EKG wg. Rhythmusstörungen gemacht und muß mich wohl jetzt intensiv um mein Herz kümmern. Vielen Dank

Gerhard T. aus Blender (16.06.2011): Ich bin selber herzkrank, habe ständig Herzrhythmusstörungen, eine Herzmuskelerkrankung mit Verdickung der Herzscheidewand und eine Herzschwäche der Stufe 3 schon unter leichter körperlicher Belastung. 73,5 Jahre alt und Diabetes (sehr gut eingestellt). Ohne Belastung wie ein Gesunder!!! Ich würde nahezu fast alles tun, um meine Lebensqualität zumindest etwas steigern zu können. Ich bin überzeugt, die Resynchronisationstherapie würde mir wirklich helfen.

Gerhard S. aus Wilnsdorf (16.06.2011): Habe selbst einen Biotronik ICD mit Homemonitoring und kann das alles nur bestätigen. Er hat mir das Leben schon einmal gerettet.

Helmut Peter R. aus Bayrischzell (16.06.2011): Ich habe den CRT-Schrittmacher letztes Jahr bekommen und ich kann bei mir die angegebene Verbesserung des NYHA-Stadiums bestätigen.
Allerdings musste die Implantation in zwei Schritten erfolgen, da bei der Erstoperation auch nach 8-stündiger (!) OP die OP gründlich misslang.
Das bedeutete, dass ich mit Lebensgefahr auf die Intensivstation mit Beatmung kam. Eine Verlegung auf die Normalstation war zu gefährlich.
Erst nach fast 2 Wochen auf der Intensivstation konnte ein zweiter Versuch gestartet werden, der dann auch gelang.
Leider gibt es bis heute widersprüchliche Angaben, ob ich nun einen CRT-Schrittmacher mit Defibrillator oder einen ohne Defi habe. Auch St. Jude Medical konnte hier nicht weiterhelfen.
Man sollte aber bei Herzschwäche immer überprüfen, ob ein CRT-Schrittmacher sinnvoll ist. Meistens gelingt auch die Implantation der dritten Sonde.

Dietmar Lettow (16.06.2011): Informationen sind verständlich beschrieben und auf das wesentliche beschränkt (wie fast alle Beiträge). Und der Inhalt ist interessant und hilfreich. Danke!

Dr. Bosch aus Aachen (16.06.2011): Das schwierige Thema wurde hier sehr verständlich dargestellt!

 
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