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Herzschwäche-Sonderband
Allen Menschen mit einer Herzschwäche empfiehlt die Herzstiftung den Sonderband „Das schwache Herz”, in dem ausgewiesene Herzspezialisten ausführlich die wichtigsten Therapien bei einer Herzschwäche erläutern. Den Sonderband stellt die Herzstiftung in gedruckter Form gegen die geringe Schutzgebühr von fünf Euro zur Verfügung. Für weitere Infos zu dem 136-seitigen Sonderband bitte » hier klicken.
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Interview zu vierwöchigem Herzschwäche-Training
„Mein Allgemeinzustand ist viel besser geworden”
Bislang 16 Kommentare zu diesem Beitrag (Stand: Dienstag, 15.05.2012)
Seit ein paar Jahren wird am Herzzentrum Leipzig untersucht, welche Erfolge sich mit einem vierwöchigen Trainingsprogramm bei einer Herzschwäche erzielen lassen. Eine der ersten Teilnehmerinnen war Hildegard Geisler, die früher beim Treppensteigen wegen Atemnot regelmäßig stehen bleiben musste und eines Tages wegen nächtlicher Atemnot und mit Todesangst sogar ins Krankenhaus gebracht wurde. Wie sie es schließlich schaffte, ihren Gesundheitszustand mit dem speziellen Trainingsprogramm zu verbessern, berichtet die Herzschwäche-Patientin hier in einem interessanten Interview.
Frau Geisler, wann ist bei Ihnen zum ersten Mal festgestellt worden, dass Sie eine Herzschwäche haben, und wie haben Sie dies selbst bemerkt?
Hildegard Geisler: Atemnot. Wenn ich Treppen stieg, musste ich stehen bleiben, weil dann immer akute Luftnot auftrat. Das war sehr schlimm für mich. Als ich dann zu meinem Hausarzt gegangen bin, hat er mich gleich ins Krankenhaus eingewiesen. Dort hat man, wie die Ärzte sagten, eine akute Linksherzdekompensation festgestellt.
Das heißt: Sie hatten Wasser in der Lunge, das mit Medikamenten wieder beseitigt werden musste?
Ja, genau. Nachdem es mir dann wieder besser ging, wurde ich nach Leipzig geschickt zum Herzkatheter. Dort wurde dann festgestellt, dass die Pumpleistung der linken Herzkammer hochgradig eingeschränkt war – Pumpleistung wohl nur 14 % – und die linke Herzklappe (Mitralklappe, Anm. d. Autors) undicht war. Hier bin ich auch auf die Medikamente eingestellt worden. Aber da war ein Medikament, durch das ich furchtbaren Husten bekam (ACE-Hemmer, Anm. des Autors). Das haben wir abgesetzt und auf ein Sartan umgestellt. Seitdem ist der Husten weg.
Was hat Ihnen denn Ihr Hausarzt zum Thema körperliche Anstrengung und Sport bei Herzschwäche gesagt?
Auf jeden Fall im Alltag alles soweit wie möglich weitermachen, aber nicht schwer heben oder sonstwie schwer belasten.
Wie ging es Ihnen unter der Behandlung mit Medikamenten?
Zunächst wurde es etwas besser. Aber im Dezember 2005 ging es mir noch einmal ganz schlecht: Da hatte ich über Nacht ganz schlimme Atemnot, so dass wir den Notdienst rufen mussten, der mich gleich ins Krankenhaus gebracht hat. Akutes Lungenödem hat man das damals genannt.
Da haben Sie richtig Todesangst gehabt?
Aber ganz schlimm, ganz schlimm! Man hat dann in Delitzsch im Krankenhaus eine Dreiviertelstunde gekämpft, um mich zu retten. Danach bin ich wieder ins Herzzentrum gekommen. Dort habe ich von der Trainingsstudie bei Herzschwäche gehört, und man hat mir gesagt, dass man meine Herzschwäche und Belastbarkeit durch Training eventuell wieder verbessern kann. Da habe ich natürlich sofort zugegriffen! Seit der Trainingsstudie bin ich wirklich viel besser drauf. Mein ganzer Allgemeinzustand ist viel besser geworden. Ich gehe jetzt auch regelmäßig zum Sport – gerade heute wieder – und mache leichte Gymnastik mit. Ich fahre auch wieder regelmäßig mit dem Fahrrad, im Winter auf dem Heimtrainer, im Sommer in der Natur. Die Gartenarbeit habe ich etwas eingeschränkt – das Rasenmähen zum Beispiel. Ich könnte es wahrscheinlich, aber durch den Defi soll ich mich ja von Elektromotoren und Funkquellen fernhalten.
Als die Trainingsstudie begonnen hat und Sie zum ersten Mal seit langem mit Ihrer Krankheit auf einem Ergometer gesessen haben – was haben Sie da gedacht? Hatten Sie große Sorge, Sie könnten Ihr schwaches Herz überlasten?
Eigentlich gar nicht. Das Training wurde gut eingeteilt. Am Anfang hatte ich zwar etwas Sorge, das hat sich aber schnell gegeben. Natürlich war ich mittags erschöpft, bin dann in meine Wohnung gegangen und habe ein bisschen geschlafen. Danach habe ich mich aber wieder auf den nächsten Tag gefreut, um weiterzumachen. Ich habe mich beim Training auch von Mal zu Mal gesteigert und konnte auf dem Fahrrad immer mehr fahren. Die Studie war für mich sehr, sehr gut.
Haben Sie aus Ihrer Erfahrung noch Tipps für Patienten, die so wie Sie eine Herzschwäche haben und etwas für ihre Fitness und Ausdauer tun möchten?
Mit einer Herzschwäche sollte man sich nicht überschätzen, aber auch nicht unterschätzen. Ich kann nur jedem sagen: Es lohnt sich, körperlich aktiv zu sein, um mehr Kraft und Ausdauer zu haben und dadurch auch mehr Freude am Leben. Ich war wieder mittendrin.
Hintergrund-Info: Durch das vierwöchige Trainingsprogramm hat sich die maximale Leistungsfähigkeit von Hildegard Geisler in der Spiroergometrie um 44 % verbessert: Sie konnte zu Studienbeginn nur bei 50 Watt Radfahren, bei Studienende bei 100 Watt. Die Pumpfunktion der linken Herzkammer verbesserte sich von 20 auf 25 %. Durch die Fortsetzung der regelmäßigen körperlichen Aktivität im Alltag nach Ende des stationären Trainingsprogramms konnte Frau Geisler ihre Leistungsfähigkeit weiter verbessern und kann sich nun im Alltag wieder weitgehend normal belasten.
Interview: PD Dr. med. Stephan Gielen
Bislang 16 Kommentare zu diesem Beitrag
Claudia aus Hennigsdorf (24.03.2012): Hallo, bin 45 Jahre alt und ich habe seit 2008 eine Herzschwäche (mittelgradig-linksventrikuläre Ejektionsfraktion 35-40%). Ich habe mich 3 Jahre lang geschont ... fange jetzt aber an Fahrrad zu fahren ... ich bin heute das 1. Mal wieder viel mit dem Rad unterwegs gewesen(ca. 15km) ... weiß ja nicht ob es zu viel ist ... mein Blutdruck war nach dem Radfahren bei 99/61 ... weiß nicht ob das schlimm ist ... Ich mache auch zur Zeit Rückenschule ... ich habe fast jedes Jahr eine Panikattacke ... wenn es eine war ... Ich habe riesige Angst vor einem plötzlichen Herztod ... Beim Herzecho bei der Rentenstelle sagte mir die Ärztin, dass meine Lebenserwartung eingeschränkt ist ... Nun hab ich total Schiss ... Heißt das, dass ich in 10 Jahren oder so damit rechnen muß zu sterben?? Sorry ... ich glaub ich bin ein wenig vom Thema abgekommen ... Auf alle Fälle motiviert der Betrag von Hildegard Geißler unheimlich doll ... das macht Mut!! Danke für die tollen Infos ... Liebe Grüße an Euch
Dieter W. aus Köln (08.03.2012): REHA-Sport hat mir die Sicherheit im Alltag wieder gegeben.
Werner K. aus Hameln (22.11.2011): Liebe Leid geplagte und die dieses Leid verhindern möchten, wie ich auch. Denn auch ich hatte eine Herzschwäche, was mir unter anderem geholfen hat und noch hilft und ich es weiter einnehme, ist Strophanthin. Seitdem ich es nehme, spiele ich sogar wieder Tischtennis.
Peer L. aus Mainz (15.11.2011): Ich fahre weiterhin mit dem Fahrrad zur Arbeit (ca. 5 km Fahrweg), obwohl sich meine Herz-Pumpleistung in den letzten Jahren auf ca. 30% reduziert hat. Allerdings habe ich mir im Sommer ein besonders leichtes und leicht laufendes Fahrrad gekauft. Ich glaube, dass mir das fast tägliche Fahrradfahren meine Fitness gut erhalten hat, auch wenn sie langsam abnimmt.
P. R. aus Dresden (25.10.2011): Ich kann die Aussagen nur bestätigen, durch mein permanentes Vorhofflimmern ist auch mein Herz etwas geschwächt, aber ich fahre täglich ebene Wege mit dem Fahrrad und gehe zum Seniorensport, Bewegung ist gut zu jeder Jahreszeit, nur eben kein Krafttraining. Ich bekomme Digitoxin und damit habe ich die tägliche Kraft. Freundliche Grüße und danke für die wertvollen Infos.
Diana aus Nassau (Bahamas) (24.10.2011): Mein Sohn hat Herzschwäche 4. Grades. Er hat 9 Medikamente, die er leider nicht regelmäßig nimmt. Ich muss ihn immer drängen und fragen (hast du die Medikamente genommen? usw.) Seit März ist es wie gesagt auf Stufe 4. Ich bange um meinen Sohn, er ist erst 30 Jahre alt. Die Ärzte sagten, dass er ein neues Herz und eine Lunge braucht. Mein Sohn sagt, er will nicht mit einem anderen Herz leben. Er hatte mit 1 Jahr eine neue Mitralklappe bekommen in der Schweiz. Ich sorge mich täglich um sein Wohlbefinden. Ich weiß genau, dass seine Zeit bald kommt. Wie kann ich ihm das leben so gut wie möglich gestalten? Er ist sehr sehr depressiv und das macht alles viel schlimmer. Ich weiß, dass auch ich mich besser schützen muss. Denn ich muss ihn dauern massieren, sobald ich von der Arbeit komme. Im Moment hat er laufend Kopfschmerzen. Ich bin selbst 70 Jahre alt und weiß oft nicht mehr weiter. Wie kann ich ihm helfen seine Gegenwart so gut wie möglich zu gestalten. Psychologisch ist es eine schwere Zeit. Dazu kommt noch, dass er halt immer noch Marihuana raucht, um bei guter Laune zu sein. Ich musste dies einfach schreiben, weil ich sonst auch sehr depressiv werde. Ich mache immer noch Judo und Tai Chi, um mich nicht selbst zu kränken. Wenn ich nur wüsste, was ich noch für ihn tun könnte. Danke für die Zeilen, die ich schreiben durfte.
Peter A. aus Nußdorf am Inn (14.10.2011): Fahrradfahren ist wichtig, Gewichtsreduzierung usw., außerdem gibt es einem wieder ein Gefühl für die Natur und das tut gut. Leide auch unter chronischer Herzschwäche, Diabetes 2, Gicht und Arthritis/Arthrose, bekämpfe so auch meine Depressionen mit Erfolg.
Horst B. aus Berlin (20.08.2011): Körperliches Training tut wirklich gut. Im September 2009 bekam ich 3 Stents und im November 09 wurde mir ein Herzschrittmacher (Defi) implantiert. Etwa zur gleichen Zeit musste ich von meiner Herzschwäche Kenntnis nehmen. Seit ca. 5 Jahren gehe ich regelmäßig in ein Fitnessstudio und anschließend in die Sauna! Treppensteigen fällt mir allerdings immer noch sehr schwer wegen der mitunter doch sehr schweren Luftnot.
Dr. Hanna Lübeck aus Bünde (03.08.2011): Bin Sportärztin, wollen eine Sportgruppe aufbauen: Training bei Herzmuskelschwäche.
Hannelore B. aus Bremen (07.07.2011): Guten Tag, es hört sich an, als wenn die Dame zur Kur/Reha war. Bei mir hieß es kein Handlungsbedarf, mfG H. B.
A. L. aus Felixsee (27.06.2011): Ich kenne das Problem Atemnot + Treppensteigen. Ich habe aber auch akute Knieprobleme, aber ich mache das mit der Bewegung (zu Hause) sowie den Sport in der Gruppe (bei der VS) + Spaziergänge mit Hund, schon lange. Diese Info bestätigt mir alles, auch das man mal erschöpft sein kann, ohne gleich Angst haben zu müssen.
Helmut S. aus Breitenstein (06.05.2011): Ich habe vor 8 Monaten einen 2 Sonden Herzschrittmacher implantiert bekommen. Es ging mir danach gut. Aber nach 1 Monat habe ich eine Herzschwäche bekommen und musste ins Krankenhaus. Ich habe Tabletten zum Entwässern bekommen. Nach der Ultraschalluntersuchung sagte der Arzt, dass mein Herzmuskel gut wäre.
Nach 2 Tagen, als das Wasser weg war, ging es mir wieder besser. Aber die Herzschwäche ist noch da. Ich habe Probleme, wenn ich etwas heben will oder mich mal schnell bewege. Weiß jemand, wie man das Herz wieder stärken kann. Der Sinusrhythmus ist ziemlich stabil aber die Herzleistung ist das Problem.
Ich gehe jede Woche zum Herzsport und mache Spaziergänge, also dürfte es an Bewegungsmangel nicht liegen. Ich nehme zu meinen Herztabletten den Weißdorn-Extrakt Crataegutt novo 450 mg.
Anton B. aus Odenthal (30.03.2011): Meine Herzprobleme sind vergleichbar mit obigem Bericht von Frau Geisler. Mittlerweile schaffe ich die Gartenarbeit mit Einschränkungen. Gibt es in der Nähe meines Wohnorts (incl. Köln) eine Möglichkeit das Träiningsprogramm zu absolvieren? Danke für Ihre Bemühungen.
Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da Nachfragen an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht beantwortet werden können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihr Mitarbeiter-Team der Deutschen Herzstiftung
Hans-Eberhard K. aus Sangerhausen (09.03.2011): Ich bin seit November 2010 wegen Herzinsuffizienz in Behandlung. Mir wurde ein Bevent-Schrittmacher-System implantiert. Er ist aber noch nicht funktionsfähig. Ich bewege mich täglich an der frischen Luft. Da ich ein passionierter Kleingärtner bin, habe ich jedoch bedenken, dass ich die Gartenarbeit nicht mehr bewältigen kann. Darf ich noch Gartenarbeiten erledigen?
Hinweis der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zur eigenen Herzerkrankung können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da Antworten an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht möglich sind.
Volker W. aus Malente (25.02.2011): Ähnlich wie bei mir. Durch regelmäßige Bewegung (Ausdauertraining) haben sich meine Werte verbessert. Da ich leider so dumm war und jahrelang kein Sport mehr gemacht habe (Bequemlichkeit, ausgelaugt durch Stress bei der Arbeit), habe ich meinen eigenen Körper regelrecht runter gewirtschaftet. Heute kann ich schon fast wieder normal arbeiten gehen.
Uwe S. aus Hamburg (16.11.2010): Zur Zeit stelle ich fest, dass ich auf Grund von Bewegungsmangel der letzten Jahre ständig schwächer werde. Bei einer Kur Frühjahr 2009, habe ich vier Wochen lang Sport gemacht und da deutliche Verbesserungen festgestellt. Durch eine Erkrankung kurz nach der Kur, habe ich leider mit Sport wieder aufgehört und bis jetzt nicht den Einstieg gefunden. Eine Herzinsuffizienz wurde bei mir vor 5 Wochen festgestellt. Durch Medikamentierung geht es mir ein wenig besser, so dass ich ab Mitte Nov 2010 drei mal die Woche ins Fitnessstudio gehen will. Angemeldet habe ich mich bereits. Ich glaube fest daran, dass durch Sport und Nahrungsumstellung ich mit in einem Jahr schon besser fühlen werde.



