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Interview mit Professor Dr. med. Thomas Meinertz
Herzklappenfehler: Was müssen Patienten wissen?
Bislang 22 Kommentare zu diesem Beitrag (Stand: Dienstag, 15.05.2012)
Herzklappenerkrankungen machen oft über lange Zeit keine Beschwerden und werden nur zufällig entdeckt. Dennoch sind sie immer ernst zu nehmen. Denn in aller Regel schreiten sie langsam fort und können unbehandelt nicht nur die Lebensqualität vermindern, sondern auch das Leben verkürzen. Im Interview erläutert Prof. Dr. med. Thomas Meinertz aus Hamburg, worauf es bei Herzklappenerkrankungen ankommt und was Patienten beachten sollten.
Wie entdeckt man einen Herzklappenfehler?
Prof. Meinertz: Oft durch Zufall, zum Beispiel bei Untersuchungen vor der Schulaufnahme, beim Eintritt in den Beruf oder bei einer Untersuchung beim Arzt. Klappenfehler führen zu typischen Herzgeräuschen. Allerdings ist die Kunst des Abhörens durch die Diagnoseverfahren mit Apparaten etwas in Vergessenheit geraten. Heute beherrscht diese Kunst meist nur noch der Fachmann, der Kardiologe oder der kardiologisch ausgebildete Internist. So wird der Herzfehler oft erst entdeckt, wenn der Patient wegen Beschwerden wie Einschränkung der Leistungsfähigkeit, Atemnot, Brustschmerz, schnellem Herzschlag bei Belastung, kurzen Bewusstlosigkeiten, Ödemen, den Arzt aufsucht.
Was kann man tun, um den Herzfehler früh genug aufzuspüren?
Prof. Meinertz: Es kommt darauf an, die eigene körperliche Leistungsfähigkeit kritisch im Auge zu behalten. Wenn die Leistungsfähigkeit deutlich abnimmt, sollte man das nicht, wie das üblicherweise geschieht, auf das Alter oder die Bronchien schieben, sondern zum Arzt gehen, damit die Ursache der Leistungsminderung gefunden wird.
Wie entstehen Herzklappenfehler?
Prof. Meinertz: Die Entstehung der Herzklappenfehler ist ganz unterschiedlich. Zum einen gibt es angeborene Herzklappenfehler, die schon im Säuglingsalter behandelt werden müssen (selten). Andere Herzklappenfehler haben in den Kinder- und Jugendjahren noch keine große Bedeutung, führen aber auf Dauer zu einer schweren Veränderung der Herzklappe. Wieder andere Herzklappenfehler entstehen durch akutes, rheumatisches Fieber, durch eine bakterielle Herzklappenentzündung oder als Folge einer Herzkrankheit, z. B. als Folge eines Infarkts. Im Vordergrund stehen heute bei der hohen Lebenserwartung Klappenfehler, die auf „Verschleiß” zurückzuführen sind. Die Klappen nutzen sich im Laufe eines langen Lebens ab. Dadurch können sie sich verengen oder schlussunfähig werden.
Was sind die häufigsten Herzklappenfehler?
Prof. Meinertz: Am häufigsten sind heutzutage in der westlichen Welt die Aortenklappenstenose im hohen Lebensalter und unabhängig vom Alter die Undichtigkeit der Mitralklappe (Mitralklappeninsuffizienz).
Kann man, wenn der Klappenfehler entdeckt ist, die weitere Entwicklung voraussehen?
Prof. Meinertz: Der Prozess schreitet in der Regel langsam fort. Allerdings: In manchen Fällen geht es viel schneller, in anderen bleibt der Defekt über viele Jahre stabil. Verlassen kann man sich darauf nicht. Deswegen sind – ist der Herzklappenfehler entdeckt – regelmäßige Kontrollen beim Kardiologen oder Internisten nötig, in der Regel jedes Jahr. Wenn Beschwerden neu oder heftiger auftreten, sollte man nicht bis zum Kontrolltermin warten, sondern gleich den Arzt aufsuchen.
Was erreichen Medikamente?
Prof. Meinertz: Da darf man sich keinen Illusionen hingeben. Sie bessern die Beschwerden und die Druck- und Flussverhältnisse des Bluts (Hämodynamik) im Herzen und im Blutkreislauf. Das kann indirekt das Fortschreiten des Defekts bremsen, aber Medikamente beseitigen nicht das eigentliche Problem, den Klappenfehler. Den Klappenfehler beseitigen kann nur der operative Eingriff.
Was für Möglichkeiten des Eingriffs gibt es?
Prof. Meinertz: Man kann die kranke Klappe wiederherstellen oder sie durch eine künstliche Klappe ersetzen. Die Wiederherstellung (Rekonstruktion) der Klappe ist ein entscheidender Fortschritt. Sie ist je nach Ursache bei der Mitralklappe in bis zu 80 % der Fälle möglich. Für den Patienten bringt das große Vorteile, weil er mit der rekonstruierten Klappe fast so gut wie mit einer natürlichen Klappe leben kann. Auch eine Trikuspidalklappe, die undicht ist, kann meistens wiederhergestellt werden. Bei der Undichtigkeit der Aortenklappe (Aortenklappeninsuffizienz) ist man noch nicht so weit. Hier kommt die Wiederherstellung der Klappe vor allem in Betracht, wenn die Undichtigkeit zusammen mit einem Aortenaneurysma, einer Ausweitung der Aorta, auftritt. Eine weitere Möglichkeit ist die Sprengung (Valvuloplastie) der Mitralklappenstenose. In den meisten anderen Fällen muss die Klappe ersetzt werden.
Wann sollte man sich für eine Operation entscheiden?
Prof. Meinertz: Heute sollte man den Zeitpunkt so wählen, dass eine dauerhafte Schädigung des Herzens und die damit verbundene Einschränkung der Lebenserwartung vermieden wird. Deshalb operiert man heute sehr viel früher, als das vor Jahren der Fall war – im Einzelfall auch dann, wenn der Patient seine Beschwerden als wenig oder gar nicht belastend empfindet oder sogar, wenn keine Beschwerden vorliegen.
Inwieweit kann die Klappenoperation die Leistungsfähigkeit wieder herstellen?
Prof. Meinertz: Wenn eine Mitralklappenrekonstruktion gelungen ist – und das ist heute in der Regel der Fall – ist man voll belastbar, selbst für sportliche Aktivitäten im Leistungssportbereich. Dagegen sind nach einem Klappenersatz die Strömungsverhältnisse im Herzen nicht so, dass man sich wieder maximal belasten kann. Jede Kunstklappe – biologisch oder mechanisch – ist weniger perfekt als die natürliche Klappe. Deshalb gilt: Sport, besonders Ausdauersport ist gut und führt zu einer besseren körperlichen Leistungsfähigkeit. Aber maximale sportliche Aktivität oder Leistungssport sind nach Klappenersatz nicht zu empfehlen.
Wie stark kann man sich nach einer Klappenoperation wieder belasten?
Prof. Meinertz: Nach einer gelungenen Klappenoperation kann sich der Patient erheblich belasten. Ausdauersport ist am besten: Laufen, Joggen, Radfahren, Wandern – auch Schwimmen. Die meisten Patienten sind zu wenig sportlich aktiv. Meist unterfordern sich die Patienten nach der Klappenoperation. Sie unterschätzen, wie sehr regelmäßige Bewegung und Sport ihre Leistungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden erhöhen können.
Auf was ist nach der Operation zu achten?
Prof. Meinertz: Regelmäßige Kontrollen sind nötig: unmittelbar nach dem Eingriff häufiger, dann nach drei bzw. sechs Monaten, nach einem Jahr und dann in jährlichen Abständen. Die Patienten mit einer mechanischen Herzklappe müssen dauerhaft Medikamente zur Gerinnungshemmung einnehmen (z. B. Marcumar / Falithrom). Ebenso benötigen sie bei fieberhaften bakteriellen Infekten oder bei bestimmten Eingriffen eine Endokarditis-Prophylaxe, um eine Entzündung der Klappe zu vermeiden. Die Endokarditis-Prophylaxe ist auch notwendig, wenn eine biologische Klappe eingesetzt wurde. Diese Patienten dürfen nie vergessen, dass sie eine Klappenoperation hinter sich haben.
Und der Lebensstil?
Prof. Meinertz: Ein gesunder Lebensstil ist für jeden wichtig: Nicht rauchen, gesunde Ernährung, kein Übergewicht, regelmäßige Bewegung, d. h. Ausdauerbelastung. Das gilt immer, aber besonders für jemanden, der eine Klappenerkrankung oder einen Klappenersatz hat.
Was ist von der Forschung in Zukunft zu erwarten?
Prof. Meinertz: Den medizinischen Fortschritt kann man nicht voraussagen. Verfahren, Herzklappen statt mit einer Operation mit Kathetertechnik ins Herz einzubringen, sind bei Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko bereits erfolgreich praktiziert worden. Ob dieser Weg nicht nur für die Aortenklappe, sondern auch für andere Herzklappen erfolgversprechend ist, wird zur Zeit wissenschaftlich untersucht. Außerdem gibt es neue Verfahren, Bioprothesen haltbarer zu machen. Ob diese Verfahren oder ob die Züchtung von Herzklappen aus körpereigenen Zellen oder die Entwicklung neuer gerinnungshemmender Medikamente einen Durchbruch bringen, wissen wir nicht. Neue Wege können auch Holzwege sein. Eines ist sicher: Die intensive Forschung auf diesen Gebieten wird zur Folge haben, dass Klappenpatienten in Zukunft noch besser behandelt werden können, als es heute schon möglich ist.
Eine ausführlichere Fassung des Interviews mit Professor Dr. med. Thomas Meinertz ist nachzulesen in dem exklusiven Sonderband der Deutschen Herzstiftung zu Herzklappenerkrankungen (S. 4 ff.), Oktober 2008. Der umfangreiche Sonderband kann » hier bestellt werden.
Autor: Professor Dr. med. Thomas Meinertz ist Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Abteilung für Kardiologie an der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Zu den Schwerpunkten des Herzspezialisten zählen Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. ➞ Weitere Expertenbeiträge von Prof. Thomas Meinertz
Bislang 22 Kommentare zu diesem Beitrag
Dr. med. R. Gasal aus Cham/Schweiz (04.05.2012): Ich finde den Artikel sehr gut und er behandelt alle Fragen. Es fehlt aber eine kurze Ergänzung zur Mitralklappen-Insuffizienz und zu Sportarten.
Chrisi aus Jena (25.03.2012): Ich bin gerade mal 28 Jahre alt und habe seit 9 Jahren den Befund Herzklappenfehler (Mitralklappe) I. bis II. Grades, aber ich selbst bin vorher noch nie auf die Idee gekommen wegen einer OP, aber da die Technik ja schon so weit ist, finde ich die Informationen hier sehr hilfreich! Werde das auch in nächster Zeit in Angriff nehmen, da doch die Probleme immer größer werden!
Hildegard B. aus Münster (22.03.2012): Ich wurde erst vor ein paar Tagen damit konfrontiert, dass ich eine Undichtigkeit in einer Herzklappe habe und dass man dabei den Lungenhochdruck messen kann. Für mich, ist dieser Artikel sehr hilfreich, auch wenn ich nicht weiß, welche Herzklappe bei mir betroffen ist.
Horst Z. aus Kosta/Schweden (07.03.2012): Vor einem Jahr wurde bei mir eine Aortenklappeninsuffizienz festgestellt. Zunächst wird aber mein Gesundheitszustand noch beobachtet. Trotzdem finde ich diesen Beitrag aufschlussreich. Ich hoffe bis zu meiner Operation noch viel mehr darüber in Erfahrung bringen zu können.
Sabine S. aus Berlin (07.03.2012): Ich habe mich heute das erste Mal überhaupt mit der Thematik befasst bzw. aufgrund eines Krankheitsfalls in der Familie befassen müssen. Ein leicht verständlicher informativer Einstieg in die Problematik. Vielen Dank.
Jutta S. aus Leipzig (24.02.2012): Die Information war für mich sehr wichtig, konnte mir aber leider nicht die Angst vor einer hoffentlich noch entfernten OP nehmen. Die Aortenstenose hat sich leicht verschlechtert.
Klaus H. aus Gelsenkirchen (18.02.2012): Es war wichtig für mich zu wissen, dass man auch Herzklappen durch einen Katheter einsetzen kann, da ich eine große OP. nicht mehr durchstehen kann.
Corinna (07.01.2012): Ich muss für die Schule eine Themenarbeit über dieses Thema schreiben und dieses Interview hat mir sehr geholfen. Ich weiß jetzt viel mehr als vorher. Vielen Dank.
Jaroslav L. aus Köln (06.01.2012): Ich danke Gott für das Wissen für unsere Retter (die Ärzte) und ich wünsche allen vom Herzen viel Glück und Gottes Segen.
Wilfried S. aus Tönoisvorst (bei Krefeld) (20.11.2011): Noch keine Erfahrung, aber eine geringfügige Aortenstenose. Vor 8 Monaten entdeckt. Jährliche kontrolle empfohlen.
Tilo R. aus Bad Kreuznach (31.10.2011): Meine undichte Mitralklappe (Schweregrad 2-3) wurde 2010 an der Uni Homburg erfolgreich wiederhergestellt, d. h. repariert. Nach einem Jahr bin ich wieder voll belastungsfähig, was auch durch die Ultraschalluntersuchung bzw. durch das Belastungs-EKG erhärtet wird. Ich selbst hatte mit nur geringen Belastungseinbußen zu tun, weshalb ich mich bereits frühzeitig zu einer Herz-OP entschieden habe. Außer der regelmäßigen Einnahme eines Betablockers (Metoprololsucchinat) und einer 1/2 Tablette Rasilez zur Nacht benötige ich keine weiteren Medikamente. Für mich entscheidend war auch, dass ich keine biologische oder künstliche Klappe benötigte und damit auch die lebenslange Einnahme von Marcumar entfiel, was für mich die Lebensqualität positiv erhöht.
Hannelore P. aus Schmelz (26.09.2011): Die Rekonstruktion meiner Mitralklappe liegt nun 9 Wochen zurück. Außer dass mein Blutdruck sich noch nicht eingependelt hat (sehr schwankend/zu hoch), geht es mir gut. Hier und da treten mal Unsicherheiten auf, was normaler Heilungsprozeß ist oder ob ich mich ruhiger verhalten soll. Prof. Dr. Meinertz und seine Ausführungen schätze ich sehr. Ich möchte nun, dass meine 25-jährige Tochter sich eine Herzechountersuchung machen lässt, da sie recht schnell an ihre Grenzen von Atembeschwerden bzw. Belastbarkeit stößt. Nicht dass sie die Geschichte von mir übernommen hat. Ob meine Herzklappe seit Geburt an undicht war, weiß man nicht zu sagen. Ich bin jetzt 57 Jahre und erfuhr vor 6 J. dass diese I. Grad undicht ist. In den letzten Jahren schritt die Sache schnell voran. Leider wurde ich nicht jährlich untersucht. Aber es ging ja nochmal alles gut. Danke für die umfangreichen Infos die man hier findet.
Hans Helmut A. aus Olpe (19.09.2011): Im Jahr 2009 bekam ich drei Bypässe, und im Jahr 2011 wurde ein Hinterwandinfarkt festgestellt. Auch wurde ein leichter Herzklappenverschleiß festgestellt.
Vietzen aus Hamburg (29.08.2011): Ich vermisse den Psychologischen Aspekt einer neuen Herzklappe und die Beschwerden, die danach auftreten können. Z. B. hoher, schwankender Blutdruck, Beklemmung, Schluckbeschwerden + Halsschmerzen.
Andreas K. aus Neuss (24.05.2011): Ich stehe noch vor einer Op, aber die Informationen waren für mich sehr hilfreich und ein wenig beruhigend.
Werner Müller aus Eichenau (Oberbayern) (11.05.2011): Sehr informativ. Mich hätten noch die Nebenwirkungen der Medikamente interessiert.
Marion S. aus Berlin (11.04.2011): Es ist eigentlich eine Katastrophe, die aber ihr Happyend noch im Guten fand, nicht zuletzt durch solche Beiträge wie von Prof. Dr. med. Meinertz. Ich fand einen Freund von mir am 19.01.2011 mit kompletter Bewusstseinsbeeinträchtigung in seiner Wohnung. Ich rief sofort den Notarzt. Auf der Ersten-Hilfe-Station stellte man fest, dass eine Herzklappe nicht normal arbeitet und das sein rechter Unterschenkel nicht richtig durchblutet wird. Man versetzte ihn in ein künstliches Koma und führte eine Not–OP am Bein durch, um dieses zu retten. Noch in derselben Nacht überführte man ihn in das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB). Er bekam von all dem nichts mit.
Bis zur notwendigen Herzklappen-OP war er nicht ansprechbar und an eine Beatmungsmaschine angeschlossen. Kurz vor der OP hat man versucht in aufzuwecken, d. h. die Medikamente, die ihn im künstlichen Koma hielten zu verringern, um festzustellen, ob außer im Bein, eventuell auch im Kopf (nach erfolgter Gefäßdarstellung und 3 CTs, die allesamt negativ auffällig waren) Durchblutungsstörungen oder Schäden vorhanden sind. Seine Pupillen- und physischen Reaktionen schienen aber unter den gegebenen Umständen normal, so dass am 28.01.2011 die Herzklappen - OP erfolgte.
Vier Tage später hat mein Freund sich im Unterbewusstsein den Tubus selbst entfernt. Auch daran wird er später keinerlei Erinnerung haben. Am fünften Tag nach der OP verlegte man ihn in ein anderes Krankenhaus, bereits ab dem fünften Tag erlangte er mehr und mehr sein Bewusstsein zurück, anfänglich mit starken Aussetzern, aber nach ca. drei Wochen doch so gut wie perfekt.
Er weiß nichts über seine Erkrankung, weiß nichts von den Entscheidungen die getroffen werden mussten in Bezug der Herzklappen-OP, weiß nicht wie die Verletzungen an seinem Bein entstanden sind und hat überhaupt keine Erinnerung an die Notaufnahme oder das DHZB. Auch hatte und hat er keinerlei Schmerzen.
Manchmal erzählt er, dass er Dies oder Jenes geträumt hätte und ich erläutere ihm dann meistens welche Bestandteile seiner Träume aus der Realität sind und welche sein Unterbewusstsein „dazugedichtet“ hat. Ich war jeden Tag bei ihm und finde es erstaunlich, dass er keine Erinnerung an die Menschen hat, die ihn besucht haben, keine einzige Erinnerung an die Ärzte des DHZB, vieles als Utopie, außerirdisches Treiben oder Verbrecher, die ihn gefangen halten, in Erinnerung hat, obwohl er nach der OP auf Fragen reagierte, z. B. nickte er oder er konnte auch jemanden leicht die Hände drücken. Aber er konnte und kann aus der Vergangenheit überhaupt keine Zeiträume einordnen. Wenn man ihn fragte, was er als letztes in Erinnerung hätte, so waren seine Antworten immer irgendwie auf Dezember 2010 bezogen.
Im Moment ist er bei der Reha und ich versuche aus dem Internet alle Zusammenhänge seiner Krankheit zu erfahren, sie für ihn auszudrucken, anschaulich zu machen, damit er so viel wie möglich darüber erfährt. Niemand hat ihm je den „Gesamtzusammenhang“ erläutert. Zwischen der bakteriellen Erkrankung der Herzklappe, der daraus entstandenen „Vegetationen“, die letztendlich durch Verschleppung zur Embolie im Unterschenkel führten. Immer wurde nur das behandelt, was gerade am akutesten war. Nach der Herz-OP und dem „entlassen“ aus der Intensivstation nach 8 Tagen, waren noch 5 weitere OPs an seinem Bein erforderlich geworden, die abschließend mit der OP zur Hauttransplantation vom Oberschenkel auf den Unterschenkel endeten. In dieser Zeit der Operationen am Bein, beachtete man kaum noch, dass er ja erst kürzlich eine Herzklappen–OP hatte, denn nun beschäftigte sich man ausschließlich damit, (es waren auch andere Ärzte) dass er wieder laufen muss.
Mein Freund ist 49 Jahre alt und Diabetiker Typ I. Auch dass ein Riesen-Problem bei all den Umständen. Es gab wirklich Internisten, die Typ I nicht vom Typ II unterscheiden konnten und die Medikamentation vom Typ II ansetzen wollten, d. h. Insulin nach einem bestimmten Zeitplan und nicht nach Bedarf verabreichen wollten. Auch mit diesen Ärzten habe ich endlose Diskussionen führen müssen.
Wie ergeht es einem Menschen, der Niemanden hat, der ihm alles erzählen kann, der ihm immer wieder Fragen, die ihn aus der Vergangenheit quälen, beantwortet? Wie furchtbar müssen einem dann Fantasien und Gedanken mitspielen? Aus diesem Grund ist es mehr als gut, ja notwendig, dass es das Internet gibt und vor allem Menschen wie Prof. Dr. med. Meinertz.
Mein Freund hat einen Universitätsabschluss als Betriebskaufmann. Im Moment bemüht er sich die Vergangenheit für seine Zukunft zu verstehen.
Hannelore K. aus Hüttenheim (07.04.2011): Ich habe selber einen Mitralklappenfehler Schweregrad 1. Durch die Informationshefte Herzklappenfehler bin ich aufgeklärt.
Heidi L. aus Hannover (08.03.2011): Ihr Kommentar hat mich etwas beruhigt! Ich bin ein Angstpatient (hochgradig) habe Angst vor der Narkose, müßte einige OP´s angehen, wie Narbenbruch, große Fettgeschwulst und Bandscheibe, habe eine Mitralklappeninsuffizienz, muß aber keine Medikamente nehmen. "Noch nicht". Bin 64 Jahre alt. Ich habe für mich entschlossen, viel mit dem Rad zu fahren und gehe einmal in der Woche zu "PILATES". Bei der letzten kardiologischen Untersuchung sagte mir der Kardiologe, dass sich einiges verbessert hat!!! Ich bin sicher, das der Sport und die Bewegung auch die Herztätigkeit sehr beeinflussen kann!
Herbert S. aus Wolfsburg (02.02.2011): Trotz eingehender Beratung/Gespräche vor und nach meiner Herzoperation am 11. Dez. 2010 und Entlassung am 05.01.2011 in HGZ Bad Bevensen hatte man einiges vergessen noch zu fragen. Die Informationen von Professor Dr. med. Meinertz waren für mich und auch für Familienangehörige informativ, hilfreich und verständlich.
Hannelore K. aus Hüttenheim (08.11.2010): Diese Informtion über den Mitralklappenfehler ist aufschlussreich!! Ich selber habe einen mit Mitralklappenfehler und durch Ihr Informatsionheft "Herzklappenerkrankungen heute" weiß ich genau Bescheid, wie ich mich verhalten soll bei Erkältung mit Fieber oder ohne.
Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für alle anderen, die den Sonderband noch nicht haben, hier der dazugehörige Link: Herzklappenerkrankungen heute.
Linder Heinrich aus Burscheid (05.11.2010): Das war sehr aufschlussreich. Jetzt weiß ich, wie ich mich Verhalten muss im Leben. Von dieser Seite aus habe ich das nicht so betrachtet.



