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Nicht beim Hausarzt anrufen!
Beim Herzinfarkt wählen immer noch viele die falsche Nummer
Bislang 8 Kommentare zu diesem Beitrag (Stand: Freitag, 03.02.2012)
In den letzten Jahren haben in Deutschland zahlreiche Aufklärungsaktionen zum Thema Herzinfarkt stattgefunden. Trotzdem versuchen immer noch viele Menschen bei diesem lebensgefährlichen Ereignis erst einmal ihren Hausarzt zu erreichen, statt sofort die 112 zu wählen.
Auch wenn ein Großteil der Bevölkerung heute weiß, dass starke Schmerzen im Brustkorb zu den klassischen Zeichen bei einem Herzinfarkt zählen, rufen in dieser Situation viele Betroffene nicht sofort den Notarzt an (112).
Stattdessen versuchen viele fälschlicherweise erst einmal ihren Hausarzt zu kontaktieren, der zwar im Alltag ein wichtiger Ansprechpartner für Patienten ist, aber beim Verdacht auf einen Herzinfarkt einen gefährlichen Umweg darstellt.
Ausführliche Infos zum Thema
Weitere wichtige Informationen, worauf es im Notfall bei einem Herzinfarkt ankommt, fasst das umfangreiche PDF „Was tun im Notfall?” zusammen (Autor: Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Becker). Als Mitglied können Sie sich den Expertenbeitrag hier kostenlos herunterladen.

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Denn Hausärzte verfügen nicht über die Ausstattung, die für eine Notfallbehandlung von Herzinfarkten erforderlich ist. Aus diesem Grund macht ein Hausarzt bei einem Herzinfarkt auch nichts anderes als den Notarzt zu alarmieren, der den Herzinfarkt-Patienten mit Blaulicht in hohem Tempo und ohne Zeitverlust ins Krankenhaus transportieren lassen kann. Im Krankenhaus kann dann z. B. mit einem Katheter das verschlossene Herzkranzgefäß schnell wiedereröffnet werden, das in den meisten Fällen die Ursache eines Herzinfarkts darstellt.
Warum zählt beim Herzinfarkt jede Minute?
Beim Herzinfarkt können jederzeit und ohne weitere Vorwarnung lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten, weshalb beim geringsten Verdacht auf einen Herzinfarkt immer sofort die 112 gewählt werden muss. Gefürchtet ist insbesondere Kammerflimmern, bei dem das Herz ähnlich wie beim Herzstillstand kein Blut mehr durch den Körper pumpt und somit ein Kreislaufstillstand vorliegt, der unbehandelt innerhalb kürzester Zeit zum Tode führt.
Absterbendes Herzmuskelgewebe
Je länger man bei einem Herzinfarkt mit dem Notruf wartet, desto mehr Herzmuskelgewebe kann in der Zwischenzeit absterben, was zu einer enormen Verminderung der Pumpkraft des Herzmuskels führen kann (= Herzschwäche). Je nach Schweregrad der resultierenden Herzschwäche geraten Betroffene dann in ihrem späteren Leben schon bei geringen Alltagsbelastungen in heftige Atemnot und können in schweren Fällen z. B. nicht einmal mehr Treppen steigen.
Fazit: Bei geringsten Hinweisen auf einen Herzinfarkt immer sofort die 112 wählen und nicht erst beim Hausarzt anrufen. Denn jede Zeitverzögerung kann beim Herzinfarkt tödlich enden. Welche weiteren Dinge darüber hinaus bei einem Herznotfall zu beachten sind, werden wir in unseren nächsten Newsletter-Ausgaben erläutern.
Wann die 112 wählen?
Bei folgenden Beschwerden sollte man sofort an einen Herzinfarkt denken und ohne Zeitverzögerung die Notrufnummer 112 wählen:
- Schwere Schmerzen im Brustkorb
Schwere Schmerzen im Brustkorb von mehr als fünf Minuten Dauer sind ein klassisches Herzinfarkt-Zeichen. Teilweise handelt es sich auch um ein heftiges Brennen oder um ausstrahlende Schmerzen z. B. in den Oberbauch, in die Arme, in den Hals und Kiefer oder zwischen die Schulterblätter in den Rücken (siehe Abbildung).
Typische Schmerzausstrahlung bei einem Herzinfarkt. - Starkes Engegefühl
Ein weiteres klassisches Herzinfarkt-Zeichen ist ein starkes Engegefühl im Herzbereich bzw. eine massive Einschnürung oder ein starker Druck. Viele Betroffene haben das Gefühl, dass ihnen ein Elefant auf der Brust steht.
Hinweis: Häufig tritt bei Betroffenen außerdem Angst auf, die sich z. B. mit einer fahlen Gesichtsfarbe und einer Kaltschweißigkeit zeigen kann. - Sonderfall Frauen
Insbesondere bei Frauen kann sich ein Herzinfarkt auch mit so genannten unspezifischen Symptomen bemerkbar machen. Darunter versteht man z. B. Atemnot, Oberbauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Wichtig: Wenn solche Beschwerden in zuvor noch nie gekanntem Ausmaß auftreten, sollten Sie immer sofort die 112 wählen. Womöglich liegt ein Herzinfarkt zugrunde.
(Redaktion: ebe)
Bislang 8 Kommentare zu diesem Beitrag
Christine K. aus Schönebeck (01.12.2011): Ich selber hatte gerade am 18.11.2011 einen Infarkt, mein Mann kam von der Arbeit und hat mich gefunden. Das erste, was er sagte war, "ich rufe unseren Arzt jetzt an", ich konnte ihn noch überzeugen die 112 zu wählen. Sehr schnell war der Notarzt bei mir, ich hatte keine bekannten Anzeichen und trotzdem fand ich die Hilfe der Ärztin und Sanitäter sehr gut. Im Krankenhaus wurde dann anhand der Blutwerte festgestellt, dass es ein Infarkt war. Ich bin sehr froh, dass mir so schnell geholfen wurde. Mein Alter noch kurz zur Info, 54 Jahre und nie vorher irgendetwas in diese Richtung gehabt. Mein Blutdruck ist eher auch zu niedrig statt erhöht.
Werner Isler aus Jever (21.07.2011): Ich bin Ausbilder beim DRK und unterrichte dieses Thema, kann also den Beitrag voll unterstützen. Hinzufügen möchte ich noch, dass man schon bei dem geringsten Verdacht anrufen soll. Auch wenn sich die Beschwerden als harmlos herausstellen sollten, braucht man keine Angst zu haben diesen Rettungseinsatz selber bezahlen zu müssen. Wir fahren lieber einmal umsonst, als zu spät zu kommen!!!
Walter Hesky aus Esslingen (03.02.2011): Leider ist die Unwissenheit bei der Bevölkerung noch sehr groß. Es müsste in jedem Haushalt und auch in Mehrfamilienhäuser eine Hinweistafel an sichtbaren Stellen angebracht werden und für die Bewohner täglich im Blickfeld sind. Auch für die Handtasche oder Gelbeutel müsste es kleine Hinweiskarten geben so dass sich die Notfallnummern einprägen und sie immer zur Hand sind. Ebenso müsste eine Anleitung für eine Wiederbelebung bekannt gemacht werden.
Guntram F. aus Grünwald (02.02.2011): Wenn man eine Herz-OP mit allen Feinheiten hinter sich hat, sind solche Internetseiten wahnsinnig wertvoll und lehrreich. Danke!
Manfred S. aus Augsburg (12.01.2011): Diese Seite ist sehr hilfreich. Wenn meine Frau nicht so schnell reagiert hätte, 112 anrufen und Wiederbelebung, würde ich heute nicht mehr hier sitzen. Das schnelle Eintreffen des Notarztes und die Wiederbelebung haben mir das Leben gerettet.
G. H. aus Heidelberg (13.12.2010): Ohne Kenntnis meiner Frau von der Tel. Nr. 112 bei meinem Herzinfarkt morgens um 7 h und einem hervorragenden Funktionieren der hiesigen Uniklinik hätte ich "sehr alt" ausgesehen. Habe die Nr. jetzt immer parat.
Tilo Hammermüller aus Berlin (25.11.2010): Der Beitrag ist nur zu empfehlen. Am besten ausdrucken und am Ort des Telefons ablegen. Auf Reisen mitnehmen.
Jörg W. aus Essen (25.11.2010): Ich finde nicht nur diesen Beitrag gut, sondern Ihre Stiftung überhaupt! Mein Hausarzt hat meine zwei Infarkte nicht erkannt... er sollte dringend Mitglied bei Ihnen werden. (habe mir einen neuen Hausarzt gesucht). Eigentlich sollte man solchen Ärzten das Handwerk legen!



