Kann grüner Tee das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern? Diese Frage steht heute im Mittelpunkt unserer medizinischen Sprechstunde. Wie ist der momentane Stand der Forschung und wie viele Tassen Tee haben welche Wirkung bei Herzinfarkt-Patienten?
Frage: „Ich trinke seit sechs Wochen auf Empfehlung meines Kardiologen täglich etwa einen Liter grünen Tee. Er hat jetzt festgestellt, dass sich die Auswurffraktion des Herzmuskels von 20-25 % auf 45 % verbessert hat. Gleichzeitig hat sich der Bluthochdruck normalisiert und liegt im Normalbereich von 110/60 mmHg. Die Medikation des Bluthochdruckmittels Ramipril 5 mg morgens und abends habe ich auf die Hälfte reduzieren können. Ich weiß, dass die Universitätsklinik Heidelberg eine Studie über grünen Tee macht. Meine Frage ist: Wie können die Inhaltsstoffe von grünem Tee die Herzkrankheit positiv beeinflussen?”
Newsletter zu Herzerkrankungen
Der Newsletter der Deutschen Herzstiftung gibt 1 x pro Monat wertvolle Tipps zu vielen Herzkrankheiten.
Als Mitglied können Sie in der medizinischen Sprechstunde der Deutschen Herzstiftung kostenlos Fragen zu Ihrer Herzerkrankung stellen.
Beantwortet werden die Fragen von erfahrenen Herzexperten aus renommierten kardiologischen Zentren, Universitätskliniken und anderen spezialisierten Medizineinrichtungen.
Für eine Frage per Internet
hier klicken
Für eine Frage per Telefon
hier klicken
Für eine Frage per Post
schreiben Sie bitte an:
Deutsche Herzstiftung e. V.
Stichwort: „Medizinische Sprechstunde”
Vogtstraße 50
60322 Frankfurt am Main
Wenn Sie noch nicht Mitglied sind, können Sie dies hier nachholen. (Hinweis: Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt auch im Jahr 2009 nur 36 Euro.)
Sie fragen nach der Wirkung, die grüner Tee auf die koronare Herzkrankheit hat. Kurzfristiger und langfristiger Konsum von schwarzem Tee hat eine günstige Wirkung auf die Funktion der Innenauskleidung der Arterien (Endothel). Diese Wirkung wird jedoch durch die Zugabe von Milch wieder zunichte gemacht. Nach einem Herzinfarkt beeinflusst der Teekonsum die Sterberate günstig. Dabei sind mehr als 14 Tassen pro Woche besser als weniger als 14 Tassen Tee (Duffy et al., Circulation 2001, 104: 151–156 sowie Mukamal, Circulation 2002, 105: 2476–81).
Grüner Tee wirkt sich bei Männern eventuell günstig auf das Schlaganfallrisiko aus, bei Frauen ist die Beweislage zu dieser Wirkung sogar etwas besser. Auf die koronare Herzkrankheit hat grüner Tee jedoch nach den vorliegenden Studien, die allerdings vorwiegend in Japan durchgeführt wurden, keine wesentliche Wirkung. Der Herzinfarkt ist in Japan jedoch deutlich seltener als der Schlaganfall, sodass die fehlenden Befunde nicht ausschließen, dass auch grüner Tee einen günstigen Einfluss haben kann.
Dass grüner Tee in dem von Ihnen genannten Umfang die Pumpfunktion des Herzens bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung verbessert, ist bislang meines Wissens jedoch noch nicht beschrieben worden.
Die Heidelberger Studie, von der Sie sprechen, ist noch nicht abgeschlossen. Sie betrifft auch nur Patienten mit einer Herzamyloidose, bei denen diese Erkrankung zu Herzschwäche führt. Dennoch – wenn es unter dem Genuss von grünem Tee bei Ihnen zu einer solchen Verbesserung gekommen ist: Bleiben Sie dabei!
Prof. Dr. med. Helmut Gohlke ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt im Herz-Zentrum Bad Krozingen. Zu den wissenschaftlichen Schwerpunkten des Herzspezialisten zählt u. a. die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.