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Nicht mit eigenem Auto in die Klinik fahren!

Die häufigsten Fehler bei Herz-Notfällen

Bislang 6 Kommentare zu diesem Beitrag (Stand: Mittwoch, 16.05.2012)

112 Notrufnummer

Worauf ist zu achten, wenn z. B. ein Angehöriger einen Herzinfarkt erleidet oder man zufällig bei einem sonstigen medizinischen Notfall anwesend ist?

Erst einmal abwarten, ob die Beschwerden vielleicht von alleine wieder verschwinden? Oder ist es evtl. sinnvoll, Betroffene mit dem eigenen Auto in die Klinik zu fahren? Die häufigsten Fehler, die es im Notfall zu vermeiden gilt, haben wir hier aufgelistet.

Kommt es zu einem medizinischen Notfall, lautet eine der wichtigsten Regeln: Auf keinen Fall mit dem Anruf bei der Rettungsleitstelle zögern! In der Realität wird dieser Hinweis allerdings häufig nicht beherzigt. Bis zur Notarzt-Alarmierung verstreichen hierzulande bei den Zeichen eines Herzinfarktes z. B. durchschnittlich immer noch mehr als drei Stunden, obwohl ein Herzinfarkt jederzeit ohne Vorwarnung zu lebensgefährlichem Kammerflimmern führen kann und deshalb jede Minute zählt.

Keine Scheu vor Fehlalarm

Niemand ruft gern den Rettungsdienst. Deshalb warten viele Menschen erst einmal ab, ob die Beschwerden wieder von allein verschwinden. Doch genau das ist beim Verdacht auf Herzinfarkt falsch. Warten hat in dieser lebensgefährlichen Situation nichts zu suchen! Bei Verdacht auf Herzinfarkt gibt es nur eins: Sofort den Rettungsdienst mit Notarzt rufen!

Nicht warten

Viele Patienten zögern vor allem in der Nacht und am Wochenende, den Rettungsdienst zu rufen. Niemals in der Nacht auf den Morgen warten, niemals am Samstag oder Sonntag auf den Montag. Bei einem Herzinfarkt geht es nicht um einen ärztlichen Rat oder eine normale Behandlung, die Stunden Zeit hat. Beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Ohne Zeitverzögerung müssen Betroffene ins rettende Krankenhaus gebracht werden. Sie verlieren wertvolle Zeit, wenn Sie zunächst beim Hausarzt oder bei Verwandten oder Nachbarn anrufen.

Wählen Sie 112

Wenn Sie die 112 oder die örtliche Notrufnummer anrufen, äußern Sie deutlich den Verdacht auf Herzinfarkt, weil sonst nur ein einfacher Rettungswagen kommt. Der Rettungswagen mit Notarzt ist mit einem Defibrillator ausgestattet, mit dem die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) beendet werden können.

Beim Notruf nicht vorzeitig auflegen

Immer wieder gehen bei Leitstellen Notrufe ein wie: „Kommen Sie sofort, mein Mann/meine Frau ist zusammengebrochen”, und ohne die Adresse anzugeben, wird der Hörer eingehängt. Folglich weiß der Rettungswagen nicht, wohin er fahren soll. Warten Sie daher immer ab, ob noch Rückfragen kommen. Das Gespräch beendet die Leitstelle.

Ärztlicher Notfalldienst ist kein Rettungsdienst

Immer wieder führt der Name „ärztlicher Not- bzw. Bereitschaftsdienst” zu Missverständnissen. Dabei handelt es sich nicht, wie viele annehmen, um den Notarzt im Rettungswagen, sondern um einen Dienst, der an Wochen­enden und Feiertagen oder auch nachts den Hausarzt ersetzt, z. B. wenn bei Grippe oder schwerer Migräne ärztliche Hilfe benötigt wird. Es dauert oft lange, bis der ärztliche Bereitschaftsdienst kommen kann und wenn er eintrifft, kann er nur die 112 alarmieren. Deshalb diesen Umweg meiden und direkt die 112 wählen.

Chest Pain Unit

Neuerdings gibt es in einigen Kliniken Einrichtungen, die genau auf Patienten mit Beschwerden im Brustkorb ausgerichtet sind. Die Chest Pain Unit (engl. für Brustschmerzeinheit) ist eine Notfallambulanz, die allen Patienten mit akuten Brustkorbbeschwerden offen steht.

Patienten können sich direkt ohne ärztliche Überweisung und ohne Anmeldungsformalitäten vorstellen. Die Chest Pain Unit ist 24 Stunden geöffnet und mit allen modernen Geräten ausgerüstet, die zur umgehenden Versorgung von Herznotfallpatienten notwendig sind.

Der Patient wird dort sofort untersucht. Die Ärzte entscheiden anhand der Untersuchungsbefunde, ob der Patient nach Hause gehen kann oder sofort behandelt werden muss.

Diese Chest Pain Units werden vom Notarzt/Rettungswagen (112) angefahren. Aber sie stehen auch zur Verfügung für Patienten, die nicht so starke Schmerzen haben, oder die zweifeln, ob es sich um einen Herzinfarkt handelt. Sie können sich – anstatt stundenlang zu Hause abzuwarten – z. B. mit einem Taxi in die Chest Pain Unit fahren lassen. Dabei besteht gegenüber dem Rettungswagen das Risiko, dass ein lebensbedrohliches Kammerflimmern auftritt, das nur vom Notarzt des Rettungswagens behandelt werden kann.

Aus diesem Grund ist dringend abzuraten, selbst zu fahren, da man unter Umständen andere Menschen gefährdet, wenn man durch die Folgen des Herzinfarkts die Kontrolle über das Steuer verliert.

(Redaktion: ebe)

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Bislang 6 Kommentare zu diesem Beitrag

Kirsten T. aus Bremen (23.07.2011): Ich finde diese Information sehr hilfreich. Man darf wirklich keine Zeit verlieren, wenn der Verdacht eines Herzinfarktes besteht. Mein Mann hatte 2007 einen schweren Hinterwandinfarkt. Ich habe ihn damals ohne zu zögern sofort ins Krankenhaus gebracht. Mir war da nicht bewußt, was meinem Mann dort noch bevorstand, da er bis zu diesem Zeitpunkt noch nie mit dem Herzen Probleme hatte. In der Klinik hatte sich sein Zustand so verschlimmert, daß er dreimal wiederbelebt werden mußte. Er hat zum Glück keine schweren Folgeschäden davon getragen.
Die Ärzte sagten mir später, er hat nur so viel Glück gehabt, weil ich sofort gehandelt habe und meinen Mann sofort in die Klinik gebracht habe. Mein Mann hatte laut Aussage der Ärzte noch ein Zeitfenster von 60 Minuten ansonsten wäre er verstorben. Heute würde ich sofort einen Notarzt rufen und ihn nicht mehr selber in die Klinik bringen.
Meinem Mann geht es heute gut. Er muß alle halbe Jahr zum Kardiologen zur Kontrolluntersuchung. Ja ich kann wirklich sagen, mein Mann hat sein Leben zum zweiten Mal geschenkt bekommen.

Herbert J. aus Elsdorf (18.06.2011): Ich hatte auch schon den Notarzt wegen Brustschmerzen und Engegefühl mit Verdacht auf Herzinfarkt gerufen, da ich die Symptome kannte, weil ich vor 6 Jahren einen Hinterwandinfarkt hatte und mir dadurch auch schnell geholfen werden konnte. Die letzten Beschwerden erwiesen sich jedoch Gott sei Dank als positiv. In jedem Fall bei Brustschmerz und Engegefühl die 112 rufen, dann ist man immer auf der sicheren Seite.

Rana Meske aus Hamburg (06.05.2011): Die 112 war mir zu dramatisch... In Bayern - im Urlaub - habe ich aber veranlasst, dass die 19222 gewählt wurde. Das ist aber dort gleichbedeutend mit der 112. Wenn durch dieses Missverständnis der Rettungswagen nicht gekommen wäre, wäre mein Mann nicht mehr am Leben und vor allem nicht ohne Schäden. Also: Gleich die 112 wählen; man kann sich als Laie nicht vorstellen, wie schnell etwas dramatisch werden kann.

Ruhal aus Worms (23.03.2011): Ich finde, dass es sehr wichtig ist richtig zu handeln, wenn es darauf ankommt. Solche Informationen sollten zu Herzen genommen werden. Alle sollten sich die Nummer 112 an den Kühlschrank oder einen gut ersichtlichen Platz hängen. Man glaubt immer, uns trifft es nicht, bis es zu spät ist.

W. Polatzek aus Steinau (09.03.2011): Sehr informativ.

Otmar L. aus Pulheim (13.02.2011): Es kann nicht oft genug für die richtige und vor allem schnelle Vorgehensweise bei Herz-Notfällen sensibilisiert werden. Ich habe auch einige der genannten Fehler gemacht und Gott sei Dank Glück gehabt. Und meine Erfahrung mit der Versorgung und Betreuung in der Chest Pain Unit war hier einfach nur Klasse und letztlich lebensrettend.

 
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