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Sprechstunde der Deutschen Herzstiftung

Angina pectoris: „Soll ich statt Nitrotabletten Calciumantagonisten einnehmen?”

Bislang 18 Kommentare zu diesem Beitrag (Stand: Mittwoch, 16.05.2012)

Foto Tabletten

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die hin und wieder unter Angina pectoris-Beschwerden leiden (anfallsartige Schmerzen im Brustraum), wird Sie unsere heutige Sprechstunden-Anfrage interessieren, die wir kürzlich bereits in der Zeitschrift HERZ HEUTE abgedruckt haben und hier noch einmal aufgreifen wollen. Die interessante Frage lautete, ob man bei einer Angina pectoris statt Nitrotabletten wegen der Bildung freier Radikale lieber Calciumantagonisten einnehmen sollte?

Die Frage: „Nach einer Bypass-Operation im Jahre 1987 und mehreren Stentbehandlungen wurde ich seit vielen Jahren mit langwirkenden Nitraten versorgt: Corangin 30 mg morgens/mittags und Corvaton 8 mg abends. Bei der letzten Routineuntersuchung hat mein neuer Kardiologe seine Bedenken geäußert, dass die Nitrotabletten freie Radikale bilden könnten, und geraten, diese probeweise durch Calciumantagonisten zu ersetzen. Er schlug Amlodipin vor. Nun meine Frage: Liegen Ihnen Untersuchungsergebnisse oder Erkenntnisse vor, die einen Wechsel von Nitropräparaten auf Calciumantagonisten ratsam erscheinen lassen?″
Jonas S., Plessa

Die Experten-Antwort:

In der Therapie der chronischen koronaren Herzerkrankung gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie sowie der European Society of Cardiology sind sowohl Nitrate als auch Calciumantagonisten zur Vorbeugung von Angina pectoris-Anfällen geeignet. Sie verbessern allerdings nicht die Prognose.

Bei der Langzeittherapie mit Nitraten kann es jedoch zu einer Gewöhnung kommen, welche als Nitrattoleranz bezeichnet wird. Der genaue Mechanismus ist noch nicht aufgeklärt: Vermutet wird u. a. eine vermehrte Bildung von freien Radikalen in den Gefäßen, welche die gefäßerweiternde Wirkung der Nitrate abschwächt. Die Nitrattoleranz ist für alle Medikamente in der Gruppe der Nitrate beschrieben, ebenso, wenn auch etwas weniger ausgeprägt, für Molsidomin*. Um diese Gewöhnung zu vermeiden, wird von den Fachgesellschaften empfohlen, eine tägliche Nitratpause von etwa 12 Stunden einzuhalten.

* Wagner F et al., Differences in the antiischaemic effects of molsidomine and isosorbide dinitrate (ISDN) during acute and shortterm administration in stable angina pectoris. Eur Heart J. 1991 Sept; 12(9): 994–999

Leichter Vorteil für Amlodipin bei Angina pectoris

In einer klinischen Studie wurden Isosorbidmononitrat (20–25 mg/Tag) und Amlodipin direkt verglichen (5–10 mg/Tag). Hier zeigte sich ein leichter Vorteil der Therapie mit Amlodipin im Bezug auf die Häufigkeit von Angina pectoris-Anfällen**.

** Hall R., Chong C., A double-blind, parallel-group study of amlodipine versus long-acting nitrate in the management of elderly patients with stable angina. Cardiology. 2001; 96(2): 72–77

Fazit: Der Wechsel von Nitraten auf den Calciumantagonisten ist demnach durchaus empfehlenswert, insbesondere, da die von Ihnen beschriebene Gabe von Corangin 30 mg morgens/mittags und Corvaton 8 mg abends – auch wenn dies übliche Praxis ist - die Nitratpause nicht sicher gewährleistet***.

*** T. Eschenhagen, Herztherapeutika. In: Arzneiverordnungs-Report 2007, Springer Berlin Heidelberg 2008


Fotos Dr. med. Maike Anderssohn und Prof. Dr. med. Rainer H. Böger

Die Antwort dieser Sprechtundenfrage wurde von Dr. med. Maike Anderssohn und Prof. Dr. med. Rainer H. Böger gegeben (Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf).

(Redaktion: ebe)

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Bislang 18 Kommentare zu diesem Beitrag

Maiky aus Plankstadt (23.03.2012): Suche gleichgesinnte Patienten, die auch unter Prinzmetal Angina leiden zum Austausch. Komme mit dem Ganzen einfach noch nicht klar. Maiky167@life.de

H. Jungnickel aus Leipzig (03.02.2012): Mir wurde Amlodipin wegen hoher Blutdruckwerte verordnet mit dem Ergebnis sehr stark ansteigender Ödeme in den Beinen, sodass dieses Medikament schleunigst wieder abgesetzt werden mußte.

K. J. G. aus Paderborn (18.12.2011): Dez. 97 schweren AP-Anfall erlitten. Katheteruntersuchung o. B. Arterielle Hypertonie. Medikation: Valsartan. Seit 2005 zusätzlich Amlodipin 5mg-0-5mg. Bekommt mir bestens.

Bernhard B. (29.11.2011): Hallo ich nehme jetzt seit 2 Jahren Molsidomin 8 mg am Abend, davor hatte ich Diltiazem 80 g. Es geht mir jetzt besser. Anmerkung von mir, ich habe 6 Stents.

Karl-Heinz Alig aus Geisenhausen (20.09.2011): Ich habe den Eindruck, dass je nach Bundesland und Region der Einsatz von Medikamenten bei KHK z. T. sehr abweichend vom jeweiligen Typ vorgenommen wird. Medikamente von denen ich noch nie was vernommen habe. Z. B. Nitro-Tabletten/-Tropfen nehme ich fast nie, wird jedoch bei vielen KHK-Kranken eingesetzt. Woran liegt das eigentlich?

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da Nachfragen an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht beantwortet werden können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihr Mitarbeiter-Team der Deutschen Herzstiftung

Ivan aus Bolivien (29.05.2011): Meine Meinung nach sind Calciumantagonisten ein bisschen besser als Nitrotabletten. Einerseits kann man Calciumantagonisten den ganzen Tag benutzen, aber Sie produzieren vielmals Kopfschmerzen. Andererseits koennten Nitrotabletten bessere Ergebnis produzieren.

Johann S. aus Cham (25.12.2010): Bin auch durch meine KHK Erkrankung von AP-Beschwerden betroffen. Habe durch die Einnahme von Ivabradin eine deutliche Besserung erreicht.

Walter Krainer aus Kaufungen (29.03.2010): Nehme seit sechs Monaten Amlodipin, habe jetzt weniger Herzbeschwerden. Betablocker (Metoprolol) wurde auf 47.5 mg reduziert.

Pohle Günter aus Krefeld (29.03.2010): Nach Myokardinfarkt und Reanimation - PCA und Stent - immer wieder AP-Anfälle und mittlerweile Einstellung auf Molsidomin 8 mg, morgens und abends sowie mo/ab Nisoldipin RR10 - AP-Anfälle nachts. Verbessert mit Isoket 20 ret. abends. Hier auch Warnung vor freien Radikalen, daher Molsidomin abends abgesetzt - wegen Nitratpause. Bisher ok. Was könnte ich besser machen zur Ausschaltung negativer Langzeiteffekte? Hinweis der Deutschen Herzstiftung: Für Fragen zur eigenen Herzerkrankung bitte die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen. Nachfragen können an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht beantwortet werden.

Erika Pinné aus Hanau (29.03.2010): Ich bin auch eine Betroffene. Nahm mehrere Jahre ISDN 40. Ich habe Prinzmetal-Angina. Am Anfang der Einnahme war ich 3 Monate schmerzfrei. Dann hatte ich wieder meine täglichen Belastungsschmerzen. Vor 1 1/2 Jahren habe ich ISDN 40 gegen Pentalong getauscht. Leider kein Erfolg. Suche immer noch nach einem Medikament gegen belastungsabhängige Schmerzen. Nehme außerdem Diltiazem 180 mg und Pentalong in einer Stärke von 80 mg jeweils 2 x täglich.

Jörg Schüürmann aus Schortens (29.03.2010): Warum hört man diese Informationen über Anwendung von Nitraten und deren Risiken nicht automatisch vom Haus- bzw. vom Facharzt ?

H. Stoerig aus Seinstedt (28.03.2010): Sehr gut beschrieben und erklärt.

Hans-Ludwig Wiß aus Köln (28.03.2010): Nur durch Zulernen kann man auch dem Arzt als kompetenter Gesprächspartner auftreten.

Andreas Pohl aus Niedersachsen (28.03.2010): Ich bekomme auch Molsidomin und werde die Frage mit meinem Hausarzt abklären.

Horst Kuhlmann aus Kaltenkirchen (27.03.2010): Ich habe auch schon vor längerer Zeit Amlodipin genommen. Im Krankenhaus ist die Medikation aber auf Pentalong umgestellt worden, da es sich bei der Untersuchung herausgestellt hatte, dass ich eine Gefäßverkrampfung am Herzen habe, die durch Nitro abgestellt werden soll.

Karl-Heinz C. aus 56112 Lahnstein (27.03.2010): Habe das gleiche Problem, nehme aber unverändert Nitrate + Calciumantagonisten.

Gregorio Barraco aus Trapani - Italia (27.03.2010): Ich finde alle Erklärungen und Erläuterungen immer sehr gut.

Anonym (27.03.2010): Wenn was von Prof. Eschenhagen kommt, ist es bisher immer exzellent und verständlich gewesen, sowie wissenschaftlich untermauert. Toll.

 
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