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Wirkung von Acetylsalicylsäure
Warum hilft ASS eigentlich gegen Kopfschmerzen und gleichzeitig gegen Verklumpungen des Blutes?
Bislang 29 Kommentare zu diesem Beitrag (Stand: Dienstag, 15.05.2012)
Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es möglich ist, dass Acetylsalicylsäure (ASS) ein wirkungsvolles Mittel gegen Kopfschmerzen darstellt und gleichzeitig auch vor Verklumpungen des Blutes schützt und deshalb z. B. zur Herzinfarkt-Vorbeugung eingesetzt wird?
Aufgrund umfangreicher Studien weiß man heute, dass an der Entstehung von Schmerzen (z. B. Kopfschmerzen) in vielen Fällen eine Reihe von Botenstoffen beteiligt ist. Ähnliches gilt für Entzündungen, die ebenfalls von verschiedenen Botenstoffen in Gang gesetzt werden. Und auch an der Gerinnung des Blutes sind zahlreiche Botenstoffe beteiligt, die den Verklumpungsprozess der Blutplättchen und somit die Gerinnung stimulieren.
Der Wirkmechanismus von ASS: An der Produktion von Botenstoffen sind in den eben genannten Fällen vielfach so genannte Cyclooxygenasen beteiligt, bei denen es sich um Moleküle aus dem Inneren von köpereigenen Zellen handelt. Diese Cyclooxygenasen lassen sich mit der Einnahme von ASS hemmen, woraufhin die Produktion zahlreicher Botenstoffe abnimmt und somit Kopfschmerzen nachlassen, Entzündungen zurückgehen und die Gerinnung gebremst wird.
Das Ausmaß der Botenstoffhemmung hängt dabei stark von der verabreichten ASS-Dosis ab. 100 mg in Tablettenform verabreicht reichen aus, um die Blutgerinnung zu hemmen. Dagegen wird ein entzündungshemmender und Schmerz reduzierender Effekt erst ab 500 mg erzielt; meist sind höhere Dosierungen erforderlich, allerdings sollte eine Tagesdosis von 3 g nicht überschritten werden.
Stichwort Botenstoffe
Cyclooxygenasen sind an der Produktion verschiedener Botenstoffe beteiligt. Ein wichtiger Vertreter ist z. B. der Botenstoff Thromboxan A2, der Blutgefäße verengen kann und die Gerinnung fördert, indem er die Verklumpungsneigung der Blutplättchen (Thrombozyten) erhöht. Ebenfalls wichtige Vertreter sind Prostacyclin (= Prostaglandin I2) und Prostaglandin E2. Diese beiden Botenstoffe können Entzündungen fördern und zur Schmerzverstärkung beitragen (Sensibilisierung von Nervenenden). Darüber hinaus fungiert Prostacyclin als natürlicher Gegenspieler von Thromboxan. D. h. Prostacyclin hemmt die Blutgerinnung und erweitert die Gefäße. Hinweis: Für die normale Funktion der Herzkranzgefäße ist die Prostacyclinfreisetzung in der dortigen Gefäßinnenwand von wesentlicher Bedeutung. Diese schützende Prostacyclinbildung wird bei einer ASS-Dosis von 100 mg nicht gehemmt. Bei höheren ASS-Dosierungen (z. B. 500 mg) und ganz besonders bei der Anwendung von COX2-Hemmern kann die Prostacyclin vermittelte Schutzfunktion allerdings beeinträchtigt sein. Dies kann bei gefährdeten Patienten u. a. zu einem Herzinfarkt führen.

Fazit: Nimmt ein Mensch ASS ein, führt dies zur Hemmung von Cyclooxygenasen, woraufhin die Produktion verschiedener Botenstoffe abnimmt. Da es sich um Botenstoffe mit unterschiedlichen Auswirkungen handelt, kann ASS sowohl Schmerzen lindern als auch Entzündungen hemmen und gleichzeitig die Gerinnungsneigung des Blutes verringern.
Hinweis: Die Erläuterungen zum Wirkmechanismus von ASS auf dieser Seite sind eine vereinfachte Darstellung der komplexen biochemischen Zusammenhänge im menschlichen Körper. Insgesamt existiert eine Vielzahl weiterer Botenstoffe, auf deren Beschreibung hier verzichtet wurde. Zudem unterscheidet man bei den Cyclooxygenasen zwei Unterformen (Cyclooxygenase-1 und Cyclooxygenase-2), was z. B. bei der Entwicklung so genannter Cox-2-Hemmer eine Rolle spielt, die eine Medikamentengruppe zur Behandlung von Schmerzen darstellen.
Hätten Sie´s gewusst?
Wussten Sie, dass Acetylsalicylsäure (ASS) schon seit über 100 Jahren im Einsatz ist, aber der genaue Wirkmechanismus dieser Substanz erst Anfang der 70er Jahre aufgeklärt wurde und dafür 1982 schließlich der Medizinnobelpreis vergeben wurde? Verliehen wurde die hohe Auszeichnung zu je einem Drittel an Sune K. Bergström, Bengt I. Samuelsson und John R. Vane („für ihre Entdeckungen auf dem Gebiet der Prostaglandine und damit in Verbindung stehender biologisch aktiver Substanzen”).
(Redaktion: ebe)
Bislang 29 Kommentare zu diesem Beitrag
S. Müller aus Essen (19.04.2012): Ich bin in der telefonischen Intensivberatung für Herzberatung tätig. Viele Erklärungen kann ich an meine Patienten verständlich weitergeben und auch die Internetseite ist immer eine Empfehlung Wert.
Horst P. aus Diessen (04.02.2012): Ich habe 3 Jahre Marcumar genommen, dieses Medikament hat bei mir negativ Beschwerden verursacht. Meine Beine wurden immer schwächer. Hatte große Schmerzen. Ich wurde immer schwächer konnte vom Kopf her nichts mehr aufnehmen. jetzt wurde ich auf ASS umgestellt und es geht mir Tag für Tag besser. Meine Meinung, jeder Mensch ist nicht gleich, also muss die Medikamentengabe auf jeden Menschen abgestimmt werden. Danke für Ihre guten Tipps.
Neumann aus Düsseldorf (19.01.2011): Die Hinweise zu den Botenstoffen finde ich gut. Wie ist es mit den Mengenangaben und den Gewichten der Patienten? 100 mg bei 50 kg, 500 mg bei 250 kg? Wie schnell baut ASS im Körper ab?
Wie ist das mit den Bronchien und ASS?
Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da Nachfragen an dieser Stelle aus technischen Gründen nicht beantwortet werden können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihr Mitarbeiter-Team der Deutschen Herzstiftung
W. aus Hamburg (05.01.2011): Mit ASS komme ich seit 12 Jahren gut zurecht.
H.-D. W. aus Bremen (16.12.2010): Sehr gute INFO für jeden, der mit Herzkrankheiten zu tun hat.
Thomas K. aus Hausach (12.12.2010): Da ich ASS seit einem Jahr nehme und ich Diabetiker bin und ich dadurch an Gewicht verlor, aber ich habe mich mit der Sache abgefunden, dass ich nun mal KHK habe und den Kopf nicht in den Sand stecke, sondern weiterlebe. Mit einer Umstellung meines Lebens geht das Leben weiter, bis es eines Tages soweit ist, aber heute noch nicht. Lebe heute und nicht morgen, denn du weißt nicht was ist.
Frieda Kernstock aus Leutershausen (26.11.2010): Immer wieder sehr informativ und interessant.
Ingeborg Frank aus Löffingen (10.06.2010): Der Bericht ist für mich sehr interessant. Mein Mann und ich haben zum Glück keine Erfahrung mit Herzerkrankungen.
Brigitte McBain-Haas aus Heidelberg (29.05.2010): Es wäre begrüßenswert, wenn sie auch noch auf die unterschiedliche Wirkungsweise von ASS bei Frauen und Männern eingehen und entsprechende Studien auswerten würden.
C. Herzog aus Koblenz (26.05.2010): ... sehr informativ und hilfreich gerade auch für Patienten, die ASS 100 nehmen müssen, z. B. wegen einer - unfallbedingten - Milzruptur. Die neuerlichen Warnungen vor Gefahren durch ASS-Einnahme versunsichern solche Patienten. Im genannten Artikel ist daher die Mengenangabe mit möglichen Folgen höchst versachlichend. Mit freundlichem Gruß C. Herzog, Koblenz
Klaus F. aus Sankt Augustin (13.05.2010): Kann ich voll bestätigen. Seit 2007 nach einer Bypass-OP nehme ich tägl. ASS 100 ein.
Roth aus Cottbus/Berlin (10.05.2010): Alle Berichte und Veranstaltungen der Herzstiftung sind ein Segen.
Hans Breuer aus Köln (05.05.2010): Gute und gezielte Aufklärung finde ich wichtig, denn: das Wissen um die Dinge macht das Patienten-Leben erheblich leichter.
Albrecht Sahliger aus Schüttorf (03.05.2010): Hilft mir bei Kopfschmerzen, hervorgerufen z. B. durch schlechte Luft in Verbindung mit mäßigem Alkoholgenuss (Wein) ausgezeichnet!
Heinrich Meyer aus PLZ 28790 (02.05.2010): Gute Verträglichkeit, Abnahme der Furcht vor Schlaganfällen. Allgemeines Wohlempfinden.
Manfred Lutz (01.05.2010): Wie ich schon vor Jahren bei einem Besuch des Pfahlbaumuseums in Unteruhldingen am Bodensee informiert wurde, haben auch schon die Menschen in der Stein- bzw. Bronzezeit ASS "gekannt", bzw. die Wirkung dieses Stoffes; und zwar bei Schmerzen durch Kauen der Rinde (?) der Salweide (in welcher ASS enthalten ist). Anhand von Funden konnte dies rekonstruiert werden.
Heinz Schmeida aus Büchenbach (01.05.2010): Ich bin seit Dez. 2009 Mitglied der Deutschen Herzstiftung und erfahre durch Informationen und Beratung nur "POSITIVES".
Hans Weisser aus Hornberg (01.05.2010): Für einen Laien sehr verständlich erläutert!!
Werner R. aus Dannstadt Schauernheim (01.05.2010): Ich selbst leide unter einer koronaren Herzerkrankung. Bei mir wurde vor sechs Jahren eine Bypassoperation durchgeführt mit anschließender Marcumartherapie. Vor zwei Jahren eine Herzklappen-OP. Seit dieser OP wurde Marcumar bei mir abgesetzt und die Behandlung konnte bis heute mit Herzass weitergeführt werden.
Helga P. aus Weilheim (01.05.2010): Ich habe 2 Stents und damit verbunden ist die Möglichkeit der Blutverklumpung. Danke für die Darstellung der Wirkmechanismen! Ich nehme seit Jahren Ass 100 und die geschilderten Folgen sind absolut zutreffend.
Ulrich Leuchsner aus Bergisch Gladbach (01.05.2010): Ich denke, dass es für den Patienten wichtig ist zu wissen, was sich bei der Einnahme von Medikamenten im eigenen Körper tut. Schließlich muss er i. d. R. diese Präparate ein Leben lang einnehmen. Dabei unterstützen diese einfachen Erläuterungen von an sich komplizierten biochemischen Prozessen. Vielen Dank für diesen zusätzlichen Service.
Günter Jahnke aus PLZ 42111 (01.05.2010): Gut jetzt konkret zu wissen, was wie ist.
Werner D. aus Waldkirch (01.05.2010): Zweifellos eine gut erklärende Information. Aber... ich vermisse den Hinweis auf die möglichen Nebenwirkungen. Ich selbst habe die ASS 100 ca. 2 Jahre nach einer Bypassoperation abgesetzt, da ich trotz Magentabletten erhebliche Probleme im Magen hatte. Diese Probleme haben sich nach der Absetzung sehr schnell gebessert, sind aber bis heute, im 3. Jahr nach der Operation nicht vollständig beseitigt.
Es erscheint mir wichtig den Leser auch auf diese möglichen negativen Auswirkungen hinzuweisen.
Zweifellos muss jeder Patient selbst Nutzen und Nebenwirkungen der Tabletten abwägen.
Antwort der Deutschen Herzstiftung: Lieber Herr Diers, bitte beachten Sie, dass der Beitrag auf dieser Seite in erster Linie geschrieben wurde, um den Wirkmechanismus von ASS zu beleuchten. Darüber hinaus ist es der Deutschen Herzstiftung sehr wichtig sowohl über den Nutzen von Medikamenten zu berichten als auch über eventuelle Nebenwirkungen. In unserem März-Newsletter dieses Jahres haben wir z. B. einen Beitrag zum Thema ASS gegen Herzinfarkte veröffentlicht, der Sie daher wahrscheinlich sehr interessieren wird. Herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung
Kurt D. aus Kassel (01.05.2010): Auch ich habe bereits als Kind bis zu meinem Herzinfarkt mit 43 Jahren in 1974 stark unter Kopfschmerzen gelitten. Nach dem Infarkt bekam ich ASS 100 des Blutes wegen und die Kopfschmerzen waren als bedeutender Nebeneffekt weg!
Busse, Paul aus Bochum (01.05.2010): Verdeutlicht Zusammenhänge mit ASS-Einnahme
Hans Wittich aus Saarbrücken (01.05.2010): Ich bin weiter an Informationen interessiert!
Weiterhin: Wie wirken Blutdruck senkende Mittel?
Antwort der Deutschen Herzstiftung: Lieber Herr Wittich, vielen Dank für die Anregung, die wir in Zukunft gerne aufgreifen möchten.
Karl Krebs aus St. Ingbert (01.05.2010): Die Aufklärung über die Wirkstoffe in den Medikamenten finde ich verständlich gegenüber den Aufklärungen von manchen Ärzten mit ihren lateinischen Wörtern, die auf der Schnelle schwer zu verstehen sind.
Bernd B. aus Bad Neuenahr/Ahrweiler (30.04.2010): Ich finde den Artikel informativ, weil ich mich aufgeklärt fühle und jetzt weiß, warum ich das Medikament einnehmen muß, da ich nach einem Infarkt Bypässe bekommen habe.
Hildegard B. aus Dortmund (30.04.2010): Auf Anraten meines Apothekers und meines Hausarztes nehme ich täglich 1X100 mg Ass ein, um das Schlaganfallrisiko zu vermindern.



